Wo kommt die Fernwärme her?
Der größte Teil der Fernwärme in Deutschland stammt aus Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das heißt, hier wird nicht nur Wärme erzeugt, sondern gleichzeitig auch Strom. Das spart gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme bis zu 30 Prozent Brennstoff und schont somit die Umwelt. Als Brennstoff werden bislang überwiegend fossile Energieträger wie Gas oder Kohle eingesetzt.
Für die Wärmewende interessant ist die Nutzung von erneuerbaren Energien in der Fernwärme. Der Anteil sogenannter grüner Fernwärme liegt inzwischen bei gut einem Drittel, steigt aber nicht durchgängig. Nach Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stammten 2024 von den rund 128 Milliarden Kilowattstunden Nettowärmeerzeugung für Wärmenetze 33,6 Prozent aus erneuerbaren Energien, unvermeidbarer Abwärme und übrigen Energieträgern; für 2025 weist der BDEW/EY-Fortschrittsmonitor einen EE-/Abwärmeanteil von 34,4 Prozent aus.
Woraus Fernwärme 2024 erzeugt wurde
Anteile an der Nettowärmeerzeugung für Wärmenetze in Deutschland.
- Erdgas: 48,1 %
- Erneuerbare, unvermeidbare Abwärme und übrige Energieträger: 33,6 %
- Stein- und Braunkohle: 12,8 %
- Mineralöl und Sonstige: 5,4 %
| Anteil | Prozent |
|---|---|
| Erdgas | 48,1 % |
| Erneuerbare, unvermeidbare Abwärme und übrige Energieträger | 33,6 % |
| Stein- und Braunkohle | 12,8 % |
| Mineralöl und Sonstige | 5,4 % |

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Fernwärmenetze werden vor allem dort wirtschaftlich, wo viele Abnehmer auf engem Raum Wärme benötigen; deshalb eignen sie sich besonders für dicht besiedelte Bereiche. Die mögliche Netzlänge ist kein fester Grenzwert: Kleine Nahwärmenetze versorgen wenige Gebäude, große Stadtnetze können mehrere hundert Kilometer umfassen. Entscheidend sind Wärmedichte, Leitungsdämmung, Temperaturniveau und Baukosten.

Fernwärme ist in Deutschland nach Erdgas und Heizöl die dritthäufigste Heizart: Rund 15,5 Prozent des Wohnungsbestands werden laut BDEW mit Fernwärme beheizt. Auch im Neubau ist sie fest etabliert – 2025 war Fernwärme nach Angaben des Statistischen Bundesamts mit 8,3 Prozent der fertiggestellten Wohngebäude die dritthäufigste Hauptheizung; bezogen auf die Wohnungen liegt der Anteil höher, weil vor allem größere Mehrfamilienhäuser angeschlossen werden. Die höchsten Anteile erreicht Fernwärme in Berlin (rund 44 Prozent der Wohnungen), Hamburg (etwa 36 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (rund 35 Prozent).
Erzeugt wurde die grüne Fernwärme laut BDEW 2024 zu 10,4 Prozent aus Biomasse, zu 8,3 Prozent aus biogenem Siedlungsabfall und zu 1,3 Prozent aus Umwelt-, Geo- und Solarthermie; weitere 13,7 Prozent steuerten unvermeidbare Abwärme und übrige Energieträger bei – jeweils bezogen auf die Nettowärmeerzeugung für Wärmenetze. Dazu zählt vor allem die Abwärme großer Industriebetriebe. In den Städten ist die Fernwärme deshalb ein wichtiger Teil der Wärmewende.

Reine Fernheizwerke, die ausschließlich Wärme aus fossilen Brennstoffen, aber keinen Strom produzieren, kommen hingegen immer seltener zum Einsatz und dienen fast ausschließlich der Reserve- und Spitzenlastabdeckung.
Fossile Energieträger
Gas und Kohle gelten als Haupteinspeiser in der Fernwärmeerzeugung: 2024 stammten laut BDEW 48,1 Prozent der Nettowärmeerzeugung für Wärmenetze aus Erdgas, 9,2 Prozent aus Steinkohle und 3,6 Prozent aus Braunkohle. Kohle weist im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern die größten CO2-Emissionen auf: Steinkohle kommt auf etwa 335 bis 340 g CO2, Braunkohle je nach Revier auf rund 380 bis 410 g CO2 – jeweils je Kilowattstunde eingesetzter Brennstoffenergie (Heizwert). Hinzu kommt, dass bei der Kohleverbrennung Schwefeldioxid freigesetzt wird, das jedoch mit Hilfe von Rauchgasentschwefelungsanlagen vor dem Eintritt in die Umwelt herausgefiltert wird. Allerdings ist auch der Tagebau zur Gewinnung der Kohle kein besonderer Umweltfreund, da ein hoher Flächenverbrauch verursacht wird.
Deutlich bessere Werte hat Erdgas zu bieten. Es emittiert mit rund 200 g CO2 je Kilowattstunde Brennstoffenergie (Heizwert) deutlich weniger Kohlendioxid als sein fossiles Pendant Kohle, was besonders bei der Gas- und Dampfturbinen-Technik im Kombikraftwerk voll zur Geltung kommt. Sie zählen im Allgemeinen zu den effizientesten unter den konventionellen Kraftwerken und warten mit einem Wirkungsgrad von bis zu 60 Prozent auf.
CO2-Bilanz der Energieträger in der Fernwärme
Wie klimafreundlich Fernwärme ist, hängt vom Brennstoffmix des jeweiligen Netzes ab. Die Emissionsfaktoren zeigen die Unterschiede je Kilowattstunde eingesetzter Brennstoffenergie.
| Energieträger | CO2 je kWh Brennstoff (Heizwert) | Einordnung |
|---|---|---|
| Braunkohle | rund 380–410 g | höchste Emissionen, je nach Revier |
| Steinkohle | etwa 335–340 g | kaum besser als Braunkohle |
| Erdgas | rund 200 g | deutlich niedriger, aber weiterhin fossil |
| Biomasse, unvermeidbare Abwärme | bilanziell nahe null | Verbrennungs-CO2 gilt als klimaneutral, Vorketten nicht eingerechnet |
Einen pauschalen CO2-Wert für Fernwärme gibt es nicht – entscheidend ist der Erzeugungsmix des örtlichen Netzes, den der Versorger ausweist.
Biomasse
Vor allem im ländlichen Raum sind Biomasseheizkraftwerke (BMHKW) eine gute Alternative, um kleinere Wärmenetze zu speisen. Besonders in Siedlungsgebieten, die einen relativ nahen Bezug zum Anlagenstandort des Kraftwerks besitzen, wird der Ausbau solcher Anlagen durch Investitionszuschüsse im Rahmen der Klimapolitik forciert.

Biomasseheizkraftwerke (BMHKW) und Biomassekraftwerke (BMKW) erzeugen aus fester Biomasse elektrische Energie und versorgen ein Fern- oder Nahwärmenetz mit Wärme.
Als Brennstoff werden verschiedene biogene Feststoffe wie Holzhackschnitzel oder -pellets, Altholz, Stroh, Getreide oder Miscanthus (schnellwachsendes Chinaschilf), aber auch so genannte Ersatzbrennstoffe, die aus Industrieabfällen, Klärschlamm oder Treibgut bestehen können.
Abfall
In Hausmüllverbrennungsanlagen werden in der Regel Siedlungsabfälle verbrannt. Je nachdem, ob sie aus dem Verbrennungsvorgang nur elektrische Energie, nur Wärme oder beides erzeugen, werden sie als Müllkraftwerk, Müllheizwerk oder Müllheizkraftwerk bezeichnet. Da unbehandelte Siedlungsabfälle in Deutschland seit dem 01.06.2005 ohnehin nicht mehr deponiert werden dürfen, sondern vorher behandelt werden müssen – in der Regel durch Verbrennung –, ist die Verwendung der dabei entstehenden Energie in Form von Strom oder Wärme eine sinnvolle Möglichkeit.
Fossile Brennstoffe können so eingespart und der Kohlendioxidausstoß verringert werden. Zwar entstehen auch bei der Abfallverbrennung selbst Emissionen – weil die gewonnene Energie aber fossile Brennstoffe ersetzt, spart die energetische Abfallverwertung unter dem Strich Kohlendioxid ein.
Bei der Deponierung der Verbrennungsrückstände kann es zu einer Umweltbelastung durch Schadstoffe kommen. Meist haben die thermisch behandelten Reststoffe aber lediglich einen Kohlenstoffanteil unter 3 Prozent und lassen sich in der Regel sicher deponieren.
Abwärme
In großen Industrie- und Gewerbebetrieben, etwa in der Stahlindustrie, wird eine hohe Wärmemenge produziert, die normalerweise ungenutzt bleibt. Zur Wärmeversorgung kann diese Abwärme dann genutzt werden, wenn die Entfernung zwischen Industriebetrieb und Wärmeabnehmer nicht zu groß ist. Ein großer Vorteil, die Abwärme per Fernwärme zum Beheizen von Gebäuden bereitzustellen, ist die zumeist deckungsgleiche Zeit von Wärmeproduktion und Wärmenachfrage.
Der gesetzliche Fahrplan: mehr Erneuerbare im Netz
Wie schnell die Fernwärme grüner werden soll, legt das Wärmeplanungsgesetz (WPG) fest: Bestehende Wärmenetze müssen nach § 29 WPG grundsätzlich ab dem 1. Januar 2030 zu mindestens 30 Prozent und ab dem 1. Januar 2040 zu mindestens 80 Prozent mit Wärme aus erneuerbaren Energien, unvermeidbarer Abwärme oder einer Kombination daraus gespeist werden; im Einzelfall sind gesetzliche Fristverlängerungen möglich. Spätestens ab dem 1. Januar 2045 müssen Wärmenetze nach § 31 WPG vollständig auf erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme umgestellt sein. Für neue Wärmenetze gilt nach § 30 WPG seit dem 1. März 2025 ein Anteil von mindestens 65 Prozent. Für Fernwärmekunden heißt das: Der Brennstoffmix ihres Netzes verschiebt sich in den kommenden Jahren deutlich – weg von Kohle und Erdgas, hin zu Abwärme, Großwärmepumpen, Geothermie und Biomasse. Was das für Preise und Abrechnung bedeutet, zeigt unser Ratgeber zu den Fernwärme-Kosten.
Fernwärme – die Technik verständlich erklärt Fernwärme wurde bereits vor über 2000 Jahren bei den Römern eingesetzt. Aus archäologischen Funden… weiterlesen




