Hohe Energiepreise belasten alle Verbraucher. Umso sinnvoller ist es, alle möglichen Maßnahmen zum Energiesparen zu ergreifen. Ein besonders hohes Potenzial, Heizenergie zu sparen, birgt der Austausch alter Fenster.
Das Wichtigste in Kürze
- Energetisch kritisch sind vor allem Einfach-, Kasten-, Verbundfenster und unbeschichtetes Isolierglas bis etwa 1995.
- Werden im Bestand mehr als 10 % der gesamten Fensterfläche des Gebäudes erneuert, verlangt das GModG für die betroffenen Fenster Uw ≤ 1,3 W/(m²·K).
- Neue, dichte Fenster in ungedämmter Fassade erhöhen das Schimmelrisiko – ein Lüftungskonzept beugt vor.

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Was sind „alte“ Fenster?
Nach einer Studie des Verbands Fenster + Fassade (VFF) und des Bundesverbands Flachglas (BF) waren 2024 in Deutschland noch rund 209 Millionen Fenstereinheiten energetisch sanierungsbedürftig – darunter Fenster mit Einfachverglasung, Verbund- und Kastenfenster sowie Fenster mit unbeschichtetem Isolierglas.
Als erste Orientierung gilt: Fenster aus der Zeit vor etwa 1995 haben in der Regel noch keine Wärmeschutzverglasung und sind energetisch besonders kritisch. Bei jüngeren Fenstern entscheiden Baujahr, U-Wert, Dichtungen und Zustand des Rahmens. Übrigens kann man selbst einfach kontrollieren, aus welchem Baujahr die eigenen Fenster stammen. Viele Fenster haben ein Typschild, das man bei geöffnetem Fenster am Rahmen findet. Daraus geht oft auch das Baujahr hervor.
Aber eigentlich ist es noch einfacher, das Alter von Fenstern abzuschätzen. 1977 wurde die erste Wärmeschutzverordnung verabschiedet. Es folgten weitere in den Jahren 1982, 1995 und 2002.

Hierbei hilft folgende Übersicht:
Fenstertypen nach Baujahr
- bis ca. 1978Einfachverglasung sowie Kasten- und Verbundfenster prägen den Altbestand dieser Baujahre.
- ca. 1978–1995Unbeschichtetes Isolierglas wurde zum typischen Standard.
- seit 1995Fenster mit beschichteter Wärmeschutzverglasung.
- heuteDreifachverglasung ist im Neubau üblich.
Wann muss ein Fenster ausgetauscht werden?
Die Frage, wann es sich lohnt, alte Fenster auszutauschen, ist schnell beantwortet: Einfach verglaste Fenster besser gestern als heute modernisieren, dasselbe gilt für Kastenfenster und die sogenannten Verbundfenster. Alle drei Bauformen sind nicht mehr zeitgemäß. Durch diese geht extrem viel Wärme und Energie verloren.
Im Zweifel hilft es auch, die Fenster anhand dreier Kriterien zu überprüfen:
- Ist Wärmedämmglas im Fenster vorhanden? Mithilfe einer Kerze lässt sich das gut erkennen. Wird eine Kerze – die Umgebung sollte dabei dunkel sein – vor das Fenster gehalten, so sieht man die üblichen Mehrfachspiegelungen. Hat bei einer dieser Spiegelungen die Flamme der brennenden Kerze eine andere Farbe, dann handelt es sich um wärmegedämmtes Glas. Die andere Farbe ergibt sich durch die Beschichtung der Scheibe mit Metall.

- Gibt es deutliche Zugluft? Neben dem persönlichen Empfinden kann man Zugluft auch sehr einfach wiederum mit einer Kerze nachweisen. Führt man eine brennende Kerze entlang der Dichtungen ist schnell erkennbar, dass die Flamme an undichten Stellen flattert.

- Sind die Rahmen dicht? Die Dichtheit der Rahmen lässt sich leicht auch mit einem Blatt Papier überprüfen, das zwischen Fenster und Rahmen eingeklemmt wird. Lässt es sich ohne Probleme herausziehen, besteht Korrekturbedarf. Der Energieverlust durch alte Fenster hängt maßgeblich vom sogenannten U-Wert, dem Wärmedurchgangskoeffizienten, ab.

Die untenstehenden Zahlen sprechen für sich: Einfach verglaste Fenster lassen also erheblich viel mehr Energie entweichen. Je nach Rahmenart sind die Werte zudem unterschiedlich. Vor allem Fenster mit Metallrahmen weisen noch schlechtere Werte auf.

Wie groß ist das Einsparpotential durch neue Fenster?
Nach einer Studie des Verbands Fenster + Fassade (VFF) lassen sich beim Austausch eines einfach verglasten Fensters gegen moderne Wärmeschutzverglasung rund 490 kWh pro Fenstereinheit (FE = 1,69 m²) und Jahr einsparen. Auf den gesamten Gebäudebestand gerechnet beziffert die VFF/BF-Studie das Einsparpotenzial eines Austauschs aller energetisch sanierungsbedürftigen Fenster auf rund 11 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr.
Das ist aber nicht nur ein Argument für den Klimaschutz. Jede Kilowattstunde eingesparte Energie bringt dem Hauseigentümer oder seinen Mietern bares Geld. Bei den anhaltend hohen Kosten für Energie ist der Austausch von alten Fenstern in vielen Fällen sehr wirtschaftlich.
Die VFF/BF-Studie zeigt vor allem, dass der Fenstertausch bei sehr alten Fenstern und bei Ohnehin-Maßnahmen wirtschaftlich sein kann. Eine pauschal „sehr schnelle“ Amortisation lässt sich daraus für einzelne Gebäude nicht ableiten.
Wieviel kann jeder einzelne wirklich sparen?
Das hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits ist die Größe der Fensterfläche in der Wohnung oder dem Haus entscheidend. Gleichzeitig hängt das Einsparpotenzial natürlich von der jeweiligen Heizungsart ab und den aktuellen Kosten.

Es gibt dazu sogenannte Spar-Rechner im Internet.
Hier zwei Beispielrechnungen:
- Bei 40 m² Fensterfläche (rund 24 Fenstereinheiten) und einem Heizölpreis von rund 1,20 Euro je Liter im Juni 2026 liegt die jährliche Ersparnis beim Austausch sehr alter Einfachverglasung rechnerisch eher bei etwa 1.200 bis 1.400 Euro.
- Beim Austausch unbeschichteter Isolierglasfenster gegen moderne Dreifach-Wärmeschutzfenster ergibt dieselbe Überschlagsrechnung eher rund 630 Euro pro Jahr.
Bei weiter steigenden Heizkosten wird immer deutlicher, dass mit neuen Fenstern sehr viel Energie und vor allem auch sehr viel Geld gespart werden kann.
Müssen es immer komplett neue Fenster sein?
Es kann durchaus eine Option sein, bei Isolierglas-Fenstern, die zwar vor 1995 eingebaut wurden, nur die Scheiben gegen Wärmedämmglas auszutauschen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn die Rahmen in wirklich gutem Zustand sind.
Schnell-Check: Tauschen oder nur Verglasung erneuern?
1. Sind Ihre Fenster einfach verglast – oder Kasten- bzw. Verbundfenster?
Ja
Komplett-Tausch einplanen
Einfach-, Kasten- und Verbundfenster am besten zügig durch moderne Wärmeschutzfenster ersetzen.
Ergebnis
Nein
Kein Altbestand
Dann entscheidet der Zustand von Glas und Rahmen.
→ Frage 2
2. Isolierglas von vor 1995 – und die Rahmen sind in gutem Zustand?
Ja
Scheibentausch kann reichen
Wärmedämmglas in den vorhandenen Rahmen ist die günstigere Option – nur bei wirklich intakten Rahmen.
Ergebnis
Nein
Kriterien prüfen
Zugluft-, Kerzen- und Papiertest machen: Fallen die Tests auf, neue Fenster einplanen.
Ergebnis

Kann man neue Fenster in eine ungedämmte Fassade einbauen?
Alte Fenster können auch ausgetauscht werden als Einzelmaßnahme – also ohne gleich die ganze Fassade zu dämmen. Steht jedoch die Dämmung der Fassade sowieso auf dem Programm, dann sollte man die Reihenfolge der Sanierung genau überdenken.
Bleibt es nur beim Austausch der Fenster, so gibt es beim Einbau hocheffizienter Fenster in eine nicht gedämmte Fassade einiges zu beachten.

Durch den Einbau neuer Fenster wird in die Bauphysik des gesamten Gebäudes eingegriffen. Neue Zwei- oder Dreifachverglasungen mit passenden Rahmen sind deutlich dichter als alte Fenster. Dadurch sinkt der unkontrollierte Luftwechsel; wenn danach nicht ausreichend gelüftet wird, kann die Raumluftfeuchte steigen. Kondensat und Schimmelbildung entstehen dann vor allem an kalten Wandbereichen oder Wärmebrücken.
Abhelfen können entweder zusätzlich eingebaute Lüftungssysteme oder auch Lüftungsmöglichkeiten an den Fenstern. Wird die Fenstersanierung gleichzeitig mit der Fassadendämmung geplant und umgesetzt, ist die Planung deutlich einfacher.
Gibt es gesetzliche Vorgaben?
Ja, die gibt es. Maßgeblich ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bisher GEG). Werden in beheizten oder gekühlten Räumen mehr als 10 % der gesamten Fensterfläche des Gebäudes erneuert, ersetzt oder erstmals eingebaut, müssen die betroffenen Fenster einen Wärmedurchgangskoeffizienten (Uw-Wert) von höchstens 1,3 W/(m²·K) einhalten (§ 36 GModG mit Anlage 7).
Werden zusätzlich mehr als 10 % der Außenwandfläche erneuert, gelten für die betroffenen Wandflächen die Höchstwerte aus Anlage 7 GModG; meist ist dafür eine Dämmung nötig. Fenster und Außenwände zählen dabei als getrennte Bauteilgruppen.

Wird der Fenstertausch gefördert?
Ja. Der Austausch alter Fenster wird staatlich gefördert – als energetische Einzelmaßnahme ebenso wie im Rahmen einer Komplettsanierung. Voraussetzung ist unter anderem, dass die neuen Fenster bestimmte technische Anforderungen erfüllen und der Antrag vor Beginn der Arbeiten gestellt wird. Einen Überblick über die Programme gibt der Ratgeber zu den Fördermitteln.
Energiesparen durch Fensteraustausch
Ob sich ein Fenstertausch lohnt, hängt vor allem von Baujahr, U-Wert, Zustand der Rahmen, Einbauqualität, Energiepreis und möglicher Förderung ab. Besonders bei Einfachverglasung, Kasten- und Verbundfenstern sowie unbeschichtetem Isolierglas bis etwa 1995 ist das Einsparpotenzial hoch. Bei neuen, dichten Fenstern in ungedämmten Gebäuden sollte die Lüftung mitgeplant werden.
Heizkosten senken durch richtig isolierte Fenster und Türen Fenster mit Isolierglas sind in vielen Häusern in Deutschland heute Standard. Dennoch… weiterlesen




