Wir wollen aus dem Lüften keine Wissenschaft machen. Es lohnt sich aber für die eigene Gesundheit und die pflegliche Erhaltung der Immobilie, etwas mehr über die Hintergründe der sogenannten Luftwechselrate zu wissen. Sie beschreibt, wie oft die Luft in einem Raum pro Stunde ausgetauscht wird oder ausgetauscht werden sollte.
Gemeinhin empfindet man den Impuls, das Fenster aufzumachen, wenn man einen Raum verlässt und ihn kurz darauf wieder betritt. Meist merkt man erst dann, wie schlecht die Luft ist. Verhindern lässt sich das nicht: Wer duscht oder badet, wer Wäsche wäscht, spült oder auch nur atmet, gibt Feuchtigkeit und CO2 an die Luft ab. Hinzu kommen beispielsweise technische Geräte, Möbel, Farben oder Lacke, die Gerüche oder gar Schadstoffe in die Luft abgeben können. Auch Hausstaub, Tabakrauch, Kerzen oder Duftöle tragen zur Verunreinigung der Innenluft bei. Man bemerkt das nicht immer sofort, aber: All das kann auf Dauer ermüden und im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. Während der Pandemie war dieses Thema kurzzeitig allen Menschen präsent, weil die Virenlast in geschlossenen Räumen möglichst geringgehalten werden musste. Auch reine Feuchtigkeit ist in hohen Maßen unerwünscht, weil sie zu Schimmelbildung führen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Luftwechselrate (in 1/h) gibt an, wie oft die Raumluft pro Stunde komplett ausgetauscht werden sollte.
- Richtwerte sind grobe Auslegungsspannen; für Wohnungen zählen bedarfsgerechtes Stoßlüften und Feuchteschutz nach DIN 1946-6.
- Im Winter genügen meist 5–10 Minuten Stoßlüften mit Durchzug, im Sommer ist längeres Lüften nötig; bei Bedarf helfen Ventilatoren oder eine Lüftungsanlage.

Hinzu kommt, dass moderne Gebäude heutzutage meist so gut gedämmt sind, dass ein natürlicher Luftaustausch, etwa durch nicht ganz dicht abschließende Fensterrahmen, nicht mehr stattfindet. Wenn dann noch mehrfach verglaste Fenster hinzukommen, ist die Immobilie oft luftdicht abgeschlossen. Aus energetischen Gründen ist das häufig gewünscht. Es legt den Bewohnern aber auch die Verantwortung auf, selbst für einen ausreichenden Luftaustausch zu sorgen. Denn frische Luft ist unerlässlich.
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Was die Luftwechselrate aussagt
Die Luftwechselrate packt dieses Wissen in Zahlen: Sie wird in der Einheit 1/h angegeben. Wer also beispielsweise von einer Luftwechselrate von 5 1/h spricht, meint damit, dass die gesamte Luft eines Raumes fünfmal innerhalb einer Stunde ausgetauscht werden sollte, um ein gesundheitsförderndes und angenehmes Raumklima zu schaffen.
Ist von einer Mindestluftwechselrate die Rede, geht es um einen vorgegebenen Mindest-Luftaustausch. Im Wohnalltag gibt es meist keine starre „x-mal pro Stunde“-Pflicht für Bewohnerinnen und Bewohner; bei Neubauten und lüftungstechnisch relevanten Sanierungen ist aber ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erforderlich, und fensterlose Bäder/WC werden nach DIN 18017-3 geplant. In Arbeitsstätten konkretisiert die ASR A3.6 die Anforderungen an gesundheitlich zuträgliche Atemluft. Eine Mindestluftwechselrate von 1 1/h würde rechnerisch bedeuten, dass innerhalb einer Stunde ein Raumluftvolumen ausgetauscht wird.
Es gibt auch noch die sogenannte n50-Luftwechselrate als Ergebnis eines Blower-Door-Tests. Damit wird die Dichtigkeit der Gebäudehülle getestet, indem die Luftwechselrate für 50 Pascal Druckdifferenz zwischen innen und außen ermittelt wird. Auch diese Kenngröße ist für den normalen Alltag in einer privat genutzten Immobilie aber vernachlässigbar.

Wie die Luftwechselrate bestimmt wird
Die exakte Luftwechselrate ist für Otto Normalverbraucher nicht leicht zu bestimmen, zumal sie von verschiedenen Faktoren abhängig ist. In Badezimmern ist die Luftfeuchtigkeit beispielsweise naturgemäß sehr viel höher als in anderen Zimmern. Auch die Anzahl der Menschen, die sich gemeinhin in einem Raum aufhalten, beeinflusst das Ergebnis. Es gibt zwar eine Formel, nach der sich die Luftwechselrate berechnen lässt. Sie lautet:
Die Luftwechselrate (in 1/h) ist gleich dem Luftvolumenstrom (m³/h) geteilt durch das Raumvolumen (m³).
Es wird sich jedoch niemand die Mühe machen, Zettel, Stift und Messgeräte zu zücken, um herauszufinden, ob man die Fenster aufmachen oder einen Ventilator anschalten sollte. Daher gibt es Faustwerte für die technische Auslegung, an denen man sich grob orientieren kann. Für Wohnungen sind aber Nutzung, Feuchte, Personenanzahl und das Lüftungskonzept entscheidend – die Werte sind keine Dauerlüftungs-Pflicht. Konkret sind diese Faustwerte grobe Orientierungswerte (z. B. von EWE); die DIN 1946-6 regelt das Lüftungskonzept und die Volumenströme, nicht starre Pauschalwerte je Raumtyp.
Grobe Auslegungsspannen nach Raumtyp
| Raumtyp | Empfohlene Luftwechselrate | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer | 2–3 1/h | Raumluft wird 2- bis 3-mal pro Stunde ausgetauscht |
| Büroräume | 4–6 1/h | Höherer Bedarf durch Personen und Technik |
| Badezimmer und Küche | 6–10 1/h | Viel Feuchte und Gerüche erfordern mehr Austausch |

Wie das Raumklima verbessert werden kann
Die Fenster dauerhaft offen stehen zu lassen, um eine stetige Frischluftzufuhr zu gewährleisten, ist keine gute Idee und insbesondere im Winter auch nicht praktikabel. Eine zu hohe Luftwechselrate in den kalten Monaten kann zu einem höheren Energieverbrauch führen. Als Faustregel nennt das Bundesumweltministerium mehrmals täglich Stoßlüftung mit weit geöffneten Fenstern, möglichst mit Durchzug. Im Winter reichen meist 5 bis 10 Minuten; im Sommer können es 20 bis 30 Minuten sein.
Während des Lüftens sollten Heizkörper heruntergedreht werden. Immer gelüftet werden sollte, wenn Wasserdampf entsteht oder mit geruchsintensiven Stoffen oder Lösemitteln gearbeitet wird. Auch beim Heizen und Kochen mit Kohle oder Gas sollte auf einen kontinuierlichen Luftaustausch geachtet werden. Selten benutzte Räume werden häufig vergessen, sollten aber auch regelmäßig gelüftet werden.

Gehen diese einfachen Maßnahmen nicht weit genug oder sind sie nicht umzusetzen, weil das Badezimmer beispielsweise keine Fenster hat, kann mit mechanischen Maßnahmen nachgeholfen werden. So können Ventilatoren den Luftaustausch beschleunigen. Kleinere Lüftungsanlagen sind in vielen Bädern (Luftabzug) und Küchen (Dunstabzugshaube) ohnehin gang und gäbe.
Dezentrale Einzelraumlüfter lassen sich nachrüsten, benötigen aber in der Regel Außenwanddurchlass und Stromanschluss; mobile Luftreiniger ersetzen keine Frischluftzufuhr. Mit zentralen Lüftungsanlagen kann der Luftaustausch ganzer Immobilien gesteuert werden. Sie sind im Bestand aufwendiger, in vielen Wohnungen aber grundsätzlich nachrüstbar und sollten bei Neubau oder Sanierung frühzeitig geplant werden.
Wer dauerhaft hohe Luftwechselraten erreichen will, ohne im Winter viel Heizwärme zu verlieren, ist mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gut beraten. Sie überträgt einen Großteil der Wärme aus der verbrauchten Abluft auf die frische Zuluft und sorgt so für einen kontinuierlichen Luftaustausch bei geringen Wärmeverlusten.
Häufige Fragen zur Luftwechselrate
Wie oft und wie lange sollte ich lüften?
Was ist der Unterschied zwischen Luftwechselrate und Mindestluftwechselrate?
Was sagt der n50-Wert aus?
Reicht Lüften oder brauche ich eine Lüftungsanlage?
Für welche Zielgruppe lohnt sich eine Lüftungsanlage eigentlich? Eine kontrollierte Wohnraumlüftung führt den Räumen regelmäßig frische Luft zu und sorgt… weiterlesen




