Die Heizkennlinie: Heizkurve richtig einstellen
Die Heizkurve, fachspezifisch auch Heizkennlinie genannt, sorgt für die „ideale“ Temperatur der Heizungsanlage. Die Heizkennlinie ist die grafische Darstellung einer mathematischen Formel und beschreibt das Verhältnis zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Heizkurve legt fest, wie warm das Heizwasser je nach Außentemperatur wird – sie gilt nur für witterungsgeführte Regelungen.
- Faustregel: Je kälter es draußen, desto höher die Vorlauftemperatur; oberhalb der eingestellten Heizgrenze (oft 12–17 °C) bleibt die Heizung aus.
- Die Neigung steht für Heizfläche und Dämmung: flach (um 0,3) für Fußbodenheizung/Wärmepumpe, steil (1,4–1,6) für Altbau-Heizkörper.
- Die optimale Einstellung findet man durch schrittweises Probieren und Protokollieren – im Zweifel mit Fachbetrieb.

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Eine Heizkurve ist nur bei Heizungsanlagen mit einer sogenannten witterungsgeführten Regelung einzustellen. Um die Außentemperatur zu erfassen, verfügen solche Heizungsanlagen über einen oder mehrere Außentemperaturfühler. Die Außentemperatur ist in der Heizkennlinie die Führungsgröße. An ihr orientiert sich die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage. Jede Veränderung hat somit Einfluss auf die Vorlauftemperatur. Der Verlauf der Heizkurve ist leicht gekrümmt, da die Wärmeabgabe der Heizflächen bei unterschiedlichen Temperaturen nicht linear verläuft.

Die Vorlauftemperatur bestimmt die Temperatur des Heizwassers und hat somit einen entscheidenden Einfluss auf die Effizienz der Heizungsanlage. Die Vorlauftemperatur ist daher der zentrale Punkt bei der Einstellung der Heizkurve.
Der Auslegungspunkt der Heizkurve orientiert sich an der Norm-Außentemperatur des Standorts und der dafür notwendigen Vorlauftemperatur; aktueller Normbezug für die Heizlast ist DIN EN 12831-1 mit DIN/TS 12831-1.
Zu hohe Vorlauftemperaturen führen unter anderem zu steigenden Wärmeverlusten, zu niedrige Temperaturen verhindern, dass es ausreichend warm im Haus wird. Um die richtigen Werte zu finden, ist es ratsam, einen Heizungsfachmann hinzuzuziehen. Laien bleibt in der Regel nur, sich an Erfahrungswerten zu orientieren.
Heizkurve: die wichtigsten Begriffe
Heizkurve / Heizkennlinie
Zusammenhang zwischen Außen- und Vorlauftemperatur – je kälter draußen, desto wärmer das Heizwasser.
Neigung (Steilheit)
Wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur steigt. Flach = Flächenheizung, steil = Altbau-Heizkörper.
Niveau
Hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig – sinnvoll z. B. nach besserer Dämmung.
Führungsgröße
Der Messwert, an dem sich die Regelung orientiert – bei witterungsgeführten Anlagen die Außentemperatur.
Beispielkonfigurationen:

Beispiel Heizkörper:
Ein Raum soll auf 20 °C erwärmt werden. Der dort verbaute Heizkörper ist für eine Vorlauftemperatur von 70 °C bei einer tiefsten Außentemperatur von minus 15 °C ausgelegt.
Die Differenz zwischen Vorlauftemperatur und Raumtemperatur beträgt:
70 °C−20 °C = 50 °C
Die Differenz zwischen Raumtemperatur und Außentemperatur beträgt:
20 °C – (-15 °C) = 35 °C
Das Verhältnis zwischen 50 °C zu 35 °C beträgt:
50 °C / 35 °C = 1,43
=> entspricht in der Heizkennlinie einer Neigung von rund 1,4
Beispiel Fußbodenheizung:
Ein Raum soll auf 20 °C erwärmt werden. Die dort verbaute Fußbodenheizung ist für eine Vorlauftemperatur von 40 °C bei einer tiefsten Außentemperatur von minus 15 °C ausgelegt.
Die Differenz zwischen Vorlauftemperatur und Raumtemperatur beträgt:
40 °C−20 °C = 20 °C
Die Differenz zwischen Raumtemperatur und Außentemperatur beträgt:
20 °C – (-15 °C) = 35 °C
Das Verhältnis zwischen 20 °C zu 35 °C beträgt:
20 °C / 35 °C = 0,57
=> entspricht in der Heizkennlinie einer Neigung von rund 0,6
Beispiel Wärmepumpe:
Ein Raum soll auf 20 °C erwärmt werden. Die Wärmepumpenanlage als Energieerzeuger ist für eine Vorlauftemperatur von 25 °C bei einer tiefsten Außentemperatur von minus 15 °C ausgelegt.
Die Differenz zwischen Vorlauftemperatur und Raumtemperatur beträgt:
25 °C−20 °C = 5 °C
Die Differenz zwischen Raumtemperatur und Außentemperatur beträgt:
20 °C – (-15 °C) = 35 °C
Das Verhältnis zwischen 5 °C zu 35 °C beträgt:
5 °C / 35 °C = 0,14
=> entspricht in der Heizkennlinie einer Neigung von 0,14
Heizkurve anpassen
Die Heizkurve wird an einem Regler der Heizungselektronik eingestellt. Dieser verändert mit Hilfe des Außentemperaturfühlers die Höhe der Vorlauftemperatur. Um die optimale Vorlauftemperatur zu finden, müssen oftmals verschiedene Einstellungen ausprobiert werden. Es empfiehlt sich ein Protokoll anzulegen, in dem die Einstellungen von Vorlauf- und Außentemperatur notiert werden.
Für das Niveau der Heizkurve bei einer bestehenden Anlage lassen sich folgende Anpassungen vornehmen:
- Ist die Raumtemperatur grundsätzlich zu niedrig: Niveau erhöhen
- Ist die Raumtemperatur insbesondere an kalten Tagen zu niedrig: Neigung erhöhen
- Ist die Raumtemperatur in der Übergangszeit zu niedrig, an kalten Tagen aber ausreichend: Niveau erhöhen und Neigung senken
- Ist die Raumtemperatur in der Übergangszeit zu hoch, an kalten Tagen aber ausreichend: Niveau senken und Neigung erhöhen


Richtwerte für die Heizkurve
Welcher Wert bei der Neigung der Heizkurve eingestellt werden muss, hängt von vielen Faktoren ab und kann nicht pauschal bestimmt werden. Neben der Wärmedämmung des Gebäudes spielt auch die Art der Heizflächen eine Rolle.
Als Orientierungshilfe können folgende Richtwerte für die Neigung der Heizungskennlinie verwendet werden:
Richtwerte für die Neigung der Heizkurve
| Gebäude / Heizfläche | Neigung (Richtwert) | Einordnung |
|---|---|---|
| Wärmepumpe (niedrige Vorlauftemperatur) | 0,2–0,4 | sehr flach |
| Gut gedämmt + Fußbodenheizung | 0,3–0,5 | flach |
| Gut gedämmt + Heizkörper | 1,0–1,2 | mittel |
| Älteres Gebäude + Heizkörper | 1,4–1,6 | steil |

Heizkurve und Wärmepumpe: Eine flache Kurve zahlt sich aus
Je flacher die Heizkurve eingestellt werden kann, desto niedriger die Vorlauftemperatur – und desto effizienter arbeitet die Heizung. Das ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für einen späteren Wärmepumpen-Betrieb, der auf niedrige Vorlauftemperaturen angewiesen ist. Kleine Absenkungen der Vorlauftemperatur können den Verbrauch reduzieren, solange die Wunschtemperaturen weiterhin erreicht werden – vorausgesetzt, Heizflächen und hydraulischer Abgleich passen.
Wenn man das Potenzial seiner Heizung optimal ausnutzen möchte, bildet die Heizkurve ein wichtiges Puzzleteil. Durch die Heizkurve wird bestimmt,… weiterlesen




