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Weitverbreitete Irrtümer beim Lüften

Auch wenn es zunächst einfach erscheint, die Wohnung oder das Haus zu lüften, so kann man beim Lüften doch einiges falsch machen. Einige alte Gewohnheiten beim Lüften sollte man sich einfach abgewöhnen. Um zu wissen, wie man richtig lüftet, hier zunächst eine Übersicht der häufigsten Irrtümer beim Lüften.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stoß- und Querlüften tauschen die Luft in wenigen Minuten aus – ein gekipptes Fenster braucht dafür bis zu einer Stunde und kühlt die Wände aus.
  • Wie oft und wie lange gelüftet wird, hängt von Raum, Nutzung und Jahreszeit ab: im Winter genügen wenige Minuten, im Sommer darf es länger sein.
  • Bei kühler Außenluft ist Lüften auch bei Regen sinnvoll; bei Sommerhitze oder schwüler Außenluft besser morgens und nachts lüften.
  • Beim Lüften die Heizkörper-Thermostate herunterdrehen, damit keine unnötige Wärme verloren geht.
So lüftet man richtig © ronstik, stock.adobe.com
So lüftet man richtig © ronstik, stock.adobe.com
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Irrtum No. 1: Fenster kippen reicht zum Lüften

Viele meinen, wenn sie die Fenster kippen, dann reicht das, um genug frische Luft in Raum oder Wohnung zu bekommen. Natürlich findet auch bei gekipptem Fenster ein gewisser Luftaustausch statt, das ist richtig. Aber: Während der Luftaustausch bei gekippten Fenstern abhängig von der Raum- und Fenstergröße rund 1 Stunde dauert, geht es bei Stoßlüften deutlich schneller und dauert zwischen 10 und 30 Minuten. Am schnellsten, aber nicht überall möglich, ist das sogenannte Querlüften, bei dem gegenüberliegende Fenster (auch über Räume hinweg) geöffnet werden. Durch den Durchzug wird der Luftaustausch beschleunigt und dauert nur um die 5 Minuten.

Richtig Lüften: Stoßlüften, nicht Dauerkipp
Richtig Lüften: Stoßlüften, nicht Dauerkipp

Lüftungsarten im Vergleich

LüftungsartSo geht’sLuftaustausch im WinterBewertung
QuerlüftenGegenüberliegende Fenster und Türen weit öffnenca. 2–5 Minutenam effektivsten
StoßlüftenEin Fenster vollständig öffnenca. 5–10 Minutensehr gut
Dauerhaft gekipptFenster über längere Zeit gekippt30 Minuten und mehrineffizient, Schimmelgefahr
Quelle: Verbraucherzentrale

Irrtum No. 2: Stundenlanges Lüften bringt mehr frische Luft und schützt vor Schimmel

Viele lassen die Fenster Tag und Nacht gekippt, weil sie meinen, dann mehr frische Luft zur Verfügung zu haben. Das stimmt so nicht. Der Luftaustausch bei gekippten Fenstern dauert deutlich länger als beim Stoßlüften. Dauerhaft gekippte Fenster können in der Heizperiode Schimmel sogar begünstigen, wenn Wände und Fensterlaibungen auskühlen. Durch dauerhaft gekippte Fenster besteht die Gefahr, dass die Wände im Raum oder um die Fenster herum stark auskühlen. An kalten Wänden steigt aber die Gefahr von Schimmelbildung, weil sich hier die Feuchtigkeit niederschlägt. Zudem drohen sehr hohe Heizkosten, wenn während der Heizperiode die Fenster länger gekippt sind.

Bei angenehmen Außentemperaturen außerhalb der Heizperiode ist gegen gekippte Fenster natürlich gar nichts zu sagen.

Schimmel am Fenster © fevziie, stock.adobe.com
Schimmel am Fenster © fevziie, stock.adobe.com
Beachten Sie die Luftfeuchtigkeit im Blick
Beachten Sie die Luftfeuchtigkeit im Blick

Irrtum No. 3: Einmal am Tag lüften reicht

Man liest immer wieder, dass einmal am Morgen Stoß- oder Querlüften reicht und Heizkosten spart. Das stimmt allerdings nicht. Die richtige Lüftungsdauer hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend ist einerseits die Jahreszeit, aber auch, um welchen Raum es sich handelt und schließlich wieviel Personen sich im Zimmer aufhalten.

Im Winter ist die Lüftungsdauer am kürzesten. Hier reichen 5 bis 10 Minuten, während im Sommer zum Lüften die Fenster ruhig lange geöffnet werden dürfen. In Herbst und Frühjahr reicht jeweils eine Viertelstunde für den Luftaustausch.

Verschiedene Zimmer müssen unterschiedlich gelüftet werden. Schlafzimmer sollten morgens einmal quergelüftet werden und abends vor dem Schlafengehen ein weiteres Mal. Badezimmer und Küchen unbedingt immer dann lüften, wenn hohe Luftfeuchtigkeit durch Duschen, Baden oder Kochen entsteht. In Wohnzimmern und anderen Räumen, in denen man sich länger aufhält, wie Kinderzimmer oder Arbeitszimmer sollte alle paar Stunden gelüftet werden, um frische sauerstoffreiche Luft in die Zimmer zu lassen.

Frische Raumluft durch richtiges Lüften in der kalten Jahreszeit
Frische Raumluft durch richtiges Lüften in der kalten Jahreszeit

Irrtum No. 4: Bei Regen müssen die Fenster geschlossen bleiben

Manche meinen, bei Regen oder Nebel komme beim Lüften grundsätzlich zu viel Feuchtigkeit in den Raum. Das stimmt so pauschal nicht: Vor allem bei kühler Außenluft ist Lüften sinnvoll, auch wenn die relative Luftfeuchtigkeit draußen hoch ist. Achten Sie bei Regen darauf, dass kein Wasser ins Zimmer gelangt. Bei warmer, schwüler Sommerluft oder großer Hitze sollten die Fenster tagsüber geschlossen bleiben; lüften Sie dann nachts oder früh morgens.

Lüften ist auch bei Regen sinnvoll
Lüften ist auch bei Regen sinnvoll

Irrtum No. 5: Lüften ist immer gleich – unabhängig von der Jahreszeit

Nein, Lüften ist nicht immer gleich. Stoß- und Querlüften sorgen grundsätzlich für einen schnellen Luftaustausch, die nötige Dauer hängt aber von Temperaturunterschied, Wind und Jahreszeit ab. In den Wintermonaten reichen meist wenige Minuten; das Bundesumweltministerium nennt für Stoßlüften im Winter fünf bis zehn Minuten. In Frühjahr und Herbst kann der Luftaustausch etwa 10 bis 20 Minuten dauern. Im Sommer sollten Sie vor allem früh morgens, spät abends oder nachts lüften; je nach Temperatur und Wind sind eher 10 bis 30 Minuten sinnvoll als langes Lüften in der Tageshitze.

Lüften ist Pflicht: Im Sommer länger, im Winter kürzer
Lüften ist Pflicht: Im Sommer länger, im Winter kürzer

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Irrtum No. 6: Die Luftfeuchtigkeit außen darf nicht zu hoch sein

Es geht beim Lüften von Schlafzimmer, Bad und Küche vor allem darum, dass die Luftfeuchtigkeit in den Räumen nicht zu hoch ist. Ob Lüften die Raumluft trocknet, hängt nicht von der relativen Luftfeuchtigkeit allein ab, sondern von Temperatur und absolutem Feuchtegehalt. Kalte Außenluft kann trotz hoher relativer Feuchte nach dem Erwärmen im Raum trocknend wirken; warme, schwüle Außenluft kann dagegen Feuchtigkeit eintragen. In Aufenthaltsräumen wie Wohn-, Arbeits- oder Kinderzimmer ist die Luftfeuchtigkeit häufig gerade in der Heizperiode zu niedrig. Aufmerksamkeit ist gefordert, wenn sich Feuchtigkeit an den Fenstern von innen niederschlägt. Das ist ein Hinweis auf falsches Lüften und erhöhte Schimmelgefahr. Ein Hygrometer gibt Auskunft über die Höhe der Luftfeuchte in der Wohnung.

Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 30 - 60% liegen
Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 30 – 60% liegen

Irrtum No. 7: Alle Räume müssen gleich gelüftet werden

Nein – je nach Nutzung des Zimmers und je nach Raum sind unterschiedliche Lüftungskonzepte sinnvoll. So ist vor allem in Räumen, in denen hohe Feuchtigkeit entsteht, dem Lüften besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Damit sind etwa Bad, Küche und Schlafzimmer gemeint.

Der Lüftungsbedarf ist unterschiedlich hoch
Der Lüftungsbedarf ist unterschiedlich hoch

Bad lüften: Für Bäder gilt, es muss gründlich gelüftet werden, wenn die hohe Luftfeuchtigkeit entstanden ist, also nach dem Baden oder Duschen. Am besten so lange lüften, bis die Spiegel oder andere Flächen nicht mehr beschlagen sind. Heizung im Winter während dieser Zeit abdrehen, um Energieverluste zu vermeiden.

Küche lüften: Ähnliches gilt für die Küche, immer dann lüften, wenn Feuchtigkeit entsteht, also beim Kochen. Eine Umluft-Dunstabzugshaube entfernt Gerüche und Fett, aber keine Feuchtigkeit; Ablufthauben führen Feuchtigkeit dagegen nach außen ab. Während oder nach dem Kochen sollte die Küche bei sichtbarem Wasserdampf zusätzlich gründlich gelüftet werden.

Bei Wasserdampf sofort lüften
Bei Wasserdampf sofort lüften

Schlafzimmer lüften: Und im Schlafzimmer gilt, nachts bildet sich eine hohe Luftfeuchtigkeit, Menschen geben durch Atmen und Schwitzen viel Feuchtigkeit ab. Diese muss morgens durch gründliches Lüften hinausgelassen werden. Abends wird gelüftet, um noch einmal genug Sauerstoff für die Nacht ins Schlafzimmer zu lassen.

Wohn- und Kinderzimmer lüften: In Aufenthaltsräumen wird nach Bedarf gelüftet. Je länger man sich dort aufhält und je mehr Personen im Raum sind, desto häufiger ist ein Luftaustausch nötig; drei- bis viermal am Tag ist eine grobe Richtzahl. Ist im Wohnzimmer ein raumluftabhängiger Kaminofen in Betrieb, zählt vor allem eine gesicherte Verbrennungsluftzufuhr. Beachten Sie Bedienungsanleitung und Vorgaben des Schornsteinfegers und lüften Sie bei Bedarf zusätzlich.

Keller lüften: Das richtige Lüften im Keller hängt nicht nur vom Baujahr des Hauses ab, ob das Untergeschoss gedämmt ist oder nicht, sondern vor allem auch von der Art der Nutzung. Zudem hat die Jahreszeit einen großen Einfluss. In Waschküchen und Trockenräumen entsteht unweigerlich eine höhere Luftfeuchtigkeit, die unabhängig von der Jahreszeit nach außen geführt werden muss. In vielen Waschküchen sind die Fenster dauergekippt. Das ist auch hier falsch. Besser ein- bis zweimal am Tag stoßlüften. Im Winter kann dies zu jeder Tageszeit geschehen. Im Sommer sollten Kellerräume nur bei kühleren Außentemperaturen, also frühmorgens oder nachts, gelüftet werden.

Kellerlüftung im Sommer
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Kellerlüftung im Winter
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Irrtum No. 8: Wer weniger heizt muss auch weniger lüften

Das stimmt so nicht. Räume werden nicht allein nach ihrer Temperatur, sondern vor allem nach Nutzung, Feuchtebelastung und Luftqualität gelüftet. Schlafzimmer und Küchen haben ja meist niedrigere Raumtemperaturen als zum Beispiel Wohnzimmer, müssen aber dennoch häufiger gelüftet werden, da mehr Feuchtigkeit entsteht. Kühle Luft kann zudem weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. Das Lüften ist also nicht von der Raumtemperatur abhängig, sondern von der Nutzung der Zimmer.

Heizung mit Rücklaufverschraubung © vladdeep, stock.adobe.com
Bedeutet weniger Heizen weniger Lüften? © vladdeep, stock.adobe.com

Irrtum No. 9: Lüften geht nur mit offenem Fenster

Die einfachste Art zu lüften ist tatsächlich das sogenannte Querlüften mit zwei gegenüber liegenden geöffneten Fenstern. Aber nicht jeder Raum hat ein Fenster. So sind Badezimmer, die ja einen sehr hohen Lüftungs-Bedarf haben, häufig fensterlos. Hier gibt es aber technische Hilfsmittel. Elektrische Entlüfter können die feuchte Innenluft nach außen leiten. Meist sind sie mit dem Lichtschalter verbunden und schalten sich ein, wenn das Licht eine Weile leuchtet. Es gibt auch Modelle mit Wärmerückgewinnung, um zu hohe Verluste an Heizenergie zu vermeiden.

Im Bad ohne Fenster sorgt der elektrische Lüfter für frische Luft
Im Bad ohne Fenster sorgt der elektrische Lüfter für frische Luft

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Irrtum No. 10: Fenster dürfen im Passivhaus nicht geöffnet werden

Passivhäuser verfügen immer über eine Lüftungsanlage, die für eine stete Frischluftzufuhr sorgt. Aber dennoch darf in Passivhäusern auch über geöffnete Fenster gelüftet werden. Allerdings ist eine Lüftung bei Gebäuden mit kontrollierter Wohnraumlüftung nicht nötig und meist haben die Bewohner auch gar nicht das Bedürfnis, da sie ja durchgehend mit frischer Luft versorgt werden.

Ein Grund, warum bewusstes Lüften heute wichtiger ist als früher: Moderne Fenster und gut gedämmte Gebäudehüllen sind nahezu luftdicht. Der frühere unfreiwillige Luftaustausch durch undichte Fugen fällt weg – die entstehende Feuchtigkeit muss aktiv hinausgelüftet werden. Ein Hygrometer hilft, den Überblick zu behalten: Bleibt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60 %, sollten Sie häufiger lüften.

Richtig lüften: die wichtigsten Regeln

Stoß- oder querlüften statt Fenster dauerhaft kippen.
Mehrmals täglich lüften – je nach Raum und Belegung drei- bis viermal.
Heizkörper-Thermostate beim Lüften herunterdrehen.
Nach dem Duschen, Baden und Kochen sofort lüften, bis die Feuchtigkeit raus ist.
Bei großer Sommerhitze nur nachts und früh morgens lüften.
Quelle: Verbraucherzentrale

Fazit

Richtiges Lüften sorgt für eine gute Luft in allen Zimmern. Gleichzeitig unterscheidet sich das Lüften von Raum zu Raum. Grundsätzlich sollte die Heizung beim Lüften heruntergedreht werden; Querlüften ist meist die schnellste Strategie, wenn Grundriss und Wetter es zulassen. Richtiges Lüften ist die beste Vorbeugemaßnahmen gegen Schimmelbildung.

Schimmelgefahr an feuchten Wänden
Schimmelgefahr an feuchten Wänden
Schimmel am Fenster © fevziie, stock.adobe.com
Richtig Heizen und Lüften

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