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Heizwärme- und Heizenergiebedarf

Die benötigte Energiemenge für die Wärme von Häusern und Wohnflächen

Nur zu gerne werden Heizwärmebedarf und Heizenergiebedarf in einen Topf geworfen und als Synonym gebraucht. Oder sie werden verwechselt. Dabei handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Kenngrößen für den Energiebedarf um Wohnräume oder ein komplettes Haus zu beheizen. Die Definition von Heizwärme- und Heizenergiebedarf zeigt den Unterschied der beiden Begriffe aus der Heiztechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Heizwärmebedarf (HWB) ist die Wärme, die die Räume brauchen; Heizenergiebedarf (HEB) zählt zusätzlich die Verluste der Heizanlage.
  • Der HWB hängt vor allem von Dämmung, Fenstern und Gebäudehülle ab – nicht von der gewählten Heizung.
  • Orientierung: Passivhaus ≤ 15, Niedrigenergiehaus 40–80, unsanierter Altbau 150–300+ kWh/m²·a.
  • Wer den Bedarf kennt, kann die Heizung richtig dimensionieren und Sanierungen sinnvoll planen.
Heizung in großem Raum © Robert Kneschke, stock.adobe.com
Heizwärmebedarf und Heizenergiebedarf sind Kenngrößen für den Energiebedarf von Wohnräumen und Gebäuden © Robert Kneschke, stock.adobe.com
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 Um den Unterschied der beiden Begriffe vorweg zu klären:

Heizwärmebedarf und Heizenergiebedarf im Vergleich

Beide Kennzahlen werden oft verwechselt: Der Heizwärmebedarf ist die reine Wärme, die die Räume benötigen; der Heizenergiebedarf rechnet die Verluste der Heizanlage (und ggf. Warmwasser) hinzu.
Heizwärmebedarf (HWB)Heizenergiebedarf (HEB)
Bezugbeheizte Wohnfläche / Räumegesamtes Wohngebäude
Anlagenverluste enthalten?neinja – Heiztechnik, ggf. Warmwasser
BerechnungWärmeverluste − Wärmegewinnevereinfacht: HWB ÷ Jahresnutzungsgrad; normativ: Anlagenbilanz nach DIN V 18599
Auch genanntNetto-Heizwärmebedarf, Wärmebedarfrechnerischer Energiebedarf (kein Messwert)
Heizenergiebedarf: Definition
Heizenergiebedarf: Definition
Heizwärmebedarf: Definition und beeinflussende Faktoren
Heizwärmebedarf: Definition und beeinflussende Faktoren

Damit wird klar, dass der Heizenergiebedarf sich auf die Wärmemenge bezieht, die für ein gesamtes Wohnhaus notwendig ist. Er wird aus dem Heizwärmebedarf, dem Warmwasserbedarf und der Anlagenbilanz des Heizsystems (einschließlich Verteil-, Speicher- und Erzeugerverlusten sowie Hilfsenergie) ermittelt. Der Heizwärmebedarf hingegen bezieht sich auf die Wärmemenge für die zu beheizende Wohnfläche. Historisch wurde er in DIN V 4108-6 behandelt; für aktuelle Nachweise nach dem GModG (bisher GEG) ist seit 2024 DIN V 18599 maßgeblich. Demnach wird die Kennzahl auch als Netto-Heizwärmebedarf bezeichnet. Andere Bezeichnungen sind Heizbedarf, Nutzheiz-Energiekennzahl oder kurz „Wärmebedarf“.

Der Heizwärmebedarf ist eine wichtige Kenngröße für die Definition von Energiestandards bei Häusern. Für Neubauten begrenzt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bisher GEG) allerdings nicht den Heizwärmebedarf direkt, sondern den Primärenergiebedarf und die Wärmeverluste über die Gebäudehülle – bemessen an einem Referenzgebäude (seit 2023 darf der Jahres-Primärenergiebedarf höchstens 55 Prozent des Referenzwerts betragen). Als grobe Orientierung gilt für ein Niedrigenergiehaus ein Heizwärmebedarf von etwa 40 bis 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Er ist von der Gebäudehülle und den klimatischen Bedingungen am Gebäudestandort abhängig. Wobei sich die Gebäudehülle über die Wärmedurchgangskoeffizienten der Außen- und Innenwände definiert und dabei die Gesamtenergiedurchlassgrade aller Türen- und Fensterflächen berücksichtigt werden. Klingt kompliziert – ist es auch!

Fassadendämmung bei modernem Haus © schulzfoto, stock.adobe.com
Fassadendämmung bei modernem Haus © schulzfoto, stock.adobe.com

Wie viel Heizwärmebedarf ist normal?

Wie hoch der Heizwärmebedarf ausfällt, hängt vor allem vom energetischen Zustand des Gebäudes ab. Zwischen einem hocheffizienten Neubau und einem unsanierten Altbau liegt schnell der Faktor zehn. Die folgenden Größenordnungen helfen bei der Einordnung des eigenen Gebäudes:

Heizwärmebedarf nach Gebäudestandard

≤ 15 kWh/m²·aPassivhausSpitzenstandard
40–80 kWh/m²·aNiedrigenergiehausNeubau-Niveau
150–300+ kWh/m²·aunsanierter Altbauhoher Bedarf
Quelle: Passivhaus Institut (≤ 15) sowie typische Größenordnungen im Gebäudebestand

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Der Heizwärmebedarf

In die Heizwärmebedarfsrechnung fließen folgende Faktoren ein: Beschaffenheit des Mauerwerks im Innen- und Außenbereich; Art, Auf- und Ausbau des Dachs; Dämmung von Fenstern, Türen und Dach; Transmissionswärmeverluste durch die Dämmungssituation; Lüftungswärmeverlust durch (temporär) offene Türen und Fenster; Wärmequellen wie elektrische Geräte und Körperwärme der Bewohner; geografische und klimatische Einflüsse ausgedrückt im Gradtagsfaktor.

Der Heizwärmebedarf ergibt sich physikalisch somit durch Transmissions- und Lüftungswärmeverluste wie auch Wärmegewinne und den Standort. Vereinfacht ergibt sich daraus folgende Formel:

HWB = G · (HT + HL) − η · (QS + QI)
mit G = Gradtagsfaktor, HT/HL = Transmissions-/Lüftungswärmeverlust, η = Ausnutzungsgrad der Wärmegewinne, QS/QI = solare/interne Gewinne. Für Nachweise nach dem GModG (bisher GEG) ist heute die DIN V 18599 maßgeblich.

Vereinfacht: Heizwärmebedarf = Wärmeverluste (Transmission + Lüftung) − nutzbare Wärmegewinne (solar + intern), angegeben in Kilowattstunden pro Jahr bzw. pro Quadratmeter und Jahr.

Der Gradtagsfaktor [G] ergibt sich dabei aus der Gradtagszahl, dem Umrechnungsfaktor 0,024 und einem Korrekturfaktor für die Nachtabsenkung der Heizung. Die Gradtagszahl ist regional zu bestimmen. Sie summiert für Heiztage die Temperaturdifferenzen zwischen gewünschter Raumtemperatur beziehungsweise Heizgrenztemperatur und mittlerer Außentemperatur. Der Wert lässt sich aus Tabellen ablesen. Faustregel: Ist die Gradtagszahl hoch, ist es in der Region eher kalt. Ist sie klein, ist es in der Region eher warm.

Danach muss ermittelt werden, wie gut das Haus isoliert ist um die Transmissionswärmeverluste [HT]zu ermitteln. Das GModG (bisher GEG) nennt U-Wert-Höchstwerte vor allem für bestimmte Änderungen an Außenbauteilen im Bestand; beim Neubau wird der bauliche Wärmeschutz über den spezifischen Transmissionswärmeverlust gegenüber dem Referenzgebäude bewertet. Der U-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient eines einzelnen Bauteils, etwa Außenwand, Dach, Fenster oder Tür; in der Wärmeverlustrechnung wird er mit der jeweiligen Bauteilfläche multipliziert.

Transmissionswärmeverlust = Summe aus (Korrekturfaktor x U-Wert x Bauteilfläche) + (Wärmebrückenzuschlag x Hüllenfläche des Gebäudes)

Die Lüftungswärmeverluste [HL] ergeben sich aus dem Verhältnis der Luftwechselrate, dem Gebäudevolumen und dem Faktor 0,34. Bei der Heizwärmebedarfsberechnung kommt dabei folgende Formel zur Anwendung:

Lüftungswärmeverlust = 0,34 x Luftwechselrate x Luftvolumen

Wichtig: Die Norm macht für die Ermittlung des beheizten Gebäudevolumens und die Luftwechselrate genaue Vorgaben. Sie ist abhängig von der Art der Lüftungstechnik (frei oder ventilatorgestützt) sowie ob ein Luftdichtheitstest durchgeführt wurde.

Für die Berechnung des Heizwärmebedarfs [HWB] sind anschließend beide Verlustwerte zu addieren.

Summe der Wärmeverluste = Transmissionswärmeverlust + Lüftungswärmeverlust (die nutzbaren Wärmegewinne werden anschließend abgezogen)

Sind die Verluste ermittelt, werden noch die Wärmegewinne [Q] berücksichtigt. Denn diese senken den Heizwärmebedarf. Für die solaren Gewinne [QS] sind zunächst die Summen aller transparenten Bauteile zu bilden. Diese werden mit einer Reihe von Korrekturfaktoren und den spezifischen Einstrahlungswerten der Sonne multiplizieren.

Solare Gewinne = Summe (Einstrahlung x Energiedurchlassgrad der Fenster x Fläche x Korrekturfaktoren) pro Himmelsrichtung

Die internen Wärmegewinne [QI] ergeben sich aus vorgegebenen Werten und der Länge der Heizperiode in Tagen. Die Länge der Heizperiode beträgt im Durchschnitt 185 Tage. Der Faktor 0,024 dient der Umrechnung der einzelnen physikalischen Einheiten.

Interne Wärmegewinne = 5 x Nutzfläche x Länge der Heizperiode x 0,024

Der in der Gesamtformel verwendete Ausnutzungsgrad η bezieht sich auf die nutzbaren Wärmegewinne insgesamt (solare und interne Gewinne); im vereinfachten Verfahren wird häufig rund 0,95 angesetzt.

Für Bedarfs- und Heizlastberechnungen werden standardisierte Nutzungsbedingungen beziehungsweise Norm-Innentemperaturen angesetzt; das sind keine allgemein gesetzlich festgelegten Mindesttemperaturen für den Alltag. Als Praxiswerte empfehlen Verbraucherzentralen meist etwa 19 bis 21 °C in Wohn- und Essräumen, 21 bis 24 °C im Bad und rund 18 °C im Schlafzimmer; die konkrete Auslegung sollte ein Fachbetrieb oder Energieberater anhand der verwendeten Norm prüfen.

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Heizenergiebedarf

Der Heizenergiebedarf ist die Energiemenge, die für die Beheizung eines kompletten Wohngebäudes notwendig ist. Bei der Berechnung des Heizenergiebedarfs fließen die gleichen Faktoren ein, wie beim Heizwärmebedarf. Allerdings wird hier auch der Energiebedarf des Heizungssystems berücksichtigt, den das Heizsystem aufwendet, um die Innentemperatur konstant auf dem Zielwert zu halten. Wird auch die Warmwasserbereitung über das Heizungssystem gewährleistet, ist dieser Energiebedarf ebenfalls einzurechnen.

Wer seinen Energiebedarf kennt, kann sicher planen
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Daraus ergibt sich:

HEB = HWB + HTEB (+WWWB)

Heizenergiebedarf = Heizwärmebedarf + Heiztechnikenergiebedarf (+Warmwasserwärmebedarf)

Vereinfacht lässt sich der Energieeinsatz für die Raumheizung über den Jahresnutzungsgrad abschätzen. Er beschreibt das Verhältnis von abgegebener Nutzwärme zur zugeführten Endenergie über ein Jahr und berücksichtigt damit auch Betriebs- und Bereitschaftsverluste; für Nachweise nach dem GModG (bisher GEG) wird die Anlagentechnik heute detailliert nach DIN V 18599 bilanziert.

Hier ergibt sich die Formel:

Vereinfachte Abschätzung: HEB ≈ HWB / ƞH,Jahr (ohne Warmwasser)

Vereinfachte Abschätzung: Heizenergiebedarf für die Raumheizung = Heizwärmebedarf / Heizungsjahresnutzungsgrad; Warmwasser und Anlagenbilanz kommen separat hinzu.

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