Angesichts der hohen Gas- und Ölpreise überlegen viele Hausbesitzer und Mieter, wie sie ihre Heizkosten senken können. Soll man schon im Spätsommer die Heizung einschalten? Kann man an milden Wintertagen aufs Heizen verzichten? Lesen Sie in unserem Artikel, welche Faktoren bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Heizgrenztemperatur – im Schnitt rund 15 °C Außentemperatur – bestimmt, ab wann die Heizung anspringt; je besser gedämmt, desto niedriger liegt sie.
- In der Heizperiode – meist Anfang Oktober bis Ende April – müssen Vermieter tagsüber mindestens 20 °C und nachts 18 °C ermöglichen.
- In der Übergangszeit besser moderat absenken: Räume sollten nicht auskühlen, 16 bis 18 °C sind ein sinnvoller Mindestbereich.
- Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart als Faustregel rund sechs Prozent Heizenergie.
Was ist die Heizgrenztemperatur?
Die Heizgrenztemperatur bezeichnet die mittlere Außentemperatur, ab der ein Gebäude zusätzliche Heizwärme benötigt, um die gewünschte Innentemperatur zu halten. In Deutschland wird als Richtwert häufig 15 Grad angesetzt.
Gesetzlich festgelegt ist die Heizgrenztemperatur nicht. Dennoch gibt es Gerichtsurteile, nachdem zwischen sechs und dreiundzwanzig Uhr in der ganzen Wohnung mindestens 20 Grad und nachts mindestens 18 Grad herrschen müssen.
Das bedeutet nicht zwingend, dass der Vermieter an einem kühlen Junitag die Heizungsanlage einschalten muss. Er muss jedoch während der Heizperiode gewährleisten, dass in allen Räumen die oben genannten Temperaturen eingehalten werden. Dabei geht die Heizperiode in der Regel vom ersten Oktober bis Ende April. Im Mietvertrag dürfen Vermieter eine längere, aber keine kürzere Heizperiode vereinbaren.
Auch außerhalb der Heizsaison muss die Heizung bei Kälteeinbrüchen nutzbar sein: Sinkt die Zimmertemperatur tagsüber unter 18 Grad und hält die Kälte voraussichtlich ein bis zwei Tage an, muss der Vermieter in der Regel heizen; unter 16 Grad gilt das sofort.

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Welche Rolle spielt das Gebäude?
Die folgende Übersicht zeigt sowohl den Wärmebedarf (Leistung) pro Quadratmeter als auch die Heizgrenztemperatur für verschiedene Bauweisen. Dabei fällt der große Unterschied zwischen älteren und modernen Gebäuden auf. Vor allem Fenster mit einer Einfachverglasung sowie ungedämmte Fassaden und Dächer führen dazu, dass viel Wärme verloren geht und der Energiebedarf sich erhöht.
Wärmebedarf und Heizgrenze nach Gebäudetyp
| Gebäudetyp | Spezifische Heizlast (Richtwert) | Heizgrenztemperatur | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Unsanierter Altbau | 120–200 W/m² | 15–17 °C | Heizung springt früh an |
| Sanierter Altbau | 60–100 W/m² | 14–16 °C | mittel |
| Niedrigenergiehaus | 40–60 W/m² | 12–15 °C | günstig |
| Effizienzhaus (z. B. KfW 55) | 30–50 W/m² | 11–14 °C | günstig |
| Passivhaus | max. 10 W/m² | unter 10 °C | kaum Heizbedarf |

Der Energieausweis zeigt Endenergiebedarf oder Endenergieverbrauch und die Effizienzklasse – nicht zwingend eine Heizgrenze. © Alexander Raths, stock.adobe.com
Welche Temperatur sollte man in welchen Räumen anstreben?
Die Wohlfühltemperatur ist bei jedem Menschen unterschiedlich, dennoch gelten allgemeine Empfehlungen. Sind Räume im Winter dauerhaft zu kalt, droht Schimmel. Ist die Heizung dagegen zu hoch eingestellt, sind trockene Schleimhäute die Folge, die wiederum Erkältungen und Kopfschmerzen begünstigen.

Folgende Temperaturen sollten Sie in Ihren eigenen vier Wänden anstreben:
- Im Wohnzimmer sind 20 bis 22 Grad und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent ideal. Auch im Büro fühlen sich bei dieser Temperatur die meisten Menschen wohl.
- Im Bad sollten Sie 22 bis 23 Grad einstellen, um nach dem Duschen nicht zu frieren.
- In der Küche setzen Herd und Backofen genug Wärme frei. Aus diesem Grund reicht es, wenn die Heizung auf Stufe 3 (zirka 20 Grad) eingestellt ist.
- Das Schlafzimmer sollte mit 16 bis 19 Grad kühler als die restlichen Räume sein, damit der Schlaf erholsam ist.
- Im Kinderzimmer sind meist etwa 20 bis 22 Grad sinnvoll; bei Babys und Kleinkindern kann es etwas wärmer sein.

Soll ich im Frühling und im Herbst heizen?
Ab April beziehungsweise ab Ende September bis Ende Oktober erreichen die Tagestemperaturen oft 20 Grad. Die Nächte bleiben oder werden jedoch kalt, zum Teil sinkt das Thermometer unter 10 Grad. Wer die Heizung komplett ausschaltet, lässt die Räume zu stark abkühlen. Bibbern Sie am nächsten Morgen, braucht die Heizung lange, um den Temperatursturz zu kompensieren.
Viel besser ist es, die Heizung auf die niedrigste oder zweitniedrigste Stufe zu stellen (entspricht 12 beziehungsweise 16 Grad). Tagsüber nutzen Sie die Kraft der Sonne, indem Sie die Vorhänge aufziehen und den Strahlen die Zimmer aufwärmen lassen. Ziehen Sie sie abends wieder zu, bleibt die Wärme im Raum.
Sollte ich heute schon heizen?
1. Liegt die Außentemperatur mehrere Tage unter etwa 15 °C?
2. Sinkt die Raumtemperatur trotz Sonne und Lüften unter Ihren Wohlfühlwert?
3. Werden die Nächte spürbar kalt (unter 10 °C)?

Moderne Heizungssteuerung entscheidet automatisch
Wer die Frage „ab wann heizen?“ nicht täglich selbst beantworten möchte, kann sie der Heizungsregelung überlassen. Eine witterungsgeführte Regelung misst die Außentemperatur und fährt die Heizkennlinie entlang: Oberhalb der eingestellten Heizgrenze bleibt die Anlage aus, darunter springt sie automatisch an. Programmierbare oder smarte Thermostate senken die Temperatur zusätzlich nachts und bei Abwesenheit ab. So läuft die Heizung nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird – das spart Energie, ohne dass die Räume auskühlen.
Heizkosten: Wie kann ich clever sparen?
Millionen Mieter in Deutschland haben keinen Einfluss auf mögliche Dämmmaßnahmen oder auf die Heizungsart. Dennoch können auch sie mit einfachen Maßnahmen Ihre Heizkosten senken, ohne dass es ungemütlich wird:
- Stoßlüften ist viel effizienter als gekippte Fenster. Im Winter reichen fünf Minuten statt einer Stunde, um die Luft im ganzen Raum auszutauschen. Noch besser ist querlüften, da der Luftaustausch wegen des Durchzugs noch schneller vorangeht.
- Stellen Sie die Heizkörper nicht mit Möbeln oder Vorhängen zu.
- Dämmen Sie Rollladenkästen und Heizungsrohre, um Wärmeverluste zu minimieren.
- 24 Grad im Wohnzimmer müssen nicht sein. Als Faustregel bedeutet ein Grad weniger rund sechs Prozent weniger Heizkosten – bei modernen, gut gedämmten Gebäuden fällt die Ersparnis etwas geringer aus.
Ganz gleich, ob Sie mit Gas, Öl, Holz oder erneuerbaren Energien heizen, wenn es kalt wird, möchten wir es zu… weiterlesen




