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Boiler-Temperatur richtig einstellen

Es klingt nach einer einfachen Faustregel: Je heißer das Wasser im Speicher steht, desto mehr Wärme verliert der Behälter – und desto teurer wird es. Der Umkehrschluss, die Boiler-Temperatur einfach möglichst weit abzusenken, führt aber in die Irre. Denn ein Warmwasserspeicher ist ein Trinkwasserspeicher, und dort entscheidet die Temperatur nicht nur über die Stromrechnung, sondern auch über die Hygiene. Die richtige Boiler-Temperatur ist deshalb ein Kompromiss mit einer klaren Untergrenze.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Boiler gehört auf rund 60 °C – unter 50 °C sollte er nie dauerhaft laufen.
  • Die Wohlfühltemperatur wird an der Armatur gemischt, nicht am Speicher eingestellt.
  • Legionellen vermehren sich vor allem zwischen 25 und 45 °C, ab 60 °C sterben sie ab.
  • Gespart wird über Dämmung, Speichergröße und Sparduschkopf – nicht über den Temperaturregler.
Wasserboiler im Badezimmer © GulArt, stock.adobe.com
Die Boiler-Temperatur im Speicher sollte aus Hygienegründen nicht auf Duschtemperatur abgesenkt werden © GulArt, stock.adobe.com
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Energieverlust vermeiden – Geld sparen

Wichtig ist zunächst, zwei Temperaturen auseinanderzuhalten. Da ist die Temperatur an der Zapfstelle: Etwa 35 Grad werden als handwarm empfunden, beim Duschen liegt die Wohlfühltemperatur zwischen 35 und 40 Grad – jeder Mensch hat da seine eigene Vorstellung. Und da ist die Speichertemperatur im Boiler, die deutlich höher liegen muss. Gemischt wird an der Armatur. Wer beides gleichsetzt und den Speicher auf Duschtemperatur herunterdreht, spart zwar Wärmeverluste, züchtet im Behälter aber genau die Bedingungen, unter denen sich Keime am wohlsten fühlen. Beim Warmwasser gilt deshalb: An der Armatur regeln, nicht am Speicher.

Mit der Warmwassertemperatur Energie sparen – aber an der Armatur, nicht am Speicher: Der bleibt auf 60 Grad
Mit der Warmwassertemperatur Energie sparen – aber an der Armatur, nicht am Speicher: Der bleibt auf 60 Grad

Dass die Temperatur einen Hebel darstellt, ist unbestritten. Der Bund der Energieverbraucher hat dazu eine Beispielrechnung aufgestellt: Wer die Boiler-Temperatur von 65 auf 40 Grad senkt, verringert die Wärmeverluste bei 20 Grad Raumtemperatur um mehr als die Hälfte. Bei einem elektrisch betriebenen Boiler und Stromkosten von 30 Cent je Kilowattstunde entspricht das rund 44 Euro im Jahr; beim heutigen Haushalts-Strompreis von etwa 37 Cent sind es entsprechend gut 50 Euro. Nur: Diese 40 Grad sind aus Hygienesicht keine Option – der Betrag zeigt, wie viel eine schlechte Dämmung kostet, nicht, wie tief man den Speicher stellen darf.

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Auskühlung von Warmwasserboilers (Quelle: Bund der Energieverbraucher)
Auskühlung von Warmwasserboilers (Quelle: Bund der Energieverbraucher)

Grund ist die Auskühlung von Warmwasserboilern. In der Grafik hat der Bund der Energieverbraucher dargestellt, wie ein neuer 80-Liter-Warmwasserboiler auskühlt. Die Steilheit des Pfeils zeigt den Wärmeverlust: Bei 65 Grad ist er doppelt so steil wie bei 40 Grad. Wer seinen Boiler dauerhaft auf Maximalstufe (82 °C) betreibt, verliert – ebenfalls bei 30 Cent je Kilowattstunde gerechnet – jährlich rund 110 Euro allein an Bereitschaftswärme. Die Maximalstufe bringt hygienisch nichts, was 60 Grad nicht auch leisten, und sie beschleunigt zusätzlich die Verkalkung des Heizstabs.

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Genau hier liegt die Grenze. Die Trinkwasserverordnung selbst nennt keine Temperatur – sie verpflichtet aber darauf, Trinkwasseranlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu betreiben. Und die stehen im DVGW-Arbeitsblatt W 551: Der Trinkwassererwärmer wird am Austritt auf 60 °C betrieben, in einer Zirkulationsleitung dürfen die Temperaturen an keiner Stelle unter 55 °C fallen. Für Kleinanlagen – dazu zählen Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Speicher unter 400 Litern – gilt dieselbe Empfehlung: 60 °C am Speicher, und Betriebstemperaturen unter 50 °C sollen vermieden werden.

Der Unterschied zwischen Ein- und Mehrfamilienhaus liegt nicht in der empfohlenen Temperatur, sondern in der Prüfpflicht: Großanlagen – also Speicher über 400 Liter oder Leitungen mit mehr als drei Litern Inhalt zwischen Erwärmer und Zapfstelle – müssen bei Vermietung regelmäßig auf Legionellen untersucht werden. Ein selbst genutztes Ein- oder Zweifamilienhaus muss das nicht. Aus der fehlenden Untersuchungspflicht wird jedoch häufig fälschlich abgeleitet, im Eigenheim sei auch die Temperatur egal. Das ist der Denkfehler, der diesen Ratgeber-Klassiker seit Jahren begleitet – krank werden kann man im eigenen Haus genauso.

Was passiert bei welcher Speichertemperatur?

unter 25 °C · kaum Vermehrung
25–45 °C · Legionellen vermehren sich
45–55 °C · Wachstum verlangsamt
55–60 °C · Wachstum gehemmt
ab 60 °C · Absterben, Zielwert

Der Boiler wird auf rund 60 °C betrieben. Betriebstemperaturen unter 50 °C sollen laut DVGW-Arbeitsblatt W 551 vermieden werden – auch im Ein- und Zweifamilienhaus. Die angenehme Duschtemperatur entsteht danach durch Mischen an der Armatur.

Quelle: DVGW-Arbeitsblatt W 551, Umweltbundesamt

Was Legionellen wirklich brauchen, ist stehendes, lauwarmes Wasser – die Skala oben zeigt, wo es kritisch wird. Wer täglich duscht, tauscht das Wasser im Speicher ohnehin regelmäßig aus – das senkt das Risiko, ersetzt aber die Temperatur nicht. Wichtig wird es nach Abwesenheit: Wurden die Leitungen mehr als drei Tage nicht genutzt, erst gründlich spülen. Das warme Wasser so lange laufen lassen, bis es dauerhaft seine gewohnte Temperatur erreicht hat, das kalte, bis es richtig kalt aus der Leitung kommt.

Legionellen: Über eine niedrige Warmwasser-Temperatur freuen sich Legionellen
Legionellen: Über eine niedrige Warmwasser-Temperatur freuen sich Legionellen
Die richtige Wassertemperatur verhindert Legionellen
Die richtige Wassertemperatur verhindert Legionellen

Verschluckt sind Legionellen weitgehend harmlos – gefährlich werden sie erst als feiner Sprühnebel, den man unter der Dusche einatmet. Deshalb gilt nach längerer Abwesenheit: Duschkopf abnehmen oder bodennah in die Wanne legen, damit kein Aerosol entsteht, und das heiße Wasser einige Minuten laufen lassen. Fenster dabei öffnen und den Raum verlassen.

Sparen, ohne die Temperatur zu senken

Bleibt die Frage, die diesen Artikel überhaupt erst nötig macht: Wo lässt sich beim Boiler Geld sparen, wenn die Temperatur bei 60 Grad festgenagelt ist? Die Antwort liegt nicht im Thermostat, sondern in der Hülle und in der Nutzung. Ein Warmwasserspeicher verliert Wärme über seine Oberfläche und über die angeschlossenen Rohre – und diese Verluste laufen rund um die Uhr, unabhängig davon, wie viel Wasser Sie tatsächlich zapfen. Ein zu groß dimensionierter Speicher hält daher permanent Wasser warm, das nie gebraucht wird, und ungedämmte Anschlussleitungen wirken wie kleine Heizkörper. Der zweite Hebel ist die Menge: Jeder Liter, der nicht erwärmt wird, kostet gar nichts. Jeder Liter, der gar nicht erst erwärmt wird, kostet nichts – und anders als das Herunterdrehen des Reglers hat dieser Hebel keine Nebenwirkungen. Wo genau Sie ansetzen können, zeigt die folgende Liste.

So senken Sie die Kosten – ohne Hygiene-Risiko

Speicher und Anschlussleitungen dämmen. Der Wärmeverlust entsteht an der Hülle. Vor allem die ersten Meter Rohr hinter dem Speicher sind oft nackt – Dämmschalen kosten wenig und wirken sofort.
Speichergröße prüfen. Ein zu großer Speicher hält Wasser warm, das niemand zapft. Als Richtwert gelten 30 bis 60 Liter je Person.
Sparduschkopf einbauen. Halbierter Durchfluss bedeutet halb so viel Warmwasser – der größte Einzelhebel, ohne Komfortverlust.
Zeitsteuerung nur mit Hygiene-Blick nutzen. Vermeiden Sie lange lauwarme Speicherphasen. Der Speicher sollte nicht dauerhaft unter 60 °C betrieben werden; im Zweifel Fachbetrieb oder Herstellerangaben prüfen.
Heizstab entkalken lassen. Kalk wirkt wie eine Dämmschicht auf dem Heizelement und treibt den Stromverbrauch. Bei hartem Wasser lohnt der Blick alle paar Jahre.
Nach Urlaub gründlich spülen. Stand das Wasser mehr als drei Tage, erst heiß spülen – Duschkopf dabei bodennah halten, damit kein Sprühnebel entsteht.
Wasserhahn © pixelot, stock.adobe.com
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