Photovoltaik mit Heiztechnik kombinieren
Die Einspeisevergütung für selbst erzeugten Solarstrom fällt deutlich niedriger aus, als man für zugekauften Strom dem Energieversorger zahlen muss: Für neue kleine Aufdachanlagen mit Überschusseinspeisung liegt sie im ersten Halbjahr 2026 bei knapp 8 Cent pro Kilowattstunde — Haushaltsstrom kostet ein Vielfaches davon. Deshalb wird auch immer wieder betont, wie sinnvoll es ist, so viel wie möglich des produzierten Solarstroms selbst zu nutzen. Eine Möglichkeit, den Eigenverbrauchsanteil zu steigern, bietet die Nutzung des Solarstroms direkt zum Heizen oder die Kombination mit der Heiztechnik.
Das Wichtigste in Kürze
- Solarstrom lohnt zum Heizen vor allem dort, wo er fossile Energie ersetzt: per Wärmepumpe, Heizstab im Pufferspeicher oder Brauchwasser-Wärmepumpe.
- Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Solarstrom rund drei bis fünf Kilowattstunden Wärme — die effizienteste Kopplung.
- Ein ganzes Haus direkt-elektrisch mit Solarstrom zu heizen, funktioniert nur in sehr effizienten Gebäuden — im Winter liefert die Anlage am wenigsten.

Welche Möglichkeiten gibt es, Photovoltaik zum Heizen zu nutzen?
Soll mit Photovoltaik geheizt werden, dann wird der mit Sonnenstrahlen produzierte Strom zur Erwärmung von Warmwasser und zur Erwärmung der Räume genutzt. Dabei kann der Solarstrom auf vielfältige Art entweder direkt oder indirekt genutzt werden.
Nachtspeicherofen
Es gibt verschiedene Arten von Elektroheizungen, bei denen Strom zum Heizen genutzt wird. Als Nachtspeicheröfen wurden Elektroheizungen vor allem Mitte des letzten Jahrhunderts als Alternative zu Kohleheizungen installiert. Bei Nachtspeicheröfen wird mit Heizelementen Strom in Wärme umgewandelt und damit ein Speichermedium erwärmt. Das kann ein Schamottblock oder ein Warmwasserbehälter sein. Über Strahlung und einen Ventilator wird die warme Luft dann bei Bedarf in den Raum geleitet.

Ein generelles Verbot gab es übrigens nie: Die Energieeinsparverordnung 2009 sah lediglich für ältere Nachtspeicherheizungen in größeren Wohngebäuden ein gestaffeltes Betriebsverbot ab 2020 vor — diese Regelung wurde 2013 wieder aufgehoben. Mit Solarstrom betrieben, gelten bestehende Nachtspeicheröfen heute wieder als mögliche klimafreundlichere Alternative.
Direktheizung
Bei einer Direktheizung wird die mit dem Solarstrom produzierte Wärme direkt in den Raum abgegeben. Beispiele für eine Direktheizung sind Infrarotheizungen, aber auch Heizstrahler oder Heizlüfter zählen dazu. Weit verbreitet sind auch elektrische Fußbodenheizungen.
Infrarotheizungen
Infrarotheizungen produzieren sehr angenehme Strahlungswärme, sie können mit Solarstrom betrieben werden und eignen sich vor allem als Zusatzheizung oder in selten genutzten Räumen oder Ferienwohnungen.

Heizstrahler und Heizlüfter
Heizstrahler und Heizlüfter sind als kleine Zusatzheizungen weit verbreitet, die etwa zum Heizen von Gästetoiletten oder zum temporären Heizen in Garagen etc. genutzt werden.

Elektrische Fußbodenheizungen finden sich oft in Badezimmern, wo auch elektrische beheizte Handtuchheizkörper mit Solarstrom betrieben werden können.


Heizstab
Eine gute Möglichkeit, Solarstrom zum Heizen zu nutzen, bieten Heizstäbe. Ein Heizstab funktioniert grob gesagt wie ein Tauchsieder. Er erwärmt bei Bedarf das Wasser im Pufferspeicher und bringt es auf die gewünschte Vorlauftemperatur, sodass die Heizkörper genügend Wärme an die Räume abgeben können.

Heizstäbe lassen sich bei vielen Heizsystemen mit geeignetem Warmwasser- oder Pufferspeicher nachrüsten. Wird ein Heizstab mit dem eigenen Solarstrom betrieben, bieten sie also eine sinnvolle Ergänzung. Bei Öl- und Gasheizungen können Heizstäbe den Anteil der fossilen Energie deutlich senken. Heizstäbe können aber gerade auch bei Wärmepumpen eingesetzt werden, wenn die Wärmepumpe bei besonders kalten Temperaturen an ihre Grenzen stößt.

Heizstäbe im Pufferspeicher können in den Sommermonaten das Warmwasser komplett erwärmen, sodass die jeweilige Heizung dann komplett ausgeschaltet werden kann.
Brauchwasser-Wärmepumpe: der einfache Einstieg
Einen besonders unkomplizierten Einstieg bietet die Brauchwasser-Wärmepumpe (auch Warmwasser-Wärmepumpe): Sie erwärmt ausschließlich das Trinkwasser und nutzt dafür die Wärme der Umgebungsluft — zum Beispiel im Keller. Ihr Warmwasserspeicher mit typischerweise 200 bis 300 Litern wirkt dabei wie eine thermische Batterie: Läuft das Gerät bevorzugt mittags mit Solarstrom, steht das warme Wasser am Abend bereit. Viele Modelle bringen dafür einen PV-Kontakt oder eine SG-Ready-Schnittstelle mit. Die Anschaffung ist deutlich günstiger als eine komplette Heizungs-Wärmepumpe — interessant vor allem dort, wo die eigentliche Heizung vorerst bleibt, das Warmwasser aber schon auf Solarstrom umsteigen soll.
Wärmepumpe mit Photovoltaik
Als Dream-Team gilt die Kombination von Wärmepumpen mit der eigenen Photovoltaikanlage.

Bei einer Wärmepumpe wird eine vorhandene Wärme aus der Umwelt (Luft, Erdreich, Grundwasser) mit Strom auf ein höheres Temperaturniveau „gepumpt“. Aus einer Kilowattstunde Strom machen Wärmepumpen je nach Wärmequelle, Gebäude und Anlagenqualität typischerweise rund drei bis fünf Kilowattstunden Wärme — dieses Verhältnis beschreibt die Jahresarbeitszahl. Wird dabei der eigene Solarstrom genutzt, verbessert sich die Umweltbilanz der Wärmepumpe deutlich, auch wenn die PV-Anlage im Jahresverlauf nur einen Teil des Wärmepumpenstroms deckt. Außerdem sinken die Betriebskosten der Wärmepumpe erheblich, die sonst mit zugekauftem Strom betrieben werden müsste. Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaikanlage steigert also die Umweltfreundlichkeit und die Wirtschaftlichkeit gleichzeitig.
Damit das Duo wirklich zusammenspielt, sollte die Wärmepumpe eine Steuerschnittstelle wie „SG Ready“ mitbringen: Darüber kann ein Energiemanagement die Wärmepumpe gezielt dann laufen lassen, wenn das Dach Überschuss liefert. Zusätzlich gilt: Neue Wärmepumpen mit mehr als 4,2 Kilowatt elektrischer Leistung werden seit 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG beim Netzbetreiber angemeldet. Der darf ihre Leistung in seltenen Engpass-Situationen vorübergehend drosseln — im Gegenzug zahlen Betreiber reduzierte Netzentgelte, wahlweise als Pauschale oder als prozentualer Rabatt auf den Arbeitspreis.
Wärmepumpe und Solarstrom in Zahlen

Brennstoffzelle kombiniert mit Photovoltaik
Eine weitere Möglichkeit, den selbst produzierten Solarstrom mit der Heizung zu kombinieren, stellt die Nutzung in einer Brennstoffzelle dar. In Brennstoffzellen werden Wärme und Strom gleichzeitig produziert, sodass es auf den ersten Blick unsinnig erscheint, hier noch Photovoltaik ins Spiel zu bringen, da ja eh Strom produziert wird.
Die Nutzung von Solarstrom macht bei der Kombination mit einer Brennstoffzelle sozusagen einen kleinen Umweg. Brennstoffzellen können auch mit Wasserstoff betrieben werden. Wird nun der Solarstrom genutzt, um Wasserstoff zu gewinnen, kann die Solarenergie gespeichert werden und wird bei Bedarf dann von der Brennstoffzelle genutzt. Solche Wasserstoff-Komplettsysteme für Einfamilienhäuser sind bislang allerdings eine teure Nischenlösung mit wenigen Anbietern — für die meisten Haushalte bleibt das vorerst Zukunftstechnik.

Welche PV-Heiz-Kopplung lohnt den Aufwand?
Einordnung nach typischem Installationsaufwand und Wirkung auf Eigenverbrauch und Brennstoff-Ersparnis — Details in den Abschnitten oben.
Sofort angehen
Wirkung: hochAufwand: gering
- Heizstab nur bei geeignetem Speicher nachrüsten
- Brauchwasser-Wärmepumpe für das Warmwasser
Einplanen
Wirkung: hochAufwand: hoch
- Wärmepumpe als Hauptheizung mit der PV-Anlage koppeln
Nebenbei mitnehmen
Wirkung: niedrigAufwand: gering
- Infrarot- oder Zusatzheizung für selten genutzte Räume
- Elektrischer Handtuchheizkörper im Bad
Eher zurückstellen
Wirkung: niedrigAufwand: hoch
- Wasserstoff-Brennstoffzelle im Einfamilienhaus
- Ganzes Haus direkt-elektrisch heizen — außer im Passivhaus
Sortiert nach Wirkung (oben = mehr) und Aufwand (links = weniger).
Vor- und Nachteile der Kombination aus Photovoltaik und Heizung
Es sprechen einige Argumente für die Kombination von Heiztechnik und Photovoltaik. Andererseits gibt es auch einige Nachteile.

- Pro: Umweltfreundlichkeit der Heizung steigern – Durch die Nutzung des Solarstroms vom eigenen Dach können große Mengen an fossiler Energie eingespart werden, sei es direkt oder auch indirekt, weil Solarstrom genutzt wird anstatt Strom, der in Gas- oder Kohlekraftwerken produziert wird.
- Pro: Eigenverbrauchsanteil am Solarstrom erhöhen – Wer den Solarstrom nutzt, um die Heizung zu unterstützen, etwa mit einem Heizstab oder auch die Wärmepumpe mit dem eigenen Solarstrom betreibt, der kann den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöhen. Mit Speicher und guter Steuerung sind je nach PV-Größe eher etwa 50 bis 70 % realistisch; ohne Speicher liegen typische Eigenverbrauchsanteile oft bei 20 bis 30 %.
- Pro: Fossile Energieträger vermeiden – Wird ein Heizstab im Pufferspeicher installiert, kann im Sommer die komplette Warmwasserversorgung mit Solarstrom erfolgen. Dann können Öl- oder Gasheizung mehrere Monate ausgeschaltet bleiben. Aber auch während der Heizperiode spart ein Heizstab bei der Kombination mit Gas- oder Ölheizung fossile Energien ein, weil er gerade bei Sonnenschein die Temperatur im Pufferspeicher erhöht.
- Pro: Anteil an Solarstrom durch Stromspeicher steigern – Wird zusätzlich zur Photovoltaikanlage ein Stromspeicher installiert, kann der Solarstrom noch besser genutzt werden und der Nachteil von Solarstrom, dass er vor allem im Sommer und nur tagsüber vorhanden ist, abgeschwächt werden.
- Contra: Solarstrom vor allem im Sommer – Ein großer, grundsätzlicher Nachteil von Strom aus Photovoltaikanlage ist die Verfügbarkeit. Solarstrom wird meist dann produziert, wenn der Strom für die Heizung nicht benötigt wird.
- Contra: Elektroheizung benötigt zu viel Strom – Selbst bei einer großen Photovoltaikanlage kann man nicht das gesamte (herkömmliche) Haus mit dem Solarstrom heizen. Möglich wird das allerdings bei Passivhäusern oder Hocheffizienzhäusern.

Fazit
Es bieten sich vielfältige technische Möglichkeiten, Photovoltaik mit Heiztechnik zu kombinieren. Neben der meist effizientesten Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik können Heizstäbe oder Stromdirektheizungen nur in passenden Sonderfällen sinnvoll sein, etwa für Warmwasser, Überschussstrom oder sehr gut gedämmte Gebäude. Bestehende Nachtspeicheröfen können dabei ein Sonderfall sein; als allgemeine Heizungsalternative sind Stromdirektheizungen wegen Strombedarf, Kosten und Netzlast nicht geeignet.
Solarstrom kann in Passivhäusern den sehr geringen Heizwärmebedarf bilanziell weitgehend decken; in anderen Häusern steigert er vor allem den Anteil erneuerbarer Wärme.
Da die Einspeisevergütung in den letzten Jahren deutlich gesunken ist wird das Thema Eigenverbrauch immer interessanter. Wer den selbst erzeugten… weiterlesen



