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Nachtstrom – Ist Strom nachts günstiger?

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Tagsüber, wenn die Menschen wach sind, nutzen Sie Ihre Geräte und verbrauchen daher den meisten Strom. Daher ist das Stromnetz am Tag hoch ausgelastet, während in der Nacht sehr viel weniger Energie aus dem Netz entnommen wird. Damit die Kraftwerke die ganze Zeit über im gleichen Maße ausgelastet sind, bieten Stromversorger daher spezielle Tarife an, bei denen Stromnutzer in den Nachtstunden weniger für die gelieferte Energie zahlen. Falls also eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe in Ihrem Haushalt im Einsatz ist, kann ein doppelter Tarif durchaus sinnvoll sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachtstrom kann günstiger sein – wie stark, hängt von Anbieter und Netzgebiet ab (grobe Orientierung 20–40 %).
  • Ein Doppeltarif lohnt sich vor allem mit Nachtspeicherheizung oder Wärmepumpe und hohem Nachtverbrauch (Richtwert ab rund 70 %).
  • Zählerkosten gegen die Ersparnis rechnen; dynamische Tarife sind die flexible moderne Alternative.
Ein Wechsel zum Doppeltarif kann sich lohnen © motorradcbr
Ein Wechsel zum Doppeltarif kann sich lohnen © motorradcbr

Nachtstrom früher und heute

Das Problem mit der unregelmäßigen Stromentnahme aus dem Netz veranlasste Stromanbieter vor etwa 50 Jahren dazu, Nachtspeicherheizungen zu etablieren. Damals lohnte sich das Heizen mit Strom, da die Wärmeversorgung mit Öl und Kohle teurer waren als die elektrische Variante. Mit Nachtspeicherheizungen versuchten die Versorger, die Verbraucher zu veranlassen, in der Nacht, in denen die Stromnetze kaum ausgelastet waren, Strom für die Wärmeversorgung zu entnehmen. Der zu geringen Preisen in der Nacht angebotene Strom wurde in den Haushalten mit Nachtspeicherheizung dazu verwendet, Wärme zu produzieren und für den Tag abzuspeichern. Am Tag waren die Nutzer dann mit Heizwärme versorgt, ohne Energie aufwenden zu müssen.

Nachtspeicherheizung regeln © Jürgen Fächle, stock.adobe.com
Nachtspeicherheizung regeln © Jürgen Fächle, stock.adobe.com

Diese Maßnahme lohnte sich allerdings nur aus energiewirtschaftlicher Perspektive. Umweltfreundlich ist es nämlich keineswegs, die Wärmeversorgung über Strom laufen zu lassen. Es sei denn natürlich, der Heizstrom wird nachhaltig, beispielsweise via Fotovoltaik, erzeugt.

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Heute liefern nur noch wenige Anbieter den günstigen Nachtstrom. Das liegt zum einen daran, dass Nachtspeicherheizungen heute nicht mehr up-to-date sind. Mit der EnEV 2009 wurde für bestimmte Bestandsgebäude eine Außerbetriebnahmepflicht für elektrische Speicherheizsysteme eingeführt (§ 10a EnEV). Diese Regelung wurde 2013 wieder aufgehoben. Immer noch heizen mehr als eine Million Haushalte in Deutschland mit der einst so beliebten Nachtspeicherheizung.
Zum anderen nutzen wir heute viele Geräte, wie Smartphone, Laptop und Tablet, deren Akku wir über Nacht aufladen. Nachts wird daher heute deutlich mehr Strom entnommen als noch vor einigen Jahren. Heute gibt es spezielle Tarife, die auf den Verbrauch einzelner Haushalte ausgelegt sind. Dazu gehören Tarife, die Strom für Wärmepumpen anbieten oder für E-Fahrzeuge, die Verbraucher in Ihrer Garage aufladen wollen.

Erleuchtetes Haus bei Nacht © robert kneschke , stock.adobe.com
Erleuchtetes Haus bei Nacht © robert kneschke , stock.adobe.com
Bei Nachtspeicherheizung den Nachtstromtarif nutzen
Bei Nachtspeicherheizung den Nachtstromtarif nutzen

So funktioniert die Abrechnung von Tag- und Nachtstrom

Um Tag- und Nachtstrom getrennt voneinander abrechnen zu können, nutzen Netzbetreiber sogenannte Zweitarifzähler. Verbraucher, die sich einen Doppeltarif wünschen und nicht über einen solchen oder alternativ nicht über zwei Zähler verfügen, können einen Zweitarifzähler beim Netzbetreiber anfragen. Das Umschalten zwischen Tag- bzw. Hochtarif (HT) und Nacht- bzw. Niedertarif (NT) geschieht automatisch. Die konkreten HT-/NT-Zeiten gibt der Netzbetreiber vor. Häufig gilt der Niedertarif etwa von 22 bis 6 Uhr; die genauen Zeiten unterscheiden sich aber je nach Region und Netzbetreiber.

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Was kostet Nachtstrom heute?

Heute ist der Einbau einer Nachtspeicherheizung keine lohnenswerte Alternative mehr. Heizen mit Strom ist nämlich deutlich teurer als noch in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Selbst wer einen Zweistromtarif verwendet und damit die eigene Nachtspeicherheizung mit günstigerem Niederstrom betreibt, spart zwar Kosten, aber nicht in dem Maße, wie es einst der Fall war. Wie viel günstiger Nachtstrom ist, hängt stark von Anbieter, Netzgebiet und Grundpreis ab – als grobe Orientierung etwa 20 bis 40 Prozent gegenüber dem Tagstrom. Damit sich ein Doppeltarif lohnt, müssen Sie heute wirklich deutlich mehr Strom in der Nacht als am Tag verbrauchen. Daher sollten Sie unbedingt in Erfahrung bringen, ob Sie in der Nacht tatsächlich deutlich mehr Strom aus dem Netz entnehmen als am Tag. Wenn ein großer Teil Ihres Verbrauchs in die Nacht fällt (Richtwert ab rund 70 Prozent), lohnt es sich, über einen Doppel- oder dynamischen Tarif nachzudenken und die Stromanbieter in Ihrer Region nach günstigen Nachtstromtarifen zu durchsuchen.

Nachtstrom in Zahlen

ca. 22–6 Uhrtypischer Niedertarif-Zeitraum (regional unterschiedlich)
20–40 %grobe Orientierung: günstiger als Tagstrom
ab ~70 %Nachtanteil, ab dem sich ein Doppeltarif eher lohnt
Quelle: Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale (Orientierung) · Stand 2026
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Lohnt sich der Wechsel zum Nachtstromtarif?

Der Wechsel zu einem Doppeltarif sollte also gut überlegt sein. Auch wenn Sie nachts deutlich mehr Strom verbrauchen und damit ein Nachtstromtarif nach einem lohnenswerten Angebot klingt, sollten Sie sich über weitere Kosten im Klaren sein. Wer nicht über einen Zweistromzähler oder zwei separate Zähler verfügt, muss diesen wie gesagt beim Netzbetreiber anfragen. Der Einbau ist mit Kosten verbunden. Während Sie den Zähler bei manchen Netzbetreibern kaufen können, verleihen andere das Gerät nur. Dann müssen Sie oft eine monatliche Gebühr für den Zähler aufbringen.

Lohnt sich ein Nachtstromtarif für Sie?

1. Nutzen Sie eine Nachtspeicherheizung, Wärmepumpe oder andere Nacht-Großverbraucher?

JaEin Doppeltarif kann sich lohnen – weiter zu Schritt 2.
NeinMeist lohnt sich kein Nachtstromtarif; ein günstiger Eintarif ist einfacher.

2. Können Sie einen großen Teil Ihres Verbrauchs in günstige Nacht- oder Börsenpreis-Zeiten verschieben?

JaNacht- oder dynamische Tarife vergleichen lohnt sich.
UnsicherPrüfen Sie Ihren Nachtanteil – der Zähler verursacht oft Zusatzkosten.
EmpfehlungRechnen Sie die Zählerkosten gegen die Ersparnis – nur bei klarem Nacht-Übergewicht lohnt der Doppeltarif.
Quelle: Verbraucherzentrale · Stand 2026

Wenn Sie über einen Nachtstromtarif verfügen, ist es überlegenswert nicht nur die Nachtspeicherheizung, sondern auch andere stromintensive Geräte nachts laufen zu lassen. Wenn Sie Nachbarn oder sich selbst durch die Geräusche nicht stören, können Sie Spülmaschine oder Waschmaschine nachts das Geschirr bzw. die Wäsche reinigen lassen.

Eine zeitgemäße Alternative zum starren Nachtstromtarif sind dynamische Tarife: Seit 2025 müssen alle Stromanbieter sie anbieten (§ 41a EnWG). Ihr Preis folgt in kurzen Intervallen – oft viertelstündlich – dem Börsenstrompreis – wer den Verbrauch flexibel verschieben kann und ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) hat, nutzt so die jeweils günstigsten Stunden statt nur zwei fester Zeitfenster.

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