Nicht nur die wegen des Ukraine-Kriegs Anfang 2022 explodierten Kosten für Energie, sondern auch der Klimaschutz sorgen dafür, dass das Thema Energiesparen weiter in aller Munde ist. Ein Tipp zum Sparen lautet immer, die Heizung auszuschalten bzw. die Räume weniger zu heizen. Ganz klar ist: Wenn die Heizung nicht läuft, verbraucht sie auch keine Energie. Das spart zweifellos Geld ein, da Sie weniger Brennstoff benötigen. Es kann aber auch erhebliche negative Folgen haben, wenn ein Haus dauerhaft nicht ausreichend geheizt wird. Zu niedrige Innentemperaturen beeinflussen nicht nur Wohlbefinden und Gesundheit, auch die Bausubstanz kann Schaden nehmen. Und das kostet letztlich mehr als eine gesunde Wohntemperatur durch ausreichendes Heizen zu gewährleisten.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine feste Außentemperatur als Heizgrenze gibt es nicht — entscheidend sind Raumtemperatur, Gebäudezustand und Bauart.
- Als Orientierung gelten 20 Grad für Wohnräume, 16 bis 18 Grad für Schlafzimmer und 21 bis 23 Grad für Bäder.
- Mietwohnungen müssen tagsüber rund 20 bis 22 Grad ermöglichen; zu starkes Absenken erhöht das Schimmelrisiko.

Ab welcher Außentemperatur muss geheizt werden?
Eine klare Regel oder gar eine Vorschrift, ab welcher Außentemperatur die Heizung eingeschaltet werden muss, gibt es nicht. Die Grenze, ab wann es in den Innenräumen zu kalt wird, hängt von drei Kriterien ab.
Heizen oder noch warten? Der Schnellcheck
Trifft mindestens ein Punkt zu, sollten Sie die Heizung in Betrieb nehmen oder zumindest einzelne Räume temperieren — Schwellen sind Orientierungswerte, keine Pflichtwerte. Stand 2026.
Heizen Sie spätestens jetzt
Sparmodus statt komplett aus: Statt zu warten, bis es richtig kalt wird, lieber Thermostat auf Stufe 1–2 (≈ 15–18 °C) absenken und Räume durchgängig leicht temperieren. Das vermeidet Schimmel und Feuchteschäden; ob das energetisch günstiger ist als wiederholtes Stark-Aufheizen, hängt vom Gebäude und Heizsystem ab. Keine Rechtsberatung im Einzelfall — bei Streit mit dem Vermieter: Mieterverein oder Verbraucherzentrale.
1. Alter des Hauses und energetischer Zustand
Der Energieverbrauch von Häusern hängt entscheidend vom Baujahr bzw. dem Sanierungsstand ab. Grob gesagt, benötigen ältere Häuser mehr Energie, weil der Energieverlust durch die Gebäudehülle größer ist. Je schlechter die Gebäudehülle gedämmt ist, umso früher muss geheizt werden. Folgende Empfehlungen geben Experten, um Schäden am Haus zu vermeiden:
| Baujahr bzw. Gebäudestandard | Richtwert: Außentemperatur, ab der Heizen sinnvoll sein kann |
|---|---|
| vor 1977 (unsanierter Altbau) | 15 bis 17 °C |
| 1977 bis 1995 (teilsanierter Altbau) | 14 bis 16 °C |
| nach 1995 (Bau nach WSchV oder EnEV) | 12 bis 15 °C |
| Niedrigenergiehaus | 11 bis 14 °C |
| Passivhaus | 9 bis 11 °C |

2. Gewünschte Innentemperatur in den Räumen
Das individuelle Temperaturempfinden ist sehr unterschiedlich. Deshalb heizt der eine schon bei höheren Außentemperaturen als der andere, der sich eher bei niedrigeren Raumtemperaturen wohlfühlt. Aber es gibt auch klare Empfehlungen für optimale Raumtemperaturen:

| Raum | Orientierungswert |
|---|---|
| Wohn- und Arbeitszimmer | etwa 20 °C, bei Bedarf bis 22 °C |
| Kinderzimmer | etwa 19 bis 20 °C |
| Schlafzimmer | 16 bis 18 °C |
| Küche | 18 bis 20 °C |
| Badezimmer | 21 bis 23 °C |

3. Gebäudeart: freistehend, angebaut oder Mehrfamilienhaus?
Entscheidend für die Temperatur im Haus und damit auch die Außentemperatur, ab der geheizt werden muss, ist auch die Art des Gebäudes. In einem freistehenden Einfamilienhaus geht durch die vier Außenwände mehr Energie verloren als bei einer Doppelhaushälfte. Noch besser sieht es für Reihenmittelhäuser aus. Bei Mietwohnungen kann der Energiebedarf noch geringer sein, weil die Nachbarn von oben, unten und der Seite Wände, Decke und Boden mit heizen.

Kann der Vermieter einfach die Heizung abdrehen?
Wer als Eigentümer im eigenen Haus lebt, hat keine feste gesetzliche Heizperiode wie im Mietverhältnis zu beachten. Praktisch sollten Sie die Heizung aber so betreiben, dass Leitungen, Bauteile und Innenräume nicht auskühlen und kein Feuchte- oder Schimmelschaden entsteht.
Bei Mietverhältnissen sieht es anders aus: Vermieter müssen die Heizung so betreiben, dass Wohnräume tagsüber in der Regel auf etwa 20 bis 22 Grad beheizbar sind. Für Bäder werden teils höhere Werte, für Schlafzimmer teils niedrigere Werte angenommen. Nachts ist eine Absenkung je nach Rechtsprechung und Einzelfall möglich, häufig auf etwa 16 bis 18 Grad. Eine starre gesetzliche Heizperiode gibt es nicht; maßgeblich sind Mietvertrag, Rechtsprechung und die tatsächlich erreichbare Raumtemperatur.

Auch Mieter dürfen grundsätzlich absenken, um Heizkosten zu sparen; eine generelle Pflicht, alle Räume auf 20 bis 22 Grad zu heizen, gibt es nicht. Sie dürfen an ihren Heizkörpern die gewünschte Temperatur einstellen. Gleichzeitig müssen sie die Wohnung so nutzen, dass vorhersehbare Schäden an der Mietsache vermieden werden. Wer stark absenkt, sollte Luftfeuchtigkeit kontrollieren, regelmäßig lüften und Wohn- und Schlafräume tagsüber nicht dauerhaft unter etwa 16 bis 18 Grad fallen lassen; bei schlechtem Bauzustand kann mehr Heizen nötig sein.

Was hat eine niedrige Innentemperatur für Folgen?
Bei zu niedrigen Innentemperaturen steigt die Gefahr, dass sich an kühlen Außenwänden oder Wärmebrücken Schimmel bildet. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte; trifft feuchte Raumluft auf eine kalte Oberfläche, steigt dort die relative Luftfeuchte stark an und es kann Kondenswasser entstehen. Damit steigt die Gefahr der Schimmelbildung. Deshalb ist es wichtig, Wohnung oder Haus nicht zu stark auskühlen zu lassen, kalte Wände nicht mit Möbeln zuzustellen und regelmäßig zu lüften. Schimmel kann gesundheitliche Beschwerden auslösen und sollte nicht hingenommen werden.


Mit welchen Maßnahmen finde ich die richtige Temperatur und kann trotzdem sparen?
Wie beschrieben, hängt die richtige Temperatur vom Gebäude und vom persönlichen Empfinden ab. Wer die richtigen Raumtemperaturen erzielen will, und zwar jederzeit und unabhängig von den Außentemperaturen, kommt an der Heizkennlinie der Heizungsanlage nicht vorbei. Dies gilt für witterungsgeführte Heizungsanlagen.
Mit der Heizkennlinie wird die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage geregelt. Bei niedrigeren Außentemperaturen steigt diese und die Heizkörper geben auch bei minus 20 Grad die richtige Wärme ab, um eine Innentemperatur von plus 20 Grad zu erreichen. Die Heizkennlinie oder Heizkurve einzustellen ist eine Aufgabe für Fachleute, Eigentümer können sich auch daran versuchen, die Heizkennlinie selbst zu optimieren.

Mieter haben allerdings keine Möglichkeit, die Heizkurve zu optimieren. Für Mieter ist es sinnvoll, die optimalen Raumtemperaturen mit den Heizthermostaten zu erreichen. Besonders genau und sparsam lässt sich mit programmierbaren Thermostaten die Raumtemperatur regeln, sodass Räume immer dann wärmer werden, wenn man sich darin aufhält und zu allen anderen Zeiten kühler sind.

Fazit: Mindesttemperaturen sollten nicht unterschritten werden
Auch wer besonders sparsam mit der kostbaren Heizenergie umgehen möchte, sollte seine Räume richtig beheizen. Bestimmte Mindesttemperaturen in den Innenräumen sind notwendig, um die Schimmelgefahr zu bannen. Spätestens wenn die Innentemperatur tagsüber dauerhaft unter 16 bis 18 Grad fällt, sollte geheizt werden; bei schlechtem Bauzustand oder hoher Luftfeuchtigkeit kann früheres Heizen nötig sein. Das ist in gut gedämmten Häusern erst bei ziemlich niedrigen Außentemperaturen der Fall, schlecht gedämmte Altbauten müssen dagegen schon bei höheren Außentemperaturen beheizt werden.
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