Gespaltene Bilanz: Heizen mit Holz – Umwelt- und klimafreundlich oder nicht?
Heizen mit Holz gilt gemeinhin als nachhaltig und klimaneutral. Doch ist Holz als Brennstoff tatsächlich so umwelt- und klimafreundlich, wie allgemein behauptet wird? Die Wahrheit liegt in der Mitte: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, aber nicht automatisch klimaneutral – und beim Verbrennen entstehen Feinstaub und weitere Schadstoffe. In Sachen Umwelt- und Klimafreundlichkeit hat Holz daher eine gespaltene Bilanz, die stark davon abhängt, woher das Holz kommt und in welcher Anlage es verbrannt wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Holz ist nachwachsend, aber nicht automatisch klimaneutral – die Verbrennung setzt CO₂, Feinstaub und weitere Schadstoffe frei.
- Entscheidend für die Bilanz sind Herkunft des Holzes, moderne Anlagentechnik und der richtige Umgang beim Heizen.
- Alte Öfen und feuchtes Holz sind das Hauptproblem; das Umweltbundesamt rät zu einem sparsamen, bewussten Einsatz.

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Holz genießt als Brennstoff einen guten Ruf. Die verbreitete Argumentation: Holz setzt beim Verbrennen nur so viel Kohlenstoffdioxid (CO2) frei, wie es beim Wachstum aufgenommen hat, und gilt deshalb als klimaneutral. Außerdem ist Holz ein ständig nachwachsender Rohstoff und damit grundsätzlich nachhaltig.
Wie klimafreundlich ist Holz wirklich?
Der Gleichung „nachwachsend gleich klimaneutral“ widerspricht das Umweltbundesamt (UBA) inzwischen deutlich. Im März 2024 hat das UBA seine CO2-Berechnung für das Heizen mit Holz angepasst und setzt Holz nicht mehr pauschal mit null CO2 an: Auch beim Verbrennen von Holz wird CO2 frei. Bilanziell annähernd klimaneutral ist das Heizen mit Holz nur dann, wenn das genutzte Holz rasch nachwächst und die Wälder unterm Strich mehr CO2 binden, als die Verbrennung freisetzt. Hinzu kommt, dass Holz beim Verbrennen Feinstaub, Methan und weitere Schadstoffe freisetzt. Das UBA rät daher zu einem sparsamen und bewussten Einsatz von Holz als Brennstoff. Entscheidend für die Bilanz sind drei Stellschrauben: die Herkunft des Holzes, die Technik der Feuerungsanlage und der richtige Umgang beim Heizen.

Doch bei genauerer Betrachtung erhält das klimaneutrale und nachhaltige Heizen mit Holz einen deutlichen Dämpfer. Umweltverbände kritisieren schon seit Jahren die Feinstaub-Belastung durch Holz. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wie auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bemängeln die hohen Emissionen und die geringe Effizienz der heimischen Holzöfen. Der falsche Umgang mit Holz, veraltete Ofentechnik und realitätsferne Zulassungskriterien stellen laut Umweltverbände die Umweltfreundlichkeit infrage. „Es kommt in der Regel zu hohen Energieverlusten“, so der BUND. Und der NABU legt nach: „Der Rauch eines Holzfeuers enthält große Mengen an Feinstaub und Stickoxiden sowie Produkte unvollständiger Verbrennung wie Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Kohlenmonoxid.“
Inzwischen weist auch das Umweltbundesamt darauf hin, dass Holzfeuerungen erheblich zur Feinstaubbelastung beitragen: Holzfeuerungen in privaten Kleinfeuerungsanlagen verursachen rund ein Fünftel der deutschen Feinstaubemissionen (PM2,5) – eine ähnliche Größenordnung wie der gesamte Straßenverkehr. Das ist keine Lappalie, denn Feinstaub gilt als wesentliche Ursache vorzeitiger Todesfälle: Das Umweltbundesamt schätzt die Zahl der auf Feinstaub (PM2,5) zurückgeführten vorzeitigen Todesfälle in Deutschland für das Jahr 2023 auf rund 19.500. Feinstaub kann Asthma und Atemwegserkrankungen auslösen und gilt als krebserregend. Auch PAK erzeugen Krebs. Stickoxide schädigen die Atmungsorgane, während Kohlenmonoxid hochgiftig ist.
Alte Öfen sind das Hauptproblem
Besonders viel Schadstoffe blasen alte Holzöfen und offene Kamine in die Luft. „Ein Kaminofen mit Baujahr vor 1990 emittiert etwa fünfmal mehr Feinstaub als ein Ofen ab Baujahr 2015“, lässt das Bundesumweltamt wissen. Die Verbrennung von Holz, gerade von Scheitholz in offenen Kaminen oder kleinen Holzfeuerungsanlagen wie Kamin- oder Kachelöfen ohne automatische Regelung, läuft nie vollständig ab. Es entstehen die neben den eben genannten gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen auch klimaschädliches Methan, Lachgas und Ruß.
Holz und Klima: Mythos und Fakt

Deshalb hat der Gesetzgeber in der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) gestaffelte Übergangsfristen festgelegt. Die letzte Stufe ist inzwischen abgelaufen: Einzelraumfeuerungen mit einem Typschild aus den Jahren 1. Januar 1995 bis 21. März 2010 dürfen seit dem 1. Januar 2025 nur noch weiterbetrieben werden, wenn sie die Grenzwerte von 4 g/m³ Kohlenmonoxid und 0,15 g/m³ Staub einhalten – andernfalls müssen sie mit einem Staubabscheider nachgerüstet, stillgelegt oder ausgetauscht werden. Ausgenommen sind unter anderem offene Kamine bei nur gelegentlichem Betrieb, Grund- und Kachelgrundöfen, historische Öfen mit Inbetriebnahme vor 1950 sowie Einzelfeuerstätten, die die einzige Heizung der Wohnung sind. Für die Kontrolle der Emissionswerte und Fristen sind die zuständigen Schornsteinfeger verantwortlich.
Um möglichst emissionsarm und mit einem möglichst hohen Wirkungsgrad zu heizen, sollte gut aufbereitetes und getrocknetes Holz aus nachhaltiger regionaler Forstwirtschaft in einer modernen, effizienten und emissionsarmen Heizungsanlage verfeuert werden. Gerade bei der Verbrennung von minderwertigem Holz in alten, schlecht gewarteten Öfen und bei ungünstigen Verbrennungsbedingungen entstehen unnötig viele Emissionen.
Obwohl in den letzten Jahren die Verbrennungstechnik in Kaminöfen einen Sprung nach vorn gemacht hat, in dem in modernen Öfen dank optimierter Luftzufuhr Holzscheite ruhiger und rückstandsärmer verbrannt werden, hält der Umweltverband Deutsche Umwelthilfe (DUH) auch moderne Kaminöfen für „nicht emissionsarm“. Hauptkritikpunkt: Das Zulassungsverfahren von Kaminöfen habe mit der Realität nur wenig zu tun. „Komfortkamine halten die Grenzwerte lediglich auf dem Prüfstand ein. In der Realität stoßen sie deutlich mehr Schadstoffe aus als deklariert“, so die DUH. Ähnlich der Abgaswerte von Dieselfahrzeugen auf dem Prüfstand.

Pelletheizung als bessere Alternative
Wenn Holz genutzt wird, schneiden automatisch beschickte Pelletkessel bei den Schadstoffemissionen meist besser ab als handbediente Kaminöfen; das Umweltbundesamt empfiehlt zugleich, verbrennungsfreie Alternativen wie Wärmepumpen oder Solarthermie zu prüfen. Solche Anlagen arbeiten in der Regel mit einem Heizkessel, der vollautomatisch mit Pellets als Brennstoff beschickt wird. Hier seien Bedienungsfehler fast ausgeschlossen. Denn dies sei die Hauptursache, wenn Kaminöfen mehr Schadstoffe ausstoßen als nötig. Dafür sollte ein moderner Ofen oder Kessel mit sehr guter Rauchgasreinigung bereitstehen, am besten mit dem Gütesiegel „Blauer Engel“.

Pro Kilogramm haben Holzpellets mit rund 5 kWh meist einen höheren Heizwert als Scheitholz, dessen Wert stark von Holzart und Wassergehalt abhängt. Doch aufgepasst: Pellet ist nicht gleich Pellet! Mit der europaweit einheitlichen Norm DIN EN ISO 17225-2 (Nachfolgerin der früheren EN 14961-2) liegt eine maßgebliche Klassifizierung für Holzpellets vor. Sie teilt Pellets in drei Güteklassen ein: die Klassen A1 und A2 für den Endverbraucher und die Industriepellets der Klasse B. A1 und A2 unterscheiden sich vor allem bei Rohstoffherkunft, Aschegehalt und mechanischer Festigkeit sowie weiteren chemischen Kennwerten; Durchmesser und Wassergehalt sind für beide Klassen gleich begrenzt. Eine überwachte Lieferkette mit Identifikationsnummer bietet vor allem die ENplus-Zertifizierung; die Norm selbst beschreibt dagegen die Brennstoffklassen.


Die Holz-Herkunft ist entscheidend
Holz ist ein ständig nachwachsender Rohstoff und somit nachhaltig. „Unschlagbar sind die kurzen und schnellen Wege beim Holzeinkauf. Holz braucht nicht über tausende von Kilometern gefahren zu werden“, heißt es bei den positiven Eigenschaften von Holzheizungsanlagen. Entsprechend gering sei die ökologische Belastung durch Gewinnung, Transport und Verarbeitung. Brennholz sei regional überall verfügbar.
Stimmt! In Deutschland gibt es rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Das entspricht etwa 32 Prozent der Gesamtfläche des Landes und circa 3,7 Milliarden Festmeter Holzvorrat. Aber das ist eine Milchmädchenrechnung. Das heimische Energieholz reicht jedoch bei Weitem nicht, um den heutigen Wärmebedarf aller Wohngebäude dauerhaft zu decken; das Umweltbundesamt bewertet das klimafreundliche Potenzial von Holz als begrenzt. Unser Holzvorrat ist nicht unendlich! Der BUND warnt: „Unsere Maßgabe muss sein, höchstens so viel heimisches Holz zu verfeuern, wie nachwächst. Nur dann nutzen wir diesen Rohstoff nachhaltig und annähernd CO2-neutral.“
Nachwachsendes Holz deckt aber nur einen einstelligen Prozentbereich unseres derzeitigen Energieverbrauchs. Zudem werden Energieholzprodukte importiert; je länger die Transportwege sind und je unklarer die Herkunft ist, desto schwächer fällt die Umweltbilanz aus. Heizen mit Holz kann dem Klimaschutz dienen, wenn das Holz nachhaltig gewonnen wird und wieder nachwachsen darf. Bei Holzpellets ist die Importabhängigkeit in Deutschland begrenzt: Der Großteil des Verbrauchs stammt aus heimischer Produktion. Beim Kauf bleibt regional zertifizierte Ware aus nachhaltiger Forstwirtschaft die bessere Wahl.

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Der richtige Umgang mit Holz
Auch für die Verwendung von Holzbrennstoffen gilt: Die verwendeten Brennstoffe müssen für den Ofen oder die Heizungsanlage geeignet sein. Das heißt zum Beispiel, dass Kohleöfen nicht mit Holz oder Scheitholzöfen nicht mit zu großem, zu feuchtem oder zu viel Holz beheizt werden sollten. Die Bedienungsanleitung gibt Auskunft, welche Brennstoffe geeignet sind. Außerdem gibt sie Hinweise über die richtige Bedienung um Anwendungsfehler, wie beispielsweise Überfüllen der Feuerungsanlage, zu spätes Nachlegen oder falsches Anzünden des Brennstoffes zu vermeiden.
So heizen Sie mit Holz möglichst klimaschonend

Bereits beim Kauf ist darauf zu achten, dass das Holz oder die Pellets aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Es darf nur – wie gesetzlich vorgeschrieben – trockenes und geeignetes Brennholz in den Ofen, beziehungsweise naturbelassene Holzpellets in geeigneter Qualität (etwa DIN EN ISO 17225-2 Klasse A1) in die Heizungsanlage. Feuchtes Holz, Pellets oder Holzabfälle sind tabu! Reisig, dünne Äste und morsches Biotopholz sollten im Wald bleiben.
Die richtige Lagerung von Brennholz ist wichtig, damit das Holz unter optimaler Wärmeabgabe möglichst emissionsarm verbrennt. Frisch geschlagenes Holz enthält zwischen 45 und 60 Prozent Wasser. Bei optimaler Trocknung sinkt dieser Wasseranteil auf 15 bis 20 Prozent. Damit das Brennholz richtig durchtrocknen kann, sollten es an einem gut durchlüfteten, trockenen Platz gestapelt werden und – je nach Holzart – ein bis zwei Jahre lang trocknen.

Fazit: Wer einen modernen Ofen oder Kessel mit sehr guter Rauchgasreinigung betreibt, am besten mit dem Gütesiegel „Blauer Engel“, regionales, gut getrocknetes Holz verfeuert und den richtigen Umgang mit Scheitholz oder Holzpellets beachtet, kann deutlich emissionsärmer heizen als mit einem alten Ofen und feuchtem Holz. „Klimaneutral“ ist Heizen mit Holz aber nicht automatisch: Die Verbrennung setzt CO2 frei, das nur dann bilanziell ausgeglichen wird, wenn das Holz rasch nachwächst und die Wälder unterm Strich mehr CO2 binden. Hinzu kommen Feinstaub und weitere Schadstoffe. Holz bleibt damit kein „Freifahrtschein“, sondern eine Wärmequelle, deren Umwelt- und Klimabilanz von Herkunft, Anlagentechnik und Bedienung abhängt – das Umweltbundesamt rät deshalb zu einem sparsamen, bewussten Einsatz.
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