Photovoltaikanlage richtig planen und Fehler vermeiden
Wer sich für eine Photovoltaikanlage entscheidet, macht nicht nur einen richtigen Schritt Richtung Energiewende. Vielmehr können durch den selbst produzierten Solarstrom erheblich Kosten gespart werden. Außerdem wird man unabhängiger vom Strommarkt und den steigenden Preisen. Wer seine Photovoltaikanlage mit einem Speicher, einer Wärmepumpe und einer Wallbox kombiniert, ist für die Zukunft bestens gerüstet.
Das Wichtigste in Kürze
- Zehn Schritte führen zur eigenen Anlage — von der Dachprüfung über den Angebotsvergleich bis zur Anmeldung.
- Mindestens zwei bis drei Angebote vergleichen; der Preis pro kWp ist dabei nicht das einzige Kriterium.
- Nach der Installation ist der Eintrag ins Marktstammdatenregister Pflicht — binnen eines Monats nach Inbetriebnahme.

Auf dem Weg dahin lauern allerdings einige Stolpersteine. Eine richtige Planung der Photovoltaikanlage hilft dabei, Fehler zu vermeiden, die dauerhaft den Ertrag mindern oder den Eigenverbrauchsanteil beschränken.

In zehn Schritten zur eigenen Photovoltaik-Anlage
Folgende Fragen müssen für eine richtige Planung nacheinander betrachtet werden. Am Ende arbeitet die Anlage auf dem Dach und ermöglicht die Produktion und Nutzung von Solarstrom.
Von der Idee zum eigenen Solarstrom: die vier Etappen
Eignung klären Schritte 1–6
Dach, Strombedarf, Anlagengröße und Speicherfrage prüfen.
Angebote einholen und vergleichen Schritte 7–9
Mindestens zwei bis drei Anbieter anfragen; Leistungsumfang und Preis je kWp vergleichen.
Installation und Netzanschluss Fachbetrieb
Die Anmeldung beim Netzbetreiber übernimmt meist der Fachbetrieb; danach folgen Montage und Inbetriebnahme.
Anmelden und loslegen Pflicht
Eintrag ins Marktstammdatenregister binnen eines Monats nach Inbetriebnahme — dann Solarstrom nutzen.
1. Ist das Dach für eine Photovoltaik-Anlage geeignet?
Nach der grundsätzlichen Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage sollte man einen Blick auf sein Dach werfen, um die grundsätzliche Eignung zu ermitteln. Hierbei sind folgende Punkte wesentlich:
- In welche Himmelsrichtung zeigt das Dach? Die sogenannte Ausrichtung des Daches hat einen entscheidenden Einfluss auf den möglichen Ertrag an Solarstrom. Dabei gilt, dass eine Ausrichtung nach Süden besonders gut ist. Aber auch Dächer mit einer Ausrichtung nach Ost und West sind für eine Photovoltaikanlage geeignet. Bei reinen Norddächern sollte man über eine Alternative nachdenken.
- Ist die Neigung des Daches für die Montage geeignet? Optimal sind je nach geografischer Lage Dachneigungen zwischen 25 und 35 Grad, allerdings können Montagesysteme hier auch Neigungen ausgleichen. Auch für Flachdächer gibt es passende Montagemöglichkeiten.

- Ist die Statik des Daches geeignet? Eine PV-Anlage bedeutet eine zusätzliche Belastung des Daches von rund 20 bis 25 kg pro Quadratmeter Dachfläche. Wer unsicher ist, sollte einen Dachdecker zu Rate ziehen.

- Wieviel freie Dachfläche steht für Photovoltaik-Module zur Verfügung? Eine starre Mindestgröße gibt es nicht: Schon rund 20 bis 25 qm unverschattete Dachfläche reichen mit modernen Modulen für eine Anlage von 4 bis 5 kWp. Grundsätzlich gilt: Je größer die Anlage, umso günstiger die Kosten pro kWp. Größere Anlagen sind zudem zukunftssicher bei steigenden Bedarfen durch Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen. Steht das Haus unter Denkmalschutz, ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich. Bei allen anderen Häusern ist in der Regel keine Baugenehmigung notwendig.
2. Was kostet die Photovoltaik-Anlage?
Auch wenn das Dach eindeutig für eine Photovoltaikanlage geeignet ist, so kann sich eine andere Hürde auftun: Die Kosten für die Anlage müssen zunächst aufgebracht werden.

Mit etwa 1.000 bis 1.600 Euro pro kWp installierter Leistung sollte man 2026 rechnen; kleine Anlagen und Komplettanbieter liegen je kWp eher am oberen Rand, große Anlagen am unteren. Darin sind alle notwendigen Komponenten wie Solarmodule, Wechselrichter, Montage bereits enthalten. Ein Stromspeicher verursacht jedoch zusätzliche Kosten. Bei einer 10-kWp-Anlage ohne Speicher fallen je nach Anbieter und Installationsaufwand grob 10.000 bis 16.000 Euro an. Ist das Geld vorhanden, dann hat sich eine Solaranlage nach rund acht bis 15 Jahren amortisiert — je höher der Eigenverbrauchsanteil, desto schneller. Soll die Anlage finanziert werden, dann verlängert sich der Zeitraum entsprechend.

3. Soll die PV-Anlage gekauft oder gemietet werden?
Inzwischen gibt es viele Anbieter, die Photovoltaikanlagen oder auch ganze Komplettpakete inklusive Stromspeicher und Wallbox zum Laden des Elektroautos zur Miete anbieten. Dann zahlt der Nutzer der PV-Anlage eine monatliche Miete für die Anlage und darf den produzierten Solarstrom nutzen. Nach der Vertragsdauer von 15 bis 20 Jahren darf der Mieter meist die Anlage übernehmen. Zwar ist das Mietmodell sehr bequem, aber es ist auch teurer als der Kauf einer PV-Anlage.
Mieten statt kaufen: Wann sich das Mietmodell trägt
Vorteile
- Keine hohe Anfangsinvestition — die Anlage startet ohne Eigenkapital.
- Wartung, Versicherung und oft auch Reparaturen sind in der Monatsrate enthalten.
- Planbare, feste Rate über die gesamte Vertragslaufzeit.
Nachteile
- Über die Laufzeit gerechnet deutlich teurer als der Kauf.
- Lange Vertragsbindung von meist 15 bis 20 Jahren.
- Die Anlage gehört erst nach Vertragsende — Konditionen der Übernahme genau prüfen.

4. Wie hoch ist der Stromverbrauch?
Der eigene Stromverbrauch sollte unbedingt bekannt sein, denn dadurch lässt sich abschätzen, wieviel Solarstrom eingespeist werden kann und wieviel Solarstrom selbst verbraucht wird. Den eigenen jährlichen Stromverbrauch kann man einfach über die letzte Jahresabrechnung des Energieversorgers ermitteln. Selbst genutzter Strom ist deutlich preiswerter als vom Energieversorger bezogener Strom und es ist auch wirtschaftlicher, soviel Strom wie möglich selbst zu nutzen und nur den restlichen Anteil einzuspeisen. Deshalb kann es übrigens sinnvoll sein, das Elektroauto dann zu laden und Waschmaschine und Spülmaschine zu den Zeiten laufen zu lassen, wenn gerade Solarstrom produziert wird.
5. Wie groß soll die PV-Anlage werden?
Auch wenn inzwischen alle Fachleute dazu raten, die Photovoltaikanlage so groß wie möglich zu dimensionieren, können zu hohe Investitionskosten abschrecken. Um die Anlage dann auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen, muss der Stromverbrauch bekannt sein. Dabei sollten zukünftige Entwicklungen aber unbedingt berücksichtigt werden: Familienzuwachs, die Anschaffung eines Elektroautos oder einer Wärmepumpe etc.

6. Lohnt sich ein Stromspeicher?
Durch einen Stromspeicher kann die Menge des selbst verbrauchten Stroms deutlich erhöht werden. Mit passend dimensioniertem Stromspeicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil häufig auf über 60 % erhöhen; der konkrete Wert hängt stark von Verbrauchsprofil, Anlagengröße und Speichergröße ab. Trotz fallender Preise sind Stromspeicher noch vergleichsweise teuer. Sinnvoll ist, den Solarteur gleich um ein Angebot mit und eines ohne Stromspeicher zu bitten und anhand dieser Zahlen zu berechnen, ob es wirtschaftlich ist, in den Stromspeicher zu investieren.

7. Mehrere Angebote einholen zum Vergleich
Sind all die vorgenannten Punkte geklärt, sollte man bei mehreren Anbietern ein Angebot für die Komplettanlage einholen. Einen guten Solarteur zu finden ist jedoch nicht einfach. Sinnvoll ist es, etwa Nachbarn und Freunde um Empfehlungen zu bitten. Häufig findet man bei bestehenden Anlagen auf Nicht-Wohngebäuden auch Hinweisschilder, welches Unternehmen diese installiert hat. Sinnvoll ist auf jeden Fall, bei Anbietern aus der Region nachzufragen. Man sollte mindestens zwei, besser drei Angebote zum Vergleich vorliegen haben. Hier besteht die Möglichkeit, Fachbetriebe vor Ort zu finden.
8. Was sollte das Angebot enthalten?
Irgendwann liegen drei Angebote vor, die verglichen werden müssen. Ein qualitativ gutes Angebot wird immer erst erstellt, nachdem der Solarteur vor Ort war, denn nur dann kann der Fachmann die mögliche Größe der Anlage und Verschattungen bestimmen, die notwendigen Montagesysteme auswählen und die Dachbelegung berechnen. Bei diesen Terminen entwirft der Solarteur in einer Skizze gegebenenfalls auch schon die mögliche Dachbelegung.

Im Angebot sollten dann folgende Informationen enthalten sein:
- Dachbelegungsplan
- Module: Anzahl und Angabe von Typ sowie Hersteller
- Ggf. Datenblatt der Module mit Nennleistung, Zelltyp, Zertifikaten
- Garantieangaben zu den Modulen
- Wechselrichter: Angabe von Typ und Hersteller
- Leistungsangabe des Wechselrichters und Nennung des Wirkungsgrads
- Ggf. Datenblatt des Wechselrichters
- Garantieangaben zum Wechselrichter
- Montagesystem: Angabe von Typ und Hersteller
- Ist ein Hinweis auf die Lastannahmen nach DIN EN 1991-1-3/-4 mit Nationalem Anhang enthalten (die Nachfolgenormen der früheren DIN 1055 regeln Schnee- und Windlasten; nach ihnen wird die Unterkonstruktion ausgelegt)
- Kabel und Stecker: Angabe von Typ und Hersteller
- Neuer Zählerschrank: Ist der Zählerschrank im Angebot enthalten?
- Handwerksarbeiten: Sind alle Arbeiten inklusive notwendiger Wanddurchbrüche etc. enthalten?
- Gerüst: Ist das Gerüst als eigener Posten aufgeführt?
- Übernimmt der Solarteur die Anmeldung beim Netzbetreiber?
- Enthält das Angebot eine realistische Ertragsprognose?
- Sind Angaben zu Garantielänge und -umfang enthalten?
- Wird ein Wartungsvertrag angeboten?
- Sind genaue Angaben zum Lohnanteil enthalten? Für PV-Anlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden gilt seit 2023 in vielen Fällen der 0-%-Umsatzsteuersatz; er umfasst auch die Installation und begünstigte Speicher, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
- Ist ein Zahlungsplan vorhanden? Es ist üblich, eine Anzahlung, ggf. eine Zwischenzahlung zu leisten. Wann wird die Abschlusszahlung fällig?
- Gibt es feste Terminzusagen?
- Wie lange gilt das Angebot?

9. Für welchen Anbieter entscheiden?
Liegen dann mehrere Angebote vor, dann geht es um die Entscheidung, welcher Anbieter den Zuschlag erhalten soll. Natürlich spielt der Preis eine wichtige Rolle, er sollte aber nicht das einzige Kriterium sein zur Entscheidungsfindung. Wichtig ist auch:
- Ist das Auftreten des Solarteurs professionell?
- Wurden Referenzprojekte genannt?
- Wie lief die Kommunikation?
- Wurden Fragen ernstgenommen und ausführlich beantwortet?
- Kommt der Solarteur aus der Region?
- Ist er gut erreichbar?
- Und schließlich: Wie hoch ist der Preis pro kWp?

10. Wer meldet wo die Anlage an?
Photovoltaikanlagen müssen angemeldet werden. Von dieser Pflicht ausgenommen sind nur Inselanlagen, die nicht mit dem öffentlichen Netz verbunden sind.
- Netzbetreiber: Vor der Montage der Anlage muss beim örtlichen Netzbetreiber ein Antrag auf Netzanschluss gestellt werden. Für Anlagen bis 30 kWp am bestehenden Hausanschluss gilt seit dem Solarpaket I ein vereinfachtes Verfahren (§ 8 Abs. 5 und 7 EEG 2023): Reagiert der Netzbetreiber nicht innerhalb eines Monats auf ein vollständiges Anschlussbegehren, gilt die Anlage als zum Anschluss zugelassen. In der Regel stellt der Solarteur diesen Antrag. Damit ist es aber nicht getan.
- Marktstammdatenregister: Nach der Installation der Anlage muss diese innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme ins sogenannte Marktstammdatenregister eingetragen werden. Nur dann erhält man eine Einspeisevergütung! Für die Online-Anmeldung im Marktstammdatenregister ist das Inbetriebnahmeprotokoll hilfreich. Wichtig zu wissen: Auch Stromspeicher müssen registriert werden. Die Anmeldung übernimmt der Eigentümer der PV-Anlage, sie kann aber auch durch eine sog. „beauftragte Person“ erfolgen.
- Finanzamt: Eine steuerliche Anzeige beim Finanzamt ist für viele private Anlagen nicht mehr nötig: Einnahmen aus Photovoltaikanlagen bis 30 kWp je Wohn- oder Gewerbeeinheit und insgesamt höchstens 100 kWp pro Steuerpflichtigem sind einkommensteuerfrei (§ 3 Nr. 72 EStG). Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beanstandet die Finanzverwaltung unter bestimmten Voraussetzungen nicht; fordert das Finanzamt ihn im Einzelfall an oder wird auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, muss er dennoch abgegeben werden. Eine Gewerbeanmeldung ist für typische private Dachanlagen meist nicht erforderlich. Im Zweifel hilft ein kurzer Anruf beim zuständigen Finanzamt.

Vereinfachte Regeln: Das bringt das Solarpaket I
Mit dem Solarpaket I (in Kraft seit Mai 2024) hat der Gesetzgeber die Planung und Anmeldung von Photovoltaikanlagen spürbar entbürokratisiert. Für Hausbesitzer am wichtigsten: Das Netzanschlussverfahren für Anlagen bis 30 kWp wurde vereinfacht und beschleunigt (siehe Schritt 10). Wer kein geeignetes Dach hat oder zur Miete wohnt, profitiert ebenfalls: Steckersolargeräte mit bis zu 2 Kilowatt installierter Modulleistung und maximal 800 Voltampere Wechselrichterleistung müssen seither bei unentgeltlicher Abnahme nur noch im Marktstammdatenregister eingetragen werden — die separate Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt. Damit ist das Balkonkraftwerk die unkomplizierteste Einstiegsvariante in die Solarstromerzeugung, ersetzt vom Ertrag her aber keine Dachanlage.
Fazit
Die Planung einer Photovoltaikanlage ist aufwendig und komplex. Angesichts der Höhe der Investition und vor allem auch der Langfristigkeit, sollte die Planung detailliert und ausführlich erfolgen. Vorab sollte man sich über die aktuelle Technik informieren und abschätzen, was auf dem eigenen Dach möglich ist und wie hoch der Ertrag sein wird. Mit einem erfahrenen Solarteur aus der Region lässt sich das Projekt gut realisieren. Sind dann noch alle Anmeldungen erfolgt, kann der selbst produzierte Solarstrom genutzt werden und zusätzlich darf sich der Eigentümer über die Einspeisevergütung freuen.
Die Installation einer Photovoltaik-Anlage - Was ist zu tun? Nach der Entscheidung für die PV-Anlage, der Auswahl der passenden Module… weiterlesen




