Die Errungenschaften moderner Technologien machen auch vor der Heizungstechnik nicht halt. Mit programmierbaren Thermostaten und hausinterner Funksteuerung können der Komfort hoch- und die Heizkosten beträchtlich heruntergeregelt werden. Es geht jedoch noch effizienter und bequemer.
Lösungen zur „intelligenten“ Heizungssteuerung zeigen, was möglich ist und in welche Richtung sich die Haustechnik in den kommenden Jahren entwickelt.
Intelligente Sensoren helfen dabei nicht nur, Energie zu sparen, sondern sie ermöglichen auch die Fernsteuerung der Heizung und regeln PV- sowie solarthermische Anlagen. Die Raumtemperatur automatisch regeln zu lassen ist nicht nur eine Frage des Komforts: Die Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW zeigt: In einem Modell-Einfamilienhaus können energiebezogene Smart-Home-Anwendungen — etwa smarte Heizungssteuerung und Fensterkontakte — den CO₂-Ausstoß um bis zu etwa 10 Prozent senken; in Wohnungen fällt der Effekt geringer aus.
Was bringen smarte Heizungssteuerung und Sensoren?
Das Wichtigste in Kürze
- Öko-Institut: Im Modell-Einfamilienhaus sparen energiebezogene Smart-Home-Anwendungen bis etwa 10 Prozent CO₂; in Wohnungen weniger.
- Die Zentrale (Gateway/Bridge) übersetzt zwischen App und Geräten; der Standard Matter verbindet Hersteller-Welten.
- Mit PV, Speicher und Wärmepumpe hilft Energiemanagement; § 14a EnWG gilt seit 2024 für neue steuerbare Verbraucher über 4,2 kW.

Dabei geht es nicht nur darum, die Heizung um eine bestimmte Uhrzeit hoch- oder herunterzudrehen. Beispielsweise lassen sich Wenn-Dann-Routinen programmieren, die Ereignisse verknüpfen. So springt die Heizung an, wenn das Licht angeht, oder sie schaltet sich aus, wenn das Fenster aufgeht.
Sprechen Hersteller von smarten Thermostaten, ist nicht immer die gleiche Komponente gemeint. Thermostate für den Heizkörper ermöglichen, das Heizungsventil zu öffnen beziehungsweise zu schließen und somit die Temperatur an den einzelnen Heizkörpern zu verändern, indem sie den Heizwasserdurchlauf steuern.
Zentrale Thermostate messen dagegen die Temperatur an einer zentralen Stelle im Raum und geben die Solltemperatur an die Heizungs- oder Smart-Home-Steuerung weiter. In Kombination mit passenden Heizkörperstellantrieben oder Fußbodenheizungs-Aktoren können sie mehrere Heizkörper oder Heizflächen gemeinsam regeln; ohne solche Aktoren ersetzen sie nicht automatisch jedes Heizkörperthermostat. Die Steuerung erfolgt je nach System über Kabel oder per Funk.

Sowohl für Raumthermostate als auch für klassische Heizkörperthermostate haben sich Smart Home Hersteller digitale Lösungen ausgedacht, um den Komfort zu erhöhen. Diese Hersteller helfen, mit ihrer Smart Home Steuerung die Heizungsanlage digital zu steuern — wie die Steuerung per App im Detail funktioniert, lesen Sie im eigenen Beitrag. Wir geben einen Überblick über sechs verbreitete Systeme und erklären, worauf es bei der Auswahl ankommt.

Die wichtigsten Systeme im Überblick
Vor dem Kauf lohnen drei Fragen: Welche Zentrale braucht das System — und ist sie vielleicht schon im Haus, etwa als FRITZ!Box? Über welchen Funkstandard kommunizieren die Geräte? Und lässt sich das System über Matter mit anderen Plattformen verbinden? Die Tabelle fasst die wichtigsten Eckpunkte zusammen, darunter stellen wir die Systeme im Detail vor.
| System | Zentrale | Funk und Plattformen | Typische Stärke |
|---|---|---|---|
| tado° X | Bridge X oder kompatibler Thread-Border-Router | Thread, Matter; Apple Home, Google Home, Alexa | Raumklima-Funktionen, Akku-Thermostate, Wärmepumpen-Optimierer |
| Homematic IP | Home Control Unit oder Access Point | eigenes 868-MHz-Funkprotokoll; Alexa, Google Assistant | sehr großes Sortiment; lokale Speicherung nur mit Home Control Unit, Access Point über Cloud |
| Bosch Smart Home | Controller II (zugleich Matter-Bridge) | Zigbee; [+M]-Geräte zusätzlich Matter über Thread | Verknüpfung mit Hausgeräten über Home Connect |
| AVM FRITZ! | FRITZ!Box — kein Zusatz-Hub nötig | DECT ULE; Steuerung per App, FRITZ!Fon oder Browser | nutzt den vorhandenen Router, bis zu 50 Heizkörperregler |
| Netatmo | Bridge im Starterpaket | eigenes Funkprotokoll; Apple HomeKit, Alexa, Google Assistant | automatische Heizpläne aus wenigen Fragen zum Tagesablauf |
| TP-Link (Kasa/Tapo) | Hub KH100 | eigenes Funkprotokoll; Matter-Anbindung über den Hub | günstiger Einstieg, Tapo-Sensoren einbindbar |
tado°
Das Münchner Unternehmen tado° hat sich auf das Raumklima-Management spezialisiert. Die aktuelle Produktlinie tado° X funkt über Thread und unterstützt Matter — die Funk-Thermostate lassen sich damit direkt in Plattformen wie Apple Home, Google Home oder Alexa einbinden. Den Einstieg bildet die Bridge X aus den Starter-Sets oder ein bereits vorhandener kompatibler Thread-Border-Router. Die Heizkörper-Thermostate X arbeiten mit Akku statt Wechselbatterien; für Wärmepumpen bietet tado° einen eigenen Optimierer an.
Wichtig beim Nachkauf: Die X-Linie und die ältere Generation V3+ nutzen unterschiedliche Funktechnik. Beide lassen sich nicht im selben Zuhause kombinieren — wer ein bestehendes V3+-System erweitern will, bleibt bei V3+ oder steigt komplett um.
Homematic IP
Der deutsche Hersteller eQ-3 konzentriert sich inzwischen auf Homematic IP; die Vorgängerlinie Homematic wird nicht mehr produziert, die CCU3 wird schrittweise als OpenCCU in Community-Hand überführt. Aktuelle Zentralen sind die Home Control Unit, die Einstellungen, Messdaten und Automationen lokal speichern kann, sowie der einfachere Access Point mit Cloud-Speicherung. Das Sortiment gehört zu den größten am Markt — vom Heizkörperthermostat Evo mit drehbarem Display über Wandthermostate bis zu Fensterkontakten.
Eingerichtet wird per Homematic IP App, alternativ ist eine Sprachsteuerung über Alexa und Google Assistant möglich. Mit eingebundenen Fensterkontakten senkt das System die Temperatur automatisch ab, sobald gelüftet wird; Zeitprofile und eine Sperre der manuellen Bedienung sind ebenfalls an Bord.
Bosch Smart Home
Bosch setzt auf den Smart Home Controller II als Zentrale; intern kommunizieren die Geräte über Zigbee. Das aktuelle Heizkörper-Thermostat II bietet individuelle Zeitpläne, Lüftungserkennung, Kindersicherung sowie Frost- und Verkalkungsschutz. Die [+M]-Varianten beherrschen zusätzlich Matter über Thread und lassen sich dadurch auch ohne Bosch-Zentrale in Matter-Plattformen einbinden; der Controller II arbeitet seinerseits als Matter-Bridge.
Eine Besonderheit ist die Verknüpfung mit Hausgeräten: Das System kann Home-Connect-fähige Geräte von Bosch, Siemens und Gaggenau in Automationen einbinden. Auch eine Steuerung über Alexa, Google Assistant oder Apple Home ist je nach Variante möglich.
AVM FRITZ!
Für viele Haushalte ist das der einfachste Einstieg, denn die Zentrale steht oft schon im Flur: die FRITZ!Box. Die Heizkörperregler FRITZ!Smart Thermo 301 und 302 (früher unter dem Namen FRITZ!DECT) verbinden sich über den Funkstandard DECT ULE direkt mit dem Router — ein zusätzlicher Hub entfällt. Gesteuert wird über die FRITZ!App Smart Home, das FRITZ!Fon oder die Benutzeroberfläche der Box; eine FRITZ!Box verwaltet bis zu 50 Heizkörperregler.
Das stromsparende E-Paper-Display zeigt die Temperatur auch ohne App an. Fenster-offen-Erkennung, Zeitpläne und ein Boost-Modus zum schnellen Aufheizen gehören zum Funktionsumfang.
Netatmo
Die französische Firma Netatmo gehört zur Legrand-Gruppe und bietet Heizkörperthermostate sowie ein smartes Thermostat zur Steuerung von Heizkesseln an. Das System erstellt aus wenigen Fragen zum Tagesablauf automatisch einen Heizplan und passt die Heizung an Sonneneinstrahlung und Raumnutzung an. Fenstererkennung und Routinen sind enthalten; gesteuert wird per App oder über Apple HomeKit, Alexa und Google Assistant.
TP-Link (Kasa/Tapo)
TP-Link ist vor allem für Router und WLAN-Technik bekannt und bietet mit dem Heizkörperthermostat KE100 einen günstigen Einstieg. Für die Smart-Funktionen wird der Hub KH100 benötigt; in der Kasa-App lassen sich Raumtemperaturen, Zeitpläne und eine Kindersicherung einrichten. Über den Hub lässt sich das Thermostat zudem lokal mit Matter-Plattformen wie Apple Home, Alexa, Google Home oder SmartThings verbinden, auch Tür- und Fensterkontakte der Tapo-Familie können eingebunden werden.

Warum benötige ich ein Gateway, um das smarte Thermostat zu steuern?
In allen Smart Home Systemen dient die Zentrale (auch Hub, Gateway oder Bridge) dazu, eine Kommunikation zwischen der Steuerungsapp und den Geräten zu ermöglichen und zwischen unterschiedlichen Funkprotokollen zu „übersetzen“. Die Zentrale funktioniert dann als Hub für alle Smart Home Geräte im System. Erweitert man also ein smartes Zuhause mit beispielsweise Fenster- oder Raumluftsensoren, braucht man kein weiteres Gateway.
Die Kompatibilität unter Geräten fremder Hersteller hängt davon ab, ob es sich um ein proprietäres System handelt und welches Funkprotokoll die Smart-Home-Technik nutzt. Der herstellerübergreifende Standard „Matter“ ist im Markt angekommen und unterstützt auch Thermostate sowie seit Matter 1.4 weitere Energiegeräte. Trotzdem gilt: Nicht jedes Thermostat ist Matter-fähig, und je nach Funktechnik brauchen Sie zusätzlich einen Matter-Controller oder Thread-Border-Router. Beim Neukauf lohnt deshalb der Blick auf Matter-Logo, Funkstandard und Bridge-Anforderungen.
Wozu braucht es das Gateway?
1Die Aufgabe
Die Zentrale (Hub, Gateway oder Bridge) übersetzt zwischen der App und den Geräten — Thermostate funken meist in einem energiesparenden Protokoll, das Smartphone und Router nicht direkt sprechen.
2Ein Hub für alles
Einmal eingerichtet, bedient die Zentrale alle Geräte des Systems — wer Fenster- oder Raumluftsensoren ergänzt, braucht kein weiteres Gateway.
3Matter ändert die Spielregeln
Mit Matter lassen sich kompatible Geräte in Plattformen wie Apple Home, Google Home oder Alexa einbinden. Je nach Gerät brauchen Sie aber einen Matter-Controller, Thread-Border-Router oder eine Hersteller-Bridge.

Kann ich ein smartes Thermostat selbst montieren?
Wer ein wenig handwerkliches Geschick mitbringt, benötigt keinen Handwerker, um intelligente Thermostate für den Heizkörper einzubauen. Die meisten Geräte passen zu einem Gewindeanschluss M30 x 1,5, dem Standard für Thermostate. Für andere Anschlüsse liefern die Hersteller meistens Adapter mit.
Ein zentrales Thermostat oder ein Raumthermostat für die Fußbodenheizung kann dagegen eine feste Verdrahtung benötigen. Sobald Arbeiten an der elektrischen Anlage nötig sind, gehört die Montage nach § 13 NAV in die Hand eines eingetragenen Elektrofachbetriebs.

Fernwartung und Überwachung: Instandhaltung übers Internet
Intelligente Thermostate sind nicht die einzigen Anwendungsfälle für Smart Home im Bereich Klimatechnik. Einige Heizungsanlagen ermöglichen beispielsweise eine Fernwartung. Dadurch sind Techniker in der Lage, bei Ausfällen schneller zu reagieren, indem sie sich Remote mit der defekten Heizung verbinden und in der auf einem Server hinterlegten Datenbank alle notwendigen Informationen und Protokolle finden.
Bei einer Fehlfunktion schickt das System automatisch eine Störmeldung. Damit erhält der Fachbetrieb Informationen über die wahrscheinliche Ursache der Störung, was die Suche nach der Problemlösung oder Ersatzteilen erleichtert.

Solaranlage und Speicher: Smartes Energiemanagement für mehr Effizienz
Wer eine Photovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe oder einer Klimaanlage und einem Speicher kombiniert, nutzt seinen eigenen Sonnenstrom und kommt auf einen hohen Eigenverbrauchsanteil. Das Problem: Nicht immer finden Verbrauch und Erzeugung gleichzeitig statt.

Ein intelligentes Energiemanagement versucht, sie aufeinander abzustimmen und den Eigenverbrauchsanteil zu optimieren. Beispielsweise laufen Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Spülmaschine dann in der Mittagszeit, wenn die PV-Anlage viel Strom produziert. Überschüssiger Solarstrom kann — je nach System, Speicherstand und angeschlossenen Geräten — einen Batteriespeicher oder ein E-Auto laden, flexible Verbraucher starten oder bei reversibler Wärmepumpe zum Kühlen genutzt werden; verbleibender Überschuss wird eingespeist oder abgeregelt. Solche Energiemanagementsysteme werden gewöhnlich beim Kauf einer Solaranlage mit angeboten. Es ist zwar auch möglich, eine intelligente Steuerung nachzurüsten. PV-Module, Stromspeicher und Software aus einer Hand bieten aber den Vorteil einer höheren Kompatibilität und sind weniger störanfällig.
Hersteller wie Miele und Bosch bieten smarte Haushaltsgeräte an, die sich über Energiemanagement-Partner bevorzugt dann starten lassen, wenn PV-Überschuss, erneuerbarer Strom oder günstiger Strom verfügbar ist.
Seit 2024 gibt es dafür auch einen regulatorischen Rahmen: Neu in Betrieb genommene Wärmepumpen, Wallboxen, Klimaanlagen und Stromspeicher fallen nach § 14a EnWG unter die Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen, wenn ihre Netzanschlussleistung mehr als 4,2 kW beträgt. Der Netzbetreiber darf dann bei drohender Netzüberlastung den Leistungsbezug vorübergehend begrenzen; bei Direktansteuerung bleiben grundsätzlich 4,2 kW je steuerbarer Verbrauchseinrichtung verfügbar, bei Steuerung über ein Energiemanagementsystem wird die Mindestleistung gesamthaft ermittelt. Der normale Haushaltsstrom ist nicht betroffen. Im Gegenzug erhalten Betreiber reduzierte Netzentgelte.
Smarte Sanitäranlagen: Mehr Komfort und ein bewussterer Wasserverbrauch Smart Home bringt nicht nur Musik, Licht und angenehme Düfte in die… weiterlesen




