Heizungsbau: Wie sich eine Handwerkerstunde zusammensetzt
Verdient ein Heizungsmonteur den vollen Stundensatz, den Sie zahlen? Mitnichten, denn Stundensatz und Lohn klaffen weit auseinander. Branchenverbände erklären, warum das so sein muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Vom Stundensatz entfällt im SHK-NRW-Modell nur rund ein Viertel auf den tariflichen Monteurslohn.
- Der Rest deckt Lohnzusatzkosten, Gemeinkosten, nicht verrechenbare Stunden sowie Wagnis und Gewinn.
- Aktuell noch mehr: 2025 lag der SHK-NRW-Vollkostensatz bei 99,54 Euro netto, 2026 bereits bei 102,91 Euro pro Stunde.
Wer einen Heizungsinstallateur bestellt, erlebt bei der Rechnung nicht selten eine Überraschung. In der SHK-NRW-Modellrechnung 2021 lag der Vollkostenverrechnungssatz bereits bei 82,16 Euro netto; inklusive 19 Prozent Umsatzsteuer wären das rund 97,77 Euro. Die SHK-NRW-Modellgrafik 2025 nennt 99,54 Euro netto. Der Grund bleibt gleich: Stundensatz und tatsächlicher Monteurslohn sind nicht dasselbe.

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Tariflohn des Monteurs im SHK-NRW-Modell 2021: 21,37 Euro
In der SHK-NRW-Modellrechnung 2021 beträgt der Tariflohn eines Kundendienstmonteurs 21,37 Euro pro Stunde. Das entspricht rund 26 Prozent des damaligen Vollkostenverrechnungssatzes von 82,16 Euro netto; inklusive Umsatzsteuer wären es 97,77 Euro.
Doch wie kommen die übrigen 74 Prozent oder 61 Euro her?
Für seinen festangestellten Monteur muss der Handwerksbetrieb noch weitere 19,49 Euro pro Stunde an Lohnzusatzkosten aufwenden, nämlich für
- Urlaubs- und Weihnachtsgeld
- Krankentage
- vermögenswirksame Leistungen
- Arbeitgeberanteil zur Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung
Jetzt sieht die Rechnung schon anders aus: Mit Tariflohn und Lohnzusatzkosten liegen die Lohnselbstkosten in der SHK-NRW-Modellrechnung 2021 bereits bei 40,86 Euro pro Stunde.
Aber auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn mitberechnet werden muss, dass Handwerksbetriebe ihren Monteur zwar 1930 Stunden im Jahr bezahlen, davon aber durchschnittlich nur 1400 Stunden ihren Kunden in Rechnung stellen.
Was steckt in einer Handwerkerstunde? (Modell SHK NRW 2021)
Seriöse Handwerker müssen Gewinne erzielen
Darüber hinaus entstehen in einem Handwerksbetrieb diverse weitere Kosten, nämlich die Gehälter für technisches und kaufmännisches Personal („unproduktive Löhne und Gehälter“).
Beispielhaft seien hier einige Tätigkeiten aufgezählt:
Auftragsannahme, Angebotserstellung, Durchführung von technischen Berechnungen, Material- und Lagerverwaltung, Einteilung der Monteure, Erfassung der Arbeitsberichte, Rechnungstellung, Zahlungsverkehr, Vorbereitung der Lohnabrechnung, Buchführung etc.
Auch weitere Sachkosten muss ein seriös wirtschaftender Handwerksbetrieb anteilig an seine Kunden weitergeben (allgemeine Geschäftskosten). Dazu zählen beispielsweise
- Büro- und Energiekosten
- Steuern, Kreditzinsen, Beiträge und Versicherungen
- Werkzeuge und Geräte
- Abschreibungen und Reparaturen
- Lagerhaltung

Und last but not least sollte jede Firma auch Gewinne erwirtschaften und Rücklagen für schlechte Zeiten bilden, das heißt dann sachlich „Zuschlag für Wagnis und Gewinn“, im SHK-NRW-Modell 2021 mit 3,91 Euro beziehungsweise 4,8 Prozent des Vollkostenverrechnungssatzes. Zu den Wagnissen zählen das allgemeine Unternehmerrisiko und nicht versicherbare Risiken, wie etwa Forderungsausfälle. Gar nicht so selten erledigen Handwerksbetriebe Aufträge, die niemals bezahlt werden.
Der Gewinn, den ein selbständiger Handwerker erzielt, sichert das wirtschaftliche Überleben und ermöglicht dem Unternehmen künftige Investitionen und Wachstum. Davon profitieren langfristig auch die Kunden: Nur wenn ein Betrieb in einigen Jahren noch besteht, kann er zu Gewährleistungsarbeiten herangezogen werden.
Und nicht zu vergessen: Bei jeder schmerzhaft teuren Handwerkerrechnung hält auch Vater Staat die Hand auf: Die 19-prozentige Mehrwertsteuer ist in der Regel der drittgrößte Einzelposten in jeder Handwerkerrechnung.
Stundensatz: Wo das Geld hingeht
Die in unserem Beispiel genannten Summen stammen aus einer SHK-NRW-Modellrechnung 2021; die Struktur gilt weiterhin, die absoluten Beträge liegen inzwischen höher. Die SHK-NRW-Grafik nennt für eine Kundendienststunde zuletzt 102,91 Euro netto als Vollkostenverrechnungssatz; 2025 waren es noch 99,54 Euro. Einzelbetriebe können je nach Region, Qualifikation, Kundendienst oder Montage darunter oder darüber liegen.
Was bedeutet das für Ihre Handwerkerrechnung?
Der hohe Stundensatz ist also kein Reibach für den Monteur, sondern deckt Lohnnebenkosten, Betriebskosten und unternehmerisches Risiko. Für Sie zählt am Ende der Gesamtpreis: Lassen Sie sich Arbeitszeit, Anfahrt und Material im Angebot getrennt ausweisen und prüfen Sie mehrere Angebote sorgfältig. Wie Sie einen passenden, seriösen Betrieb finden, lesen Sie hier.
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