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Energieautarkie: Wie autark können wir leben?

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Viele Hausbesitzer träumen davon, unabhängig von fossilen Quellen und mit eigenem Strom zu leben. Doch lässt sich in Deutschland eine 100-prozentige Autarkie realisieren? Wir klären auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine vollständige Energieautarkie ist in Deutschland für normale Haushalte kaum erreichbar – im Winter fehlt der Solarertrag.
  • Mit PV-Anlage und Stromspeicher sind beim Strom rund 70 Prozent Autarkie realistisch.
  • Solarthermie deckt im Sommer fast den ganzen Warmwasserbedarf, im Winter braucht es eine Zusatzheizung.
  • Je besser die Dämmung des Gebäudes, desto höher der mögliche Autarkiegrad.

Was bedeutet Autarkie?

Der Begriff „Autarkie“ stammt aus dem altgriechischen Wort „autárkeia“, das „unabhängig“ bedeutet. Auf die energetische Bilanz eines Hauses bezogen impliziert er, dass das Haus mit Strom versorgt und beheizt werden kann, ohne auf externe Versorger und Lieferanten (Netzstrom, Heizöl, Gas, Holz/Pellets) zurückzugreifen.

In Deutschland ist ein solches Konzept schwer umzusetzen, da sowohl Photovoltaik- als auch Solarthermieanlagen im Winter nicht genug Energie liefern, um den Strom- und Wärmebedarf zu decken. Es ist allerdings möglich, die durch die Photovoltaikanlage betriebene Wärmepumpe etwa mit einem Pelletkessel oder mit einer Scheitholzheizung zu ergänzen. Reicht die Leistung der Solaranlage in den kältesten Monaten nicht aus, springt die Pelletheizung ein, um die Spitzen beim Wärmebedarf zu decken.

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Nimmt man den Begriff „Autarkie“ wortwörtlich, ist eine solche hybride Heizung nicht autark, da auch die Pellets oder die Holzscheite meist von einem Lieferanten bezogen werden. Allerdings benötigen die Besitzer keinen Vertrag mit einem Fernwärme- oder Gasanbieter. Manche sprechen daher auch in diesem Fall von Autarkie, obwohl es sich nicht um eine Autarkie in engstem Sinn handelt.

Ein unterschiedliches Konzept stellt die sogenannte bilanzielle Autarkie dar. Dabei soll lediglich die Summe der erzeugten Energie genauso groß wie die verbrauchte Energie sein. Beispielsweise erzeugt eine Photovoltaikanlage sehr viel Strom im Sommer und speist 50 Prozent davon ins Netz. Während der Wintermonate bezieht der Besitzer Netzstrom. Die Menge des verbrauchten Netzstroms ist aber gleich der Menge des im Sommer eingespeisten Stroms. Trotz einer bilanziellen Autarkie ist der Saldo für den Hausbesitzer negativ, da der Preis pro Kilowatt für Netzstrom höher als die Vergütung für PV-Anlagebesitzer ist.

Energieautarkie: In Deutschland schwierig ist die ganzjährig Unabhängigkeit von Energieversorgern
Energieautarkie: In Deutschland schwierig ist die ganzjährig Unabhängigkeit von Energieversorgern

Solarthermie: Im Sommer komplette Autarkie bei der Warmwasserversorgung möglich

Solarthermische Anlagen nutzen Röhren- und Flachkollektoren aus dunkel gefärbtem Spezialglas, in deren Inneren Wasser sich auf bis zu 90 Grad erwärmt. Für einen Vier-Personen-Haushalt werden zur Warmwasserbereitung je nach Kollektorbauart typischerweise etwa 4 bis 6 Quadratmeter Kollektorfläche benötigt; in den Sommermonaten kann der Heizkessel dann häufig ausbleiben. Auch in den Übergangsmonaten September und April ist es bei durchschnittlichen Wetterbedingungen möglich, bis zu 70 Prozent des Warmwasserbedarfs zu decken.

Warmes Wasser erzeugen mit der eigenen Solarthermieanlage
Warmes Wasser erzeugen mit der eigenen Solarthermieanlage

Wer mit Solarthermie auch die Heizung betreiben will, ist in den Wintermonaten auf eine zusätzliche Quelle angewiesen, beispielsweise auf eine Gas- oder eine Pelletheizung. Die Solarthermieanlage dient dann als Unterstützung; im Januar bleibt ihr Beitrag stark wetter- und objektabhängig, übers Jahr sind bei Kombianlagen je nach Auslegung grob 20 bis 25 Prozent der Wärme erreichbar. Als Ergänzung bietet sich beispielsweise eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung an; eine neue Gasheizung sollte wegen GEG-Vorgaben und künftigem Brennstoffbedarf nur nach Energieberatung geprüft werden.

PV-Anlage plus Speicher: Bis zu 70 Prozent Autarkie

Anfang 2026 waren in Deutschland bereits rund 4,8 Millionen Photovoltaikanlagen installiert (Statistisches Bundesamt). Wer eine ausreichende Dachfläche und die richtige Ausrichtung hat, kann damit zumindest in den Sommermonaten einen Großteil seines Strombedarfs decken. Da der meiste Strom in den Mittagsstunden erzeugt wird, wenn die Nachfrage am geringsten ist, erhöht ein Stromspeicher sowohl Autarkiegrad als auch den Eigenverbrauchsanteil.

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So reichen bei einem Stromverbrauch von 6.000 Kilowattstunden pro Jahr laut dem Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin rund 7 Kilowatt Solarleistung und ein 10-Kilowattstunden-Speicher, um aufs Jahr gerechnet einen Autarkiegrad von etwa 67 Prozent zu erreichen. Aufgrund der niedrigen Sonneneinstrahlung zwischen Oktober und März führt selbst eine leistungsstärkere Anlage nicht zu mehr Selbstversorgung, da im Schnitt nur 20 Prozent des Jahresertrags auf das Winterhalbjahr fällt. Im Gegenteil wäre eine solche Anlage überdimensioniert und die Investitionskosten zu hoch, was zu einer langen Amortisationszeit führen würde.

Anders sieht es aus, wenn neben den normalen Verbrauchern auch E-Fahrzeuge, Klimaanlagen oder eine Wärmepumpe angeschlossen ist. Die Faustregel besagt, dass pro 1.000 Kilowattstunden Stromverbrauch ein Kilowattpeak an Leistung und 1 bis 1,5 Kilowattstunden an Speicherkapazität installiert sein soll.

Stromspeicher helfen den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen
Stromspeicher helfen den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen
Photovoltaik Dach © tl6781, stock.adobe.com
Wer seine Dachfläche klug nutzt und die Solaranlage mit einem Speicher ausstattet, erreicht einen Autarkiegrad von bis zu 70 Prozent © tl6781, stock.adobe.com

Niedrig- und Nullenergiehäuser: Geringer Heizbedarf macht den Unterschied

Da in unseren Breitengraden das Heizen für rund 70 Prozent des Energieverbrauchs der privaten Haushalte verantwortlich ist, entscheidet der bauliche Zustand des Gebäudes über den erreichbaren Autarkiegrad.

Ein Passivhaus darf eine Heizlast von höchstens 10 Watt pro Quadratmeter oder einen Jahresheizwärmebedarf von maximal 15 kWh/(m²a) aufweisen; oft reicht deshalb eine sehr kleine Restheizung. Der geringe Wärmebedarf wird durch passive Quellen wie Menschen, Haushaltsgeräte und Sonneneinstrahlung gedeckt. Moderne Lüftungsanlagen mit Wärmetauschern sorgen dafür, dass die im Haushalt erzeugte Wärme nicht verloren geht, gleichzeitig entfällt wegen des stetigen Luftaustausches der Bedarf nach Fensterlüftung, die für hohe Wärmeverluste verantwortlich ist.

Das Passivhaus nutzt alle vorhanden Wärmequellen
Das Passivhaus nutzt alle vorhandenen Wärmequellen

Hochwertig gedämmte Dächer und Fassaden minimieren die Energieverluste an der Gebäudehülle zusätzlich. Kommt auch eine Solaranlage hinzu, deckt ein solches Nullenergiehaus theoretisch seinen Energiebedarf weitgehend selbst. Praktisch haben auch solche Häuser einen Netzanschluss sowie eine Heizungsanlage, um ihren Energiebedarf in den kältesten Monaten zu decken.

Hausdach mit Isoliermatte © Mr.Stock, stock.adobe.com
Je besser die Gebäudedämmung, desto höher der mögliche Autarkiegrad © Mr.Stock, stock.adobe.com
Dach Dämmen mit einer Zwischensparrendämmung © lianem, stock.adobe.com
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Im Vergleich dazu kann ein sanierter Altbau je nach Zustand noch eine Heizlast von bis zu etwa 100 Watt pro Quadratmeter aufweisen. Damit scheiden Konzepte für eine komplett autarke Energieversorgung aus. Es ist aber auch hier möglich, mit einer Kombination aus Solarthermie, Photovoltaik mit Stromspeicher und Kleinwindkraftanlagen einen gewissen Grad an Selbstversorgung zu erreichen.

Beste Dämmung und optimaler Energiemix: Hoher Autarkiegrad
Beste Dämmung und optimaler Energiemix: Hoher Autarkiegrad

Biogasanlage: Ökologische Lösung für Landwirtschaftsbetriebe

Biogas entsteht in der Landwirtschaft aus organischen Abfällen wie Pflanzenresten und Gülle. Das Gemisch enthält Methan, das in rund 9.300 Anlagen deutschlandweit vor allem der Stromerzeugung dient. Einige Gemeinden nutzen das Gas allerdings, um Blockheizkraftwerke zu betreiben, und erreichen damit eine 100-prozentige Energieautarkie.

Wer in der Stadt lebt, hat eine solche Möglichkeit nicht. Einige Biogasanbieter und Energiegenossenschaften versichern allerdings die Versorgung ihrer Kunden mit nachhaltigem Ökogas aus Agrarbetrieben. Für die Umwelt sind solche Verträge vorteilhaft, Autarkie erreicht man aber so nicht.

Biogas ist die umweltfreundliche Alternative zu Erdgas
Biogas ist die umweltfreundliche Alternative zu Erdgas

Blockheizkraftwerk: Autarkie für Strom und Wärme

Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme (Kraft-Wärme-Kopplung) und erreicht damit einen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 90 Prozent. Im Inneren der Anlage befindet sich je nach Modell ein Stirling-Motor, eine Gasturbine, eine Brennstoffzelle oder ein Dampfmotor. Ein Generator wandelt die kinetische Energie des Motors in Strom um, während die Wärme der Abgase, die bei der Stromerzeugung entstehen, über Wärmetauscher in den Heizkreislauf fließt. Ein Pufferspeicher sorgt in der Regel dafür, dass die Wärme gespeichert wird, wenn keine Nachfrage besteht.

Funktionsprinzip eines Blockheizkraftwerks
Funktionsprinzip eines Blockheizkraftwerks

Als Brennstoffe nutzen Blockheizkraftwerke Erd- und Biogas, Pellets sowie Heiz- und Pflanzenöl. Inzwischen gibt es auf dem Markt auch Anlagen, die grünen Wasserstoff nutzen und damit nicht nur eine autarke, sondern theoretisch auch eine umweltfreundliche Energieversorgung gewährleisten. Allerdings richtet sich das Angebot bis jetzt eher an kommunale Großversorger und Gewerbebetriebe als an Privatpersonen. Zwar umfasst die Produktpalette mancher Anbieter auch Brennstoffzellen-BHKWs, die sich mit Wasserstoff betreiben lassen. Da reiner Wasserstoff jedoch teuer und schwer erhältlich ist, gewinnen diese Anlagen Wasserstoff aus Erdgas.

Blockheizkraftwerke werden immer kleiner
Blockheizkraftwerke liefern sowohl Wärme als auch Strom, benötigen aber meist trotzdem Gas

Im Allgemeinen sind klassische BHKW für Einfamilienhäuser überdimensioniert. Eine Anlage mit 15 Kilowatt elektrischer Leistung erzeugt 75.000 Kilowattstunden Strom nur bei etwa 5.000 Volllaststunden im Jahr; zugleich fallen je nach Stromkennzahl sehr große Wärmemengen an. Solche Dauerlasten passen eher zu Mehrfamilienhäusern, Schwimmbädern, Gewerbe oder kommunalen Gebäuden als zu typischen Einfamilienhäusern. In den letzten Jahren drängen jedoch immer mehr sogenannte Nano-BHKW auf dem Markt. Zu den führenden Anbieter in Deutschland zählen beispielsweise A-TRON, SenerTec, Vaillant und Viessmann. Mit einer Leistung von 1 bis 2,5 Kilowatt eignen sich solche Anlagen auch für Einfamilienhäuser. Die Kosten liegen inklusive Installation und integriertem Pufferspeicher bei zirka 20.000 bis 30.000 Euro. Wer auf einen BHKW mit Brennstoffzelle setzt, muss mit mindestens 35.000 Euro noch tiefer in die Tasche greifen.

Mit einem Nano-Blockheizkraftwerk ist es möglich, einen hohen Autarkiegrad zu erreichen. Die meisten Anlagen sind jedoch mit einem sogenannten Spitzenlastkessel ausgestattet, der auch an kalten Tagen eine ausreichende Wärmeversorgung gewährleistet. Zwar ist eine 100-prozentige Autarkie ebenfalls denkbar. In einem solchen Fall wäre der BHKW jedoch meist überdimensioniert und die Kosten zu hoch. Aus diesem Grund zieht man vor, den durchschnittlichen Bedarf zu betrachten und im Notfall auf eine zusätzliche Hilfe zurückzugreifen. Eine Unabhängigkeit vom Gasversorger erreichen Hausbesitzer damit nicht. Ohnehin brauchen sie in den meisten Fällen einen Gasanschluss, um den BHKW zu betreiben.

Wege zur Energieautarkie im Überblick

AnsatzErreichbarer AutarkiegradWichtigste Einschränkung
PV-Anlage + Stromspeicherrund 70 % beim StromIm Winter wenig Ertrag, Netzbezug bleibt nötig
SolarthermieSommer häufig Warmwasser, Winter nur geringer BeitragNur Wärme/Warmwasser, Zusatzheizung nötig
Passiv-/Nullenergiehaussehr hochNur bei Neubau bzw. Top-Dämmung; Netzanschluss bleibt
Biogas-BHKW (Hof)bis zu 100 %Praktisch nur für Landwirtschaftsbetriebe
Nano-BHKWhochBraucht meist einen Gasanschluss
Wasserstoffheizungderzeit keine realistische HaushaltsoptionGrüner Wasserstoff ist knapp, teuer und für Gebäudewärme unsicher

Die Zukunft: Elektrolyseure und Wasserstoffheizungen

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Arbeiten Brennstoffzellenheizungen mit aus Elektrolyse erzeugtem Wasserstoff, also grünem Wasserstoff, ist es möglich, komplett CO2-neutral zu heizen. Derzeit ist eine solche Konstellation schwer realisierbar: Zum einen ist Wasserstoff für Privatpersonen und Einzelhaushalte nur schwer erhältlich und sehr teuer. Zum anderen gibt es auf dem Markt kaum Heizungen, die für die direkte Einspeisung von Wasserstoff konzipiert sind. Auch Elektrolyseure, die mithilfe von Strom Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff spalten, werden nur für Industriekunden angefertigt.

Brennstoffzellenheizung: Zukunft der Heizung?
Brennstoffzellenheizung: Zukunft der Heizung?

Für Privathaushalte bleibt eine Wasserstoff-Autarkie vorerst spekulativ: Grüner Wasserstoff ist knapp, teuer und wird voraussichtlich eher in Industrie, Verkehr und Kraftwerken gebraucht. Für Wohngebäude ist deshalb eine effiziente Wärmepumpe mit PV-Unterstützung meist realistischer als eine eigene Elektrolyse- und Wasserstoffheizung.

Fazit: Hoher Autarkiegrad ist realistischer als völlige Unabhängigkeit

Für die meisten Haushalte ist nicht die vollständige Autarkie das sinnvolle Ziel, sondern ein möglichst hoher Autarkiegrad bei vertretbaren Kosten. Den größten Hebel bietet die Kombination aus guter Gebäudedämmung, einer Photovoltaikanlage mit Stromspeicher und einer effizienten Heizung wie einer Wärmepumpe – ergänzt um einen Netzanschluss für die kalten Monate. Wer Strom- und Wärmeerzeugung aufeinander abstimmt, senkt seine Energiekosten spürbar, ohne sich auf eine teure und technisch aufwendige Voll-Autarkie festlegen zu müssen.

Digitaler Stromzähler © Gerhard Seybert, stock.adobe.com
Stromverbrauch

Stromverbrauch in Deutschland Der Stromverbrauch in Deutschland ist zuletzt gesunken. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurde der Höchststand 2007 mit rund… weiterlesen

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