Wärmepumpen im Altbau: Welche Wärmepumpen sind für den Altbau geeignet?
In Neubauten sind Wärmepumpen inzwischen das Standard-Heizsystem: 2025 nutzten rund drei Viertel der fertiggestellten Wohngebäude (73,6 %) hauptsächlich eine Wärmepumpe, wie das Statistische Bundesamt meldet. Steht eine Sanierung an, dann stellen sich allerdings viele die Frage, ob es auch im Altbau sinnvoll sein kann, eine Wärmepumpe einzubauen.
Das Wichtigste in Kürze
- Auch im Altbau kann sich eine Wärmepumpe lohnen – entscheidend sind Dämmzustand, Heizflächen und eine niedrige Vorlauftemperatur.
- Vor dem Heizungstausch zuerst Dach, Fenster und Fassade in den Blick nehmen; das senkt die Heizlast.
- Luft-Wasser-Wärmepumpen sind am einfachsten, Erdwärme ist effizienter; an sehr kalten Tagen hilft ein bivalenter Betrieb.

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Zur Abschätzung, welche Variante im individuellen Fall die sinnvollste ist, müssen vielfältige Faktoren betrachtet werden.
Zu diesen Faktoren zählen zum Beispiel die Heizlast des Hauses (diese wird direkt beeinflusst durch z.B. den Dämmzustand von Außenhülle und Dach sowie durch die Fenster), aber auch die Art der Heizkörper spielt eine entscheidende Rolle. Für eine Wärmepumpe mit niedriger Vorlauftemperatur sind großflächige Heizkörper wie Fußboden- oder Wandheizungen besser geeignet. Schließlich muss auch der Platzbedarf der Wärmepumpe betrachtet werden, um sich für das richtige System zu entscheiden.

Heizlast des Hauses
Experten können die Heizlast eines Hauses nach DIN EN 12831 berechnen. Das ist recht aufwendig und teuer. Der bisherige Verbrauch an Öl, Erdgas oder Holz kann nur einen ersten Plausibilitätswert für den Jahreswärmebedarf liefern; für die passende Wärmepumpenleistung ist eine Heizlastberechnung nötig. Der Jahresnutzungsgrad ist abhängig vom Wirkungsgrad des Kessels und den Systemverlusten (bei Verteilung, im Puffer und der Bereitstellung). Maßgeblich ist die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1.


Dämmung, Dach, Fenster
Gerade im Altbau sollten Sie vor dem Heizungstausch prüfen lassen, welche Maßnahmen die Vorlauftemperatur senken: Dachdämmung, Fassadendämmung, neue Fenster, größere Heizkörper oder ein hydraulischer Abgleich. Je besser Gebäudehülle und Heizflächen zusammenpassen, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.

Heizsystem
Besonders gut geeignet sind Flächenheizungen für Wärmepumpen. Damit sind entweder Fußboden- oder Wandheizungen gemeint. Aber auch mit größeren Heizkörpern können Wärmepumpen gut betrieben werden. Es gibt auch Heizkörper, die extra auf Niedertemperatursysteme wie Wärmepumpen ausgelegt sind.

Sind die prinzipiellen Voraussetzungen für die Nutzung einer Wärmepumpe erfüllt, dann geht es auch um die Auswahl der richtigen Wärmepumpe, die wiederum von den Gegebenheiten im Altbau abhängt.
Auswahl der richtigen Wärmepumpe im Altbau
Welche Wärmepumpe ist empfehlenswert für den Altbau? Hier spielen vor allem die individuellen Gegebenheiten eine wesentliche Rolle.

Für Sole-Wasser-Wärmepumpe (also Erdwärmepumpen) muss entweder der Platz für Erdwärmekollektoren (meist im Garten) oder die Möglichkeit für Erdwärmesonden gegeben sein. Erdwärmesonden benötigen weniger Platz, sind aber teurer und es müssen aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden.
Bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die mit der Wärme des Grundwassers arbeiten, sind Kosten und Aufwand so hoch, dass sie sich vor allem für größere Einheiten lohnen. Sie sind aber ebenso wie Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonden für Altbauten angesichts der hohen Effizienz gut geeignet. Die hohen Jahresarbeitszahlen sind auf die konstant höheren Temperaturen der Umweltwärme aus Grundwasser und Erdreich zurückzuführen.
Luft-Wasser-Wärmepumpen sind am einfachsten zu realisieren und sie sind auch die preisgünstigsten Wärmepumpen. Allerdings erreichen sie in unseren geographischen Regionen nicht so hohe Effizienzen wie etwa Sole-Wasser-Wärmepumpen. Ob sich Erdwärmepumpen gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe lohnen, sollte anhand von Grundstück, Genehmigungsfähigkeit, Erschließungskosten und erwarteter Jahresarbeitszahl geprüft werden. Niedrigere Betriebskosten können Mehrkosten ausgleichen; eine schnelle Amortisation ist aber nicht sicher.
Eine für unsanierte Altbauten mögliche Übergangslösung sind auch Hybridlösungen, bei denen die Wärmepumpe mit einer Brennwerttherme kombiniert wird. Hier kombiniert die Heizungssteuerung Wärmepumpe und Brennwerttherme je nach Auslegung und Bivalenzpunkt; meist übernimmt die Wärmepumpe die Grundlast, während die Therme nur an sehr kalten Tagen die Spitzenlast abdeckt. Wie kostenoptimiert das System läuft, hängt von der eingestellten Regelstrategie ab.
Ob sich die Wärmepumpe im Altbau lohnt, hängt damit stark vom Gebäudezustand und den vorhandenen Heizflächen ab. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wann sie eine gute Wahl ist – und wann zuerst saniert werden sollte.
Wärmepumpe im Altbau: Wann sie sich lohnt – und wann nicht
Vorteile
- Gut gedämmter Altbau mit Flächenheizung oder großen Heizkörpern: Die Wärmepumpe arbeitet effizient.
- Eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur (idealerweise bis etwa 55 °C) macht den Betrieb wirtschaftlich.
- Die Luft-Wasser-Wärmepumpe lässt sich einfach und ohne Erdarbeiten nachrüsten.
Nachteile
- Ungedämmter Altbau mit kleinen Heizkörpern braucht hohe Vorlauftemperaturen – erst dämmen oder Heizflächen vergrößern.
- Erdwärme braucht je nach System Gartenfläche für Kollektoren oder Bohrungen; Genehmigungen sind vor allem bei Sonden/Grundwasser zu klären.
- An sehr kalten Tagen kann ein bivalenter Betrieb mit einem zweiten Wärmeerzeuger nötig sein.

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