Heizungswasser richtig konditionieren
Wenn es um die Beheizung eines Hauses geht, stehen in der Regel zwei Dinge im Fokus:
- Mit welcher Technologie die Wärme erzeugt wird: Brennwertkessel, Wärmepumpe, Gas, Öl, Pellets etc.
- Wie die Wärme in die Räume gelangt: klassische Heizkörper, Fußbodenheizung etc.
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Eine Komponente bleibt meistens zu Unrecht außen vor: Das Heizungswasser. Dabei spielt es als Wärmeträger die zentrale Rolle, um das Gebäude aufzuwärmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Heizungswasser ist der Wärmeträger der Anlage – die falsche Qualität führt zu Korrosion, Ablagerungen und Effizienzverlust.
- Die Anforderungen an pH-Wert und Härte regelt die Richtlinie VDI 2035 Blatt 1.
- Beim Einbau konditioniert der Fachbetrieb das Wasser und dokumentiert es; beim Nachfüllen gehört dieselbe Qualität hinein.
- Häufiges Nachfüllen deutet auf Wasserverlust oder gestörte Druckhaltung hin – dann die Anlage prüfen lassen.

Wasser hat unterschiedliche Eigenschaften
Auf den ersten Blick scheint sich die Frage gar nicht zu stellen. Wasser ist schließlich Wasser. Auf den zweiten Blick gibt es allerdings große Unterschiede bei pH-Wert und Härtegrad. In manchen Regionen Deutschlands enthält Leitungswasser mehr Mineralien als in anderen. Es ist also härter oder weicher. Ebenso ist es an manchen Orten vom pH-Wert saurer oder basischer als an anderen. Zusätzlich können Salzgehalt und der Anteil gelöster Gase im Wasser variieren.
Waren alte Heizsysteme von den verwendeten Materialien noch recht einfach aufgebaut, vereinen moderne Heizanlagen und Hausinstallationen verschiedenste Materialien in sich. Diese können durch das falsche Wasser Schaden nehmen. Dabei sind auch häufig Kompromisse zu treffen. Denn je nach pH-Wert schützt das Wasser beispielsweise einerseits Eisenteile vor Korrosion, greift dann andererseits aber Bauteile aus Aluminium an. Die negativen Folgen, die falsches Heizungswasser haben kann, sind vielfältig:
- Enthaltene Mineralien können sich an den Wänden der Rohrleitung ablagern. Das führt zu einer geringeren Leitfähigkeit und somit zu einer schlechteren Effizienz. Außerdem können sich Teile der Ablagerungen lösen und Schäden an der Heizanlage verursachen – oder auch die Heizungsrohre auf Dauer komplett verstopfen.
- Die Heizungsrohre können bei hohen Salz- und Gasgehalten von innen korrodieren.
- Unterschiedliche Materialien werden angegriffen, es kann zu Undichtigkeiten und Wasserverlust kommen.
- Das Wasser kann die erzeugte Wärme nicht optimal transportieren, sodass das Heizsystem nicht so effizient wie möglich arbeitet.

Diese Schäden sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch sehr teuer werden. Denn Hersteller von Heizungsanlagen machen genaue Angaben, wie das Heizungswasser konditioniert – das heißt beschaffen – sein muss. Weicht der Betreiber davon ab, können Garantie- oder Gewährleistungsansprüche je nach Schadenursache erschwert oder ausgeschlossen sein. Auch Versicherungen prüfen solche Schäden nach Vertrag und Ursache.
Das richtige Heizungswasser von Beginn an
Wird ein Heizsystem installiert, ist der Heizungsbauer dazu verpflichtet, das Heizungswasser richtig zu konditionieren. Er muss dabei die vor Ort herrschende Wasserqualität und die Vorgaben des Herstellers in Einklang bringen. Die Ergebnisse werden in der Dokumentation festgehalten, damit auch bei künftigem Nachfüllen von Wasser die richtige Zusammensetzung gewährleistet werden kann.
Bei bestehenden Anlagen ist es schwieriger. Grundsätzlich gilt: Läuft eine Anlage seit mehr als zehn Jahren problemlos mit dem Heizungswasser, das nachgefüllt wird, besteht kein größerer Handlungsbedarf. Dennoch kann das Wasser in einem Labor untersucht werden, um Aufschluss über die Zusammensetzung zu bekommen.
Die Qualität des Heizungswassers bezüglich pH-Wert und Härte regelt die Richtlinie VDI 2035 Blatt 1 (aktuelle Fassung von 2021, „Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen – Steinbildung und wasserseitige Korrosion“):
- Der pH-Wert sollte – je nach Werkstoff – zwischen 8,2 und 10 liegen; bei Anlagen mit Aluminium-Bauteilen enger zwischen 8,2 und 9,0. Sinkt der pH-Wert unter 7,5, steigt die Korrosionsgefahr deutlich.
- Der Härtegrad richtet sich nach der Größe der Heizanlage. Für Anlagen mit weniger als 50 kW Leistung (also Heizungen in Ein- und Zweifamilienhäusern) gibt es nur für Umlaufwasserheizer und Systeme mit elektrischen Heizelementen einen Richtwert. Dieser liegt bei 16,8 Grad deutscher Härte (°dH)
Die VDI 2035 empfiehlt, Füll- und Heizungswasser bei der Erstbefüllung, nach acht bis zwölf Wochen und anschließend mindestens einmal jährlich zu messen und die Werte zu dokumentieren. So fällt eine schleichende Veränderung der Wasserqualität früh auf, bevor Schäden entstehen.

Wie lässt sich das Heizungswasser aufbereiten?
In einem dichten Heizsystem muss nur selten Heizungswasser nachgefüllt werden – zum Beispiel nach dem Entlüften. Dies geschieht am besten im Rahmen der Heizungswartung – selbstverständlich mit sorgfältiger Dokumentation. Um das Heizungswasser auf die richtigen Parameter zu konditionieren, gibt es verschiedene technische Hilfsmittel:
Heizungswasser aufbereiten: die Verfahren im Vergleich
| Verfahren | Prinzip | Schützt vor allem vor | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Enthärtung | Tauscht Härtebildner (Kalk) gegen Natrium aus | Kalk- und Steinablagerungen | hartes Füllwasser, kleinere Anlagen |
| Entsalzung | Entzieht fast alle gelösten Salze (sehr niedriger Leitwert) | Korrosion | moderne Anlagen mit mehreren Werkstoffen |
| pH-Anhebung | Reguliert den pH-Wert mit Zusätzen | Korrosion durch falschen pH-Wert | ergänzend, je nach Werkstoff |
| Inhibitoren | Schutzstoffe im Heizwasser | Korrosion und Ablagerungen | nur in begründeten Sonderfällen nach Herstellervorgabe |


Ein wichtiges Thema: Entgasung
Das Entlüften der Heizungsanlage gehört für viele Hauseigentümer zu den gängigen Vorbereitungen der Heizsaison. Denn „Luft“ in den Heizungsrohren führt nicht nur zu einem unschönen Gluckern in den Heizkörpern, sondern mindert auch den Wärmetransport. Mit einem Heizkörperschlüssel wird an jedem Heizkörper das Auslassventil so lange geöffnet, bis die Luft entwichen ist und Heizungswasser nachläuft. Gerade in den am höchsten gelegenen Heizkörpern des Heizsystems sammelt sich im Laufe des Jahres viel Luft.
Die Frage ist: Wie kommt die Luft überhaupt ins Heizsystem? Einerseits können Undichtigkeiten an den Dichtungen einen Lufteintrag verursachen. Ein weiterer Teil kann aus dem Füll- und Ergänzungswasser selbst kommen. Im Heizungswasser sind Gase gelöst, die mit der Zeit ausgasen. Um die Funktion der Anlage zu erhalten, ist das regelmäßige Entlüften der Anlage unabdingbar. Ist das Heizungswasser sehr stark mit gelösten Gasen versetzt, gibt es technische Alternativen zur manuellen Entlüftung:
- Selbsttätige Entlüftungsventile: Sie öffnen sich automatisch, wenn der Anteil an Gas in den Heizungsrohren steigt. Es wird dabei ebenso wie bei der manuellen Entgasung nur der Teil des Gases abgeführt, der bereits aus dem Wasser ausgegast ist.

- Vakuum-Entgaser: Es gibt spezielle Vakuumsysteme, die dem Wasser Gas entziehen können. Dazu wird das Heizungswasser unter ein Vakuum gesetzt. Die kleinen, gelösten Gasblasen treten dann aus dem Wasser heraus und lassen sich abführen.

Eine stetige Entgasung des Heizungswassers hat einen energetischen Effekt: Weil entgastes Wasser die Wärme besser überträgt und sich weniger Strömungsgeräusche bilden, kann die Effizienz des Heizsystems spürbar steigen.
Nach dem Entlüften der Heizung sollte der Betreiber den Anlagendruck am Manometer prüfen. Liegt der Druck unter dem Sollbereich, wird Heizungswasser nachgefüllt – mit der dokumentierten Wasserqualität der Anlage und über eine dafür vorgesehene Fülleinrichtung mit Systemtrenner. Außerdem sollte der Eigentümer das Nachfüllen dokumentieren.

Häufige Fragen zum Heizungswasser
Wie oft muss ich Heizungswasser nachfüllen?
Welche Werte gelten für Heizungswasser?
Kann ich die Wasserqualität selbst prüfen?
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