In Deutschland heizen viele Millionen Haushalte mit einer Gasheizung. Manche verwenden Erdgas, andere wiederum Flüssiggas. Beides sind zuverlässige Brennstoffe. Doch worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Erdgas und Flüssiggas? Wir zeigen es Ihnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Erdgas ist überwiegend Methan (CH₄), Flüssiggas überwiegend Propan/Butan (C₃H₈/C₄H₁₀).
- Erdgas kommt über das Gasnetz; Flüssiggas wird im eigenen Tank gelagert – ideal ohne Netzanschluss.
- Flüssiggas wird schon bei rund 8 bar flüssig, Erdgas (LNG) erst bei −162 °C.
Der erste Unterschied besteht in der chemischen Summenformel
Wer sich die chemische Zusammensetzung von Erdgas und Flüssiggas anschaut, wird feststellen, dass beide Stoffe nicht dieselben sind. Erdgas besteht überwiegend aus Methan. Es hat die chemische Summenformel CH4. Flüssiggas besteht dagegen vor allem aus Propan, Butan oder deren Gemischen; die wichtigsten Summenformeln sind C3H8 für Propan und C4H10 für Butan.

Während Methan über Bohrungen oder andere Methoden direkt aus der Erde gewonnen wird, sind Propan oder auch Butan Nebenprodukte der Erdöl- oder Erdgasförderung. Vor vielen Jahren wurden Butan und Propan ungenutzt abgefackelt oder in die Atmosphäre geblasen. Heute findet vor allem das Flüssiggas Propan Anwendung beim Heizen. Auch für Gasflaschen in Campingkochern oder Imbissen wird Propan oder Butan genutzt.

Erdgas ist eine Kohlenwasserstoffverbindung, die aus unterirdischen Lagerstätten stammt
Erdgas ist auf ähnliche Weise entstanden wie Erdöl oder Kohle. Unter hohem Druck und entsprechend hohen Temperaturen wurden abgestorbene Lebewesen und Pflanzen zusammengedrückt. Unter diesen Bedingungen haben sich Kohlenwasserstoffe entwickelt.

Der Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan. Abhängig von der Lagerstätte enthält Rohgas weitere Bestandteile, die bei der Aufbereitung weitgehend entfernt werden. Methan selbst ist nahezu geruchlos; damit austretendes Erdgas im Haus bemerkt wird, wird es im Netz mit einem auffälligen Geruchsstoff odoriert.
Erdgas lässt sich in zwei Hauptgruppen einteilen. Die Einteilung erfolgt anhand des Methan-Anteils, der den Heizwert des Gases bestimmt. Erdgas L (low = niedrig) hat einen niedrigen Methan-Gehalt, während Erdgas H (high = hoch) einen höheren Methan-Anteil hat.

Flüssiggas fällt typischerweise bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie in Raffinerien an. Das so entstehende Propan oder Butan ist schwerer als Luft und sinkt entsprechend ab.
Bei der Verarbeitung von Rohöl wird dieses bis zu seinem Siedepunkt destilliert und erhitzt. Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass sich einige Bestandteile aus dem Rohöl lösen und gasförmig werden. Beim Abkühlen werden diese Stoffe wieder aufgefangen und zu Kondensat. Eines dieser Kondensate ist schließlich das Flüssiggas. Wie auch Erdgas wird Flüssiggas nach der Kondensierung gereinigt.

Flüssiggas ist nicht gleich Flüssigerdgas (LNG)
Auch wenn die Begriffe ähnlich klingen: LNG und Flüssigerdgas meinen dasselbe – verflüssigtes Erdgas, also vor allem Methan. Nicht zu verwechseln ist das mit Flüssiggas (LPG), das überwiegend Propan/Butan enthält und als Nebenprodukt der Erdgas- oder Erdölförderung sowie in Raffinerien anfällt. Länder wie die USA oder die Vereinigten Arabischen Emirate verflüssigen Erdgas, um es per Schiff in andere Länder schicken zu können. LNG wird z. B. an Terminals an Nord- und Ostsee gelöscht, wieder in die Gasform gebracht und per Pipeline zu den Energieversorgern geleitet. Flüssiggas dagegen wird per Schiff, Bahn oder Tankwagen transportiert.

Hier kommt ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen LNG und Flüssiggas zum Tragen. Während Flüssiggas wie Propan oder Butan bereits bei Raumtemperatur und einem Druck von sechs bis acht bar flüssig wird, muss Erdgas (Methan) für LNG auf rund −162 °C heruntergekühlt werden. (Wird Methan stattdessen unter hohen Druck von rund 200 bar gesetzt, entsteht CNG – nicht LNG.) Hier besteht der große Vorteil von Flüssiggas, denn es verliert bei niedrigem Druck schnell an Volumen und lässt sich auf diese Weise einfach in Flaschen oder Tanks transportieren.


Flüssiggas wird über Tankwagen verteilt, Erdgas über Pipelines und ein Verteilernetz
Erdgas wird durch Förderung aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen und viele Kilometer über Pipelines transportiert. Alternativ wird es verflüssigt und als LNG zu den Abnehmern gebracht. Verbraucher erhalten Erdgas hingegen immer über ein Leitungsnetz des Energieversorgers.
Flüssiggas wird nach Förderung oder Raffinerie unter Druck verflüssigt und per Schiff, Bahn oder Tankwagen zu Tanks transportiert. Verbraucher haben dann eigene Gastanks, in denen das Flüssiggas zum Heizen gelagert wird.
Auf diese Weise ist es möglich, Gasheizungen auch in Gebieten ohne Gasversorger und Gasleitungen zu betreiben. Flüssiggas ermöglicht dadurch eine gewisse Autonomie von Gasnetzbetreibern.

Flüssiggas und Erdgas haben unterschiedliche Brenn- und Heizwerte
Hinsichtlich ihrer Brenneigenschaften sind Flüssiggas und Erdgas ähnlich. Bezüglich Brennwert und Heizwert unterscheiden sich die Gase jedoch deutlich. Butan und Propan haben einen mehr als dreifach bzw. doppelt so hohen Brenn- und Heizwert. Somit ist für dieselbe Energieausbeute weniger Propan oder Butan notwendig. Tanks für Flüssiggas können dementsprechend bei geringerem Volumen einen höheren Heizwert liefern.
Erdgas und Flüssiggas im direkten Vergleich
| Merkmal | Erdgas | Flüssiggas |
|---|---|---|
| Hauptbestandteil | Methan (CH₄) | Propan/Butan (C₃H₈/C₄H₁₀) |
| Herkunft | aus unterirdischen Lagerstätten | Nebenprodukt aus Förderung und Raffinerie |
| Versorgung | nur mit Gasnetz/Pipeline | Tank vor Ort, netzunabhängig |
| Heizwert (Hi) | Erdgas H ca. 10,4 kWh/Nm³ | Propan ca. 25,9 kWh/Nm³ |
| Verflüssigung | erst bei −162 °C (LNG) | schon bei rund 8 bar |
| Art des Gases | Brennwert Hs in kWh/Nm³ | Heizwert Hi in kWh/Nm³ |
|---|---|---|
| Erdgas L | 9,8 | 8,9 |
| Erdgas H | 11,4 | 10,4 |
| Propan | 28,3 | 25,9 |
| Butan | 37,2 | 34,4 |
Sonderfall Bio-Flüssiggas
Erdgas ist ebenso wie konventionelles Flüssiggas ein fossiler Brennstoff. Flüssiggas kann jedoch auch als Nebenprodukt von Biokraftstoffen gewonnen werden. Diese werden z. B. mit Hilfe von Pflanzen wie Raps oder Getreide erzeugt. Es unterscheidet sich damit vom Biogas, das mit Hilfe von Biogasanlagen hergestellt wird. Biogasanlagen liefern überwiegend Methan.
LPG, LNG und CNG – nicht verwechseln
1Flüssiggas (LPG)
Propan und Butan; wird schon bei Raumtemperatur und rund 8 bar flüssig – ideal für Tank und Flasche.
2LNG (verflüssigtes Erdgas)
Methan, auf etwa −162 °C heruntergekühlt, um es per Schiff zu transportieren; vor der Nutzung wieder vergast.
3CNG (Erdgas-Druckgas)
Methan unter hohem Druck (rund 200 bar) komprimiert – das ist weder LNG noch Flüssiggas.
Fazit: Flüssiggas als Alternative, wenn es kein Gasnetz gibt
Wenn es um das Heizen mit Gas geht, ist Flüssiggas vor allem dann eine mögliche Alternative, wenn vor Ort kein Gasnetz genutzt werden kann. Geht es um Nachhaltigkeit, können Hausbesitzer in diesem Fall aber auch prüfen, ob eine Wärmepumpe in Kombination mit Solarthermie und einer PV-Anlage besser geeignet ist, um sich unabhängiger mit Wärme zu versorgen.

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