Nachtspeicherheizungen sind schon lange nicht mehr zeitgemäß und im Vergleich zu anderen Heizsystemen teuer im Betrieb. Grund genug, sich über eine Erneuerung Gedanken zu machen. Als Alternativen stehen vielfältige Möglichkeiten offen. Wir zeigen hier, welche Heizsysteme in Frage kommen, welche Anforderungen sie an das Gebäude stellen – und was der Umstieg baulich bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Der größte Kostenblock ist selten die Heizung selbst, sondern das fehlende Verteilnetz: Rohre, Heizkörper, Warmwasserspeicher.
- Erste Wahl ist meist die Wärmepumpe – in Städten lohnt der Blick auf ein Wärmenetz, bevor ein neuer Kessel eingebaut wird.
- Ein neuer Speicherofen ist die einfachste, aber teuerste Lösung: Am Strompreis als Kostentreiber ändert er nichts.

Heizung-Konfigurator:
Jetzt Ihre individuelle Heizung konfigurieren und Angebote erhalten!
Nachtstrom-Tarife sind kaum noch deutlich günstiger als Normaltarife: Im Doppeltarif liegt der Niedertarif oft nur noch 10 bis 20 Prozent unter dem Hochtarif, und manche Versorger bieten gar keinen Nachttarif mehr an. Der größte Vorteil einer Nachtspeicherheizung hat sich damit weitgehend erledigt. Auch ein Stromanbieterwechsel hilft nur begrenzt, weil die Zahl der Nachtstrom-Anbieter gering ist und in manchen Regionen gar kein Nachtstrom angeboten wird. Zudem bleibt Heizen mit Strom die teuerste Art, Wärme zu erzeugen: Heizstrom kostet 2026 rund 20 bis 25 Cent je Kilowattstunde – der Nachtspeicherofen macht daraus genau eine Kilowattstunde Wärme, eine Wärmepumpe dagegen drei bis vier. Auf das Gerät bezogen ist der Wirkungsgrad also gar nicht schlecht – schlecht ist die Bilanz im Systemvergleich, weil Strom als Energieträger wertvoll und teuer ist.
Für ein neues Heizsystem, das kostengünstiger und klimafreundlicher arbeitet, müssen allerdings entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Häuser mit Nachtspeicherheizung haben in aller Regel kein wassergeführtes Verteilnetz: Rohrleitungen, Heizkörper oder eine Fußbodenheizung und ein Warmwasserspeicher kommen also zur eigentlichen Heizung hinzu. Das ist der größte Kostenblock beim Umstieg – und der Grund, warum sich der Wechsel besonders dann rechnet, wenn ohnehin saniert wird oder die Öfen ersetzt werden müssen. Wer nur einzelne Räume mit Strom beheizt, kommt unter Umständen auch ohne Verteilnetz aus.

Sind neue Nachtspeicherheizungen ein guter Ersatz?
Auf dem Markt werden auch neue Nachtspeicherheizungs-Systeme angeboten. Auf den ersten Blick scheint das die kostengünstigste Alternative zu sein, denn der Aufwand ist am geringsten – ein Verteilnetz braucht es nicht. Gerade wegen der hohen laufenden Kosten lohnt sich der Wechsel auf ein anderes Heizsystem langfristig aber fast immer: Der Strompreis bleibt der Kostentreiber, egal wie modern der Speicherofen ist. Hinzu kommt die Klimabilanz von Stromheizungen: Eine Kilowattstunde Strom verursachte 2025 im deutschen Strommix im Schnitt 344 Gramm CO₂ (Umweltbundesamt) – und weil der Nachtspeicherofen für eine Kilowattstunde Wärme auch eine Kilowattstunde Strom braucht, schlägt dieser Wert voll durch. Bei einer Wärmepumpe verteilt sich derselbe Strom auf drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
Neuer Speicherofen statt Systemwechsel – lohnt das?
Vorteile
- Geringste Investition: kein Verteilnetz, keine Rohre, kein Warmwasserspeicher nötig.
- Schnell umgesetzt, oft Raum für Raum nacheinander möglich.
- Auch dort machbar, wo Platz oder Schornstein für andere Systeme fehlen.
Nachteile
- Keine Förderung: Der Einbau einer neuen Stromdirektheizung wird nicht bezuschusst.
- Sie bleiben auf einen Heizstromtarif angewiesen – nicht jeder Versorger bietet noch einen Nachttarif.
- Die Wärme muss weiter einen Tag im Voraus eingelagert werden: kein spontanes Nachheizen ohne Aufpreis.
- Wiederverkaufswert und Energieausweis des Hauses verbessern sich nicht.
Welche alternativen Heizsysteme sind möglich?
Hier können sich Hausbesitzer aus dem breiten Angebot auf dem Markt bedienen. Als Ersatz für die Nachtspeicherheizungen kommen vor allem Wärmepumpen in Frage, in Städten und Neubaugebieten außerdem der Anschluss an ein Wärmenetz. Auch Pelletheizungen und – wo ein Anschluss vorhanden ist – Gasbrennwertthermen sind möglich. Welches System am besten passt, hängt von einigen Faktoren ab: dem Energieverbrauch des Gebäudes, dem Platz, den vorhandenen Anschlüssen und dem Heizverhalten der Bewohner. Als erster Schritt sollte der jährliche Heizwärmebedarf ermittelt werden. Es ist ratsam, für diese Berechnungen und die Entscheidung einen unabhängigen Energieberater hinzuzuziehen. Ob sich der Wechsel für Sie rechnet, überschlagen Sie mit dem Nachtspeicherheizung-Kostenrechner.

Gas: nur mit vorhandenem Anschluss – und mit Blick auf den CO₂-Preis
Ist ein Gasanschluss vorhanden, ist eine Gasbrennwertheizung technisch die einfachste Lösung: Die Geräte sind in der Anschaffung vergleichsweise günstig, klein und brauchen kein Brennstofflager. Wirtschaftlich ist die Rechnung aber nicht mehr eindeutig: Erdgas bleibt ein fossiler Brennstoff mit CO₂-Kosten. Für 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne; ab 2027 ist der Übergang in den europäischen Emissionshandel vorgesehen, dessen Start nach dem Beschluss des EU-Rats auf 2028 verschoben wurde. Eine rein fossile Heizung ist zudem von der staatlichen Förderung ausgenommen. Wer keinen Gasanschluss hat, kann auf Flüssiggas zurückgreifen; dafür wird ein Flüssiggastank benötigt, der im Garten stehen oder eingegraben werden kann. Vor dem Einbau einer neuen fossilen Heizung lohnt der Blick in die kommunale Wärmeplanung Ihrer Stadt oder Gemeinde: Ist ein Wärmenetz geplant, kann sich das Warten oder ein Anschluss mehr rechnen als ein neuer Kessel.

Regenerative Energien mit positiver Ökobilanz
Von fossilen Rohstoffen unabhängig machen regenerative Energien. Ein Umstieg von der Nachtspeicherheizung zur Wärmepumpe oder Pelletheizung ist grundsätzlich möglich. Pellets bestehen aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz; klimaneutral ist Holz aber nicht automatisch – das Umweltbundesamt weist auf die Feinstaub-Emissionen und darauf hin, dass die CO₂-Bilanz von Herkunft und Nachwuchs des Holzes abhängt. Pelletheizungen werden auch mit Brennwerttechnik angeboten, sodass der Brennstoff gut ausgenutzt wird. Allerdings muss für die Pellets ein Lagerraum eingeplant werden – im Keller oder im Garten – und der Kessel braucht einen Schornstein. Für ein Haus, das bisher mit Nachtspeicheröfen beheizt wurde, ist das oft der Knackpunkt.

Umfrage wird geladen …
Kurz gefragt
Welcher nächste Schritt ist für Sie beim Thema Heizung am wichtigsten?
Eine Antwort auswählen – Ergebnis sofort sehen.
Wer den Pellettank im Garten unterirdisch legt, sieht lediglich eine Befüllungsklappe. Diese muss möglichst gut zugänglich sein, damit der Lkw mit der Pelletlieferung nah heranfahren kann.
Wärmepumpen nutzen dagegen die Umgebungswärme, indem sie Wärme aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Luft entnehmen und auf ein nutzbares Temperaturniveau heben. Je nach System schwanken Aufwand und Kosten: Für Erd- und Bohrarbeiten muss mehr eingeplant werden als für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Auch für die Wärmepumpe fallen Stromkosten an – aber eben nur für rund ein Viertel bis ein Drittel der erzeugten Wärme, weil der Rest aus der Umwelt kommt. Laut Heizspiegel 2025 lassen sich die Heizkosten beim Wechsel von der Nachtspeicherheizung auf eine Wärmepumpe etwa halbieren – wie groß die Ersparnis ausfällt, hängt von Gebäude, Anlage und Tarif ab. Ein Teil des Strombedarfs lässt sich zudem über eine Photovoltaik-Anlage decken; im Winter, wenn der Bedarf am größten ist, liefert sie allerdings am wenigsten. Wichtig für den Umstieg: Die Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist – große Heizflächen wie eine Fußbodenheizung passen deshalb gut zu einem Haus, das ohnehin ein neues Verteilnetz bekommt. Gefördert wird der Wechsel ebenfalls; welches Programm passt, lesen Sie im Ratgeber zu den Fördermitteln.

Welche Alternative passt zu welcher Ausgangslage?
Es gibt keine Lösung, die für jedes Haus passt. Diese Übersicht ordnet die gängigen Alternativen typischen Ausgangslagen zu – sie ersetzt keine Beratung durch einen Energieberater.
WennDer Wärmebedarf Ihres Hauses ist bekannt oder wird gerade ermittelt
Dann Wärmepumpe
Für die meisten Ein- und Zweifamilienhäuser die erste Option. Die Heizlast entscheidet über Größe, Kosten und Effizienz – lassen Sie sie berechnen, bevor Sie Angebote einholen.
WennIn Ihrer Straße liegt ein Wärmenetz oder die kommunale Wärmeplanung sieht eines vor
Dann Anschluss ans Wärmenetz
Kein Platzbedarf im Haus, keine eigene Anlage, keine Wartung. Im Gegenzug binden Sie sich langfristig an einen Versorger – Preis und Vertragsbedingungen vorher genau prüfen.
WennSie haben einen Gasanschluss und wollen investieren, ohne die Hülle zu sanieren
Dann Gasbrennwertheizung
Technisch die einfachste Lösung, aber fossil: Der CO₂-Preis steigt weiter, und eine rein fossile Heizung wird nicht gefördert. Vorher in die kommunale Wärmeplanung schauen.
WennSie haben Platz für ein Pelletlager und einen nutzbaren Schornstein
Dann Pelletheizung
Kommt mit hohen Vorlauftemperaturen zurecht und passt daher auch in unsanierte Gebäude. Braucht aber Lagerraum, Schornstein sowie regelmäßige Brennstofflieferung, Wartung und Ascheentsorgung.
WennNur einzelne Räume werden beheizt, ein Verteilnetz ist ausgeschlossen
Dann Einzelraumlösung prüfen
Ohne wassergeführtes System bleibt oft nur eine Stromdirektheizung – die Betriebskosten bleiben dann hoch. Vorher rechnen, ob ein Verteilnetz nicht doch machbar ist.
Heizungsvergleich: Heizungssysteme in vergleichender Darstellung Sie sind Bauherr und brauchen eine Heizungsanlage? Sie sanieren und überlegen, welches Heizungssystem sich für… weiterlesen


