Mythen, Irrtümer und Fakten zu Wärmepumpen
Wärmepumpen erleben derzeit einen regelrechten Hype. Sie sind die beste Alternative für Heizungssysteme, die auf fossilen Brennstoffen basieren und emittieren auch keinen Feinstaub wie etwa Pelletheizungen. Gleichzeitig erhöhen sie die Unabhängigkeit von Heizöl und Erdgas, was nicht nur dem Klima zugutekommt, sondern auch eine größere Freiheit bei geopolitischen Krisen bietet.
Es wird also viel über Wärmepumpen geredet und geschrieben – und einige Behauptungen gehören eindeutig in die Schublade „Mythos“, oder anders ausgedrückt „Fake News“.
Hier nun zur Klarstellung ein Faktencheck und Klärung von Mythen und Irrtümern in Bezug auf Wärmepumpen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmepumpen heizen nicht „mit Strom“: Aus 1 kWh Strom machen sie rund 3 bis 4,5 kWh Wärme – den Rest liefert kostenlos die Umwelt.
- Sie funktionieren auch im Altbau und mit Heizkörpern – moderne Geräte schaffen über 55 °C, Hochtemperatur-Modelle rund 70 °C.
- Schon ab einer Jahresarbeitszahl von 2,5 sparen sie deutlich CO₂ – bei 54,4 % Ökostromanteil im Netz (2024).
- Moderne Geräte sind leise und auch für Mehrfamilienhäuser geeignet – Abstand, Aufstellung und Nachtmodus halten sie am Nachbargrundstück meist unauffällig.

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Mythos Nummer 1: Wärmepumpen verbrauchen zu viel Strom
Es ist wahr und richtig, dass Wärmepumpen für ihren Betrieb Strom benötigen. Falsch ist aber, dass Wärmepumpen mit Strom heizen. Richtig ist vielmehr, dass Wärmepumpen für den Betrieb ihres Kompressors und für ihre Ventilatoren Strom benötigen. Die Energie bekommen Wärmepumpen aus der Umwelt – je nach Art der Wärmepumpe aus dem Grundwasser, dem Erdreich oder der Umgebungsluft. Mithilfe des Kompressors und des Kältemittels wird dann die Temperatur erhöht und für die Heizung genutzt.
Je nach Effizienz liefert eine Wärmepumpe aus 1 kWh Strom rund 3 bis 4,5 kWh Wärme – den größeren Teil der Energie, meist zwei Drittel bis drei Viertel, zieht sie kostenlos aus der Umwelt. Die Effizienz der Wärmepumpe wird mit der Jahresarbeitszahl beschrieben. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) stellt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr im realen Betrieb dar.
Als Beispiel: Eine Jahresarbeitszahl von 4 bedeutet, dass die Wärmepumpe 4 kWh Wärme zur Verfügung stellt und dafür 1 kWh Strom benötigt.
Da sich die JAZ erst im laufenden Betrieb am konkreten Einsatzort ergibt, dienen COP und SCOP dem Vergleich vor dem Kauf: Der COP ist ein im Labor gemessener Moment-Wirkungsgrad, der SCOP ein über die Heizsaison genormter Mittelwert.

Mythos Nummer 2: Heizen mit Wärmepumpen ist viel zu teuer
Wer in eine neue Heizung investiert, will selbstverständlich nicht nur ein ökologisch arbeitendes Heizsystem, vielmehr soll sich das System für den Eigentümer natürlich auch rechnen.
Auf den ersten Blick wirken nun Wärmepumpen ökonomisch nicht sinnvoll, da sie (noch) teurer sind als die fossilen Alternativen wie eine Gas-Brennwerttherme.
Allerdings werden durch zielgerichtete staatliche Fördermittel Wärmepumpen gefördert, sodass ein großer Teil des Unterschieds bei den Investitionskosten ausgeglichen wird.
Wie für jede Investition müssen aber auch die Betriebskosten in die Rechnung einbezogen werden.
Hauptsächlicher Bestandteil der Betriebskosten sind bei Wärmepumpen natürlich die Kosten für den Strom. Die Kosten hierfür hängen allerdings von vielen Faktoren ab, z.B. der Effizienz der Wärmepumpe, dem energetischen Zustand des Hauses, dem gewählten Stromtarif und dem Vorhandensein einer eigenen Photovoltaikanlage. Das Fraunhofer ISE hat Beispielrechnungen für ein 150 qm großes Haus durchgeführt und gezeigt, dass Wärmepumpen nicht nur ökologisch, sondern zunehmend auch ökonomisch besser abschneiden als Gasheizungen. Dieser Trend hat sich seither verstärkt: Die früher auf den Strompreis aufgeschlagene EEG-Umlage ist seit Juli 2022 abgeschafft, während der CO₂-Preis auf Öl und Gas weiter steigt – 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne; die ETS-2-Auktionen starten voraussichtlich 2027, voll operativ wird der EU-weite Emissionshandel (ETS 2) nach aktuellem Stand 2028.

Mythos Nummer 3: Wärmepumpen sind nur für Neubauten geeignet
Oft wird behauptet, Wärmepumpen seien nur für gut gedämmte Neubauten sinnvoll. Das ist nicht richtig. Natürlich sind Wärmepumpen für Neubauten absolut ideal, liegen hier doch ideale Bedingungen für den Einsatz einer Wärmepumpe vor. Es können sogleich Flächenheizungen geplant werden, der Aufstellort für die Wärmepumpe kann vorgesehen werden und ggf. können vor Baubeginn schon Bohrungen für Erd-/Grundwassersonden durchgeführt werden. Und im gut gedämmten Neubau reichen niedrige Vorlauftemperaturen vollkommen aus.
Wärmepumpen können aber sehr gut auch in Bestandsbauten genutzt werden. Nach der Sanierung eines Hauses oder einfach auch beim fälligen Austausch einer Öl- oder Gasheizung kann auf ökologisch heizende Wärmepumpen gesetzt werden.
Untersuchungen des Fraunhofer ISE zeigen seit Langem, dass Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden sinnvoll arbeiten und ordentliche Jahresarbeitszahlen erreichen. Neuere Feldmessungen (Projekt „WP-QS im Bestand“, 2025) bestätigen das: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Gebäudebestand im Mittel rund 3,4 (Bandbreite 2,6 bis 4,9), Erdreich-Anlagen sogar rund 4,3.

Mythos Nummer 4: Wärmepumpen funktionieren nur mit Fußbodenheizung
Auch hier wird eine Behauptung aufgestellt, die so nicht stimmt. Richtig ist, dass Wärmepumpen ganz hervorragend mit sogenannten Flächenheizungen funktionieren. Flächenheizungen sind z.B. Fußbodenheizungen oder Wandheizungen. Sie benötigen wegen der großen Fläche, über die sie Wärme abgeben, nur sehr geringe Vorlauftemperaturen. Mit niedrigen Vorlauftemperaturen wiederum arbeiten Wärmepumpen besonders effizient.
Aber Wärmepumpen können problemlos auch mit Heizkörpern arbeiten. Inzwischen sind hocheffiziente Wärmepumpen auf dem Markt, mit denen auch höhere Vorlauftemperaturen von über 55 Grad C erreicht werden können. Es gibt sogar Hochtemperaturwärmepumpen, mit denen Heizkreistemperaturen von um die 70 Grad erreicht werden können. Hier spielt vor allem die Wahl des Kältemittels eine große Rolle.
Letztlich geht es ja um die Effizienz der Wärmepumpe im Jahresmittel. Und hier sind auch bei Systemen mit Heizkörpern nicht so hohe Vorlauftemperaturen notwendig, da sehr geringe Außentemperaturen eben im Jahresmittel eher selten vorkommen.

Mythos Nummer 5: Wärmepumpen machen Lärm
Richtig ist: Wärmepumpen machen beim Betrieb Geräusche. Falsch ist: Wärmepumpen sind laut.
Zunächst muss klargestellt werden, dass Wärmepumpen mit Erdsonden im Prinzip geräuschlos arbeiten (im Gegenteil: Wenn diese Wärmepumpen hörbare Geräusche machen, dann stimmt was nicht und man sollte einen Fachmann zurate ziehen).
Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten mit Ventilatoren, die bei dem Ansaugen und dem Ausblasen der Luft Strömungsgeräusche verursachen. Außerdem kann der Kompressor ein hörbares Brummen von sich geben, dass durch die Vibration der Wärmepumpe entsteht. Moderne Geräte sind jedoch sehr leise. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zweier Größen: Der vom Hersteller angegebene Schallleistungspegel beschreibt die Geräuschquelle selbst, während der Schalldruckpegel am Immissionsort – also das, was beim Nachbarn tatsächlich ankommt – mit zunehmendem Abstand und passender Aufstellung deutlich darunter liegt. Leise Modelle erreichen am Immissionsort Werte um 30 bis 40 dB(A); zur Einordnung: Flüstern entspricht etwa 30 dB(A), ein Kühlschrank rund 40 dB(A).
Für alle Wärmepumpen gilt, es gibt vielfältige Stellhebel, wie die Geräusche nicht verstärkt werden, sondern vermindert. Stellhebel sind hier vor allem Aufstellort der Wärmepumpe (also weit genug entfernt vom Nachbarhaus, von Mauern oder harten Flächen, um ein Echo zu vermeiden, von Schlafzimmerfenstern), Entkoppelung der Schwingung durch Schwingungsdämpfer, sinnvolle Führung der Luftkanäle bei Splitgeräten. Gegebenenfalls können auch Schallschutzhauben genutzt werden, um die Geräusche noch weiter zu vermindern. Schallschutztüren sind sinnvoll, wenn die Wärmepumpe innen zum Beispiel in Hauswirtschaftsräumen aufgestellt werden.
Wie laut ist eine Wärmepumpe?
Herstellerangaben nennen meist den Schallleistungspegel des Geräts. Was am Nachbargrundstück ankommt – der Schalldruckpegel am Immissionsort – ist durch Abstand, Aufstellung und Nachtabsenkung deutlich geringer. Der Immissionsrichtwert nachts in reinen Wohngebieten liegt bei 35 dB(A).

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Mythos Nummer 6: Wärmepumpen sparen kein CO2 ein
Ein weiteres „Ammenmärchen“, das über Wärmepumpen verbreitet wird, ist die Behauptung, durch den Stromverbrauch von Wärmepumpen würde letztlich gar kein CO2 eingespart.
Richtig ist, dass Wärmepumpen zum Betrieb elektrische Energie benötigen. Doch der deutsche Strommix wird immer sauberer – der fossile Anteil sinkt Jahr für Jahr.
2024 stammten bereits 54,4 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien (Umweltbundesamt) – mit weiter steigender Tendenz; bis 2030 sind mindestens 80 Prozent das gesetzliche Ziel.
Nun geht es ja darum, klarzustellen, wieviel CO2 eine Wärmepumpe gegenüber einer Heizung mit fossilen Energieträgern (also eine Erdgas- oder Ölheizung) einsparen kann. Hier müssen aber zwei Faktoren betrachtet werden. Einerseits der oben genannte Strommix, d.h. wieviel CO2 wird bei der Produktion des Stroms für die Wärmepumpe emittiert. Andererseits beeinflusst natürlich die Effizienz der Wärmepumpe die CO2-Emission erheblich.
Berechnungen zeigen, dass selbst wenig effiziente Wärmepumpen mit Jahresarbeitszahlen von 2,5 schon deutlich CO2 gegenüber einer Gasheizung, die mit Solarthermie gekoppelt ist, einsparen. Bei höheren Jahresarbeitszahlen wird die Einsparung immer höher und gegenüber reinen Gasheizungen natürlich noch höher.
Wird eine Wärmepumpe mit reinem Ökostrom betrieben oder mit der eigenen Photovoltaikanlage kombiniert, ist die CO₂-Emissionsminderung noch bedeutender – der betriebsbedingte CO₂-Ausstoß sinkt dann auf ein Minimum.

Mythos Nummer 7: Wärmepumpen bringen nur als Hybridheizung genug Wärme
Diese (falsche) Behauptung passt zu dem Mythos, dass Wärmepumpen keine hohen Vorlauftemperaturen ermöglichen oder auch, dass sie nur für Neubauten geeignet sind. Richtig ist aber, dass Wärmepumpen auch als einzige Heizung ein Haus mit ausreichend Wärme versorgen können. Moderne Wärmepumpen können ausreichend hohe Heizkreistemperaturen erreichen auch bei niedrigen Außentemperaturen.
Wärmepumpen sind auch als Hybridheizungen geeignet. Für den sogenannten bivalenten Betrieb sind ganz verschiedene Kombinationen möglich. In Altbauten werden oft Wärmepumpen mit Gasbrennwertthermen kombiniert. Die Gaskessel können dann während besonders hohem Bedarf zugeschaltet werden. Natürlich können gerade für diese Bedarfsspitzen die Wärmepumpen auch mit Ölkesseln oder mit Kaminöfen mit Wassertasche ergänzt werden.
Eine weitere Hybridheizung, die häufig zu finden ist, ist die Kombination von Wärmepumpen mit Heizstäben. Meist werden die Heizstäbe dann zur Unterstützung in Spitzenzeiten oder zur Warmwassererwärmung eingesetzt.

Mythos Nummer 8: Wärmepumpen eignen sich nicht für Mehrfamilienhäuser
Auch die Behauptung, Wärmepumpen seien nur einsetzbar in Ein- oder Zweifamilienhäusern, entbehrt jeder Grundlage.
Tatsache ist, dass Wärmepumpen derzeit besonders häufig in Ein- und Zweifamilienhäusern genutzt werden. Doch rund 55 Prozent aller Wohnungen in Deutschland liegen in Mehrfamilienhäusern (Destatis, Ende 2024). Für eine klimafreundliche Wärmeversorgung müssen deshalb auch diese Gebäude einbezogen werden – und auch das können Wärmepumpen leisten, wie Beispiele aus Deutschland und anderen Ländern belegen.
In einem internationalen Forschungsprojekt wurden verschiedene Lösungen erarbeitet, wie Wärmepumpen sinnvoll in Mehrfamilienhäusern genutzt werden können.
Dazu wurden fünf Lösungsmöglichkeiten betrachtet:
- Zentrales Wärmepumpen-System für das ganze Gebäude
- Kombiniertes System zentral-dezentral
- System aus je einer Wärmepumpe für eine bestimmte Anzahl von Wohnungen
- System aus einer Wärmepumpe für jede einzelne Wohnung
- Wärmepumpen für einzelne Räume

Fazit: Worauf es bei der Wärmepumpe wirklich ankommt
Die meisten Wärmepumpen-Mythen halten einem Faktencheck nicht stand. Entscheidend für einen sparsamen Betrieb sind nicht pauschale Vorurteile, sondern drei konkrete Stellgrößen: eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur (große Heizflächen, gut eingestelltes System), der energetische Zustand des Gebäudes und ein passender Stromtarif – idealerweise ergänzt durch eigenen Solarstrom. Wer diese Punkte vor dem Einbau prüft und die Anlage fachgerecht auslegen lässt, bekommt eine Heizung, die zuverlässig, leise und klimafreundlich arbeitet.
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