Ein Feuer im Kaminofen versorgt nicht nur das Zuhause mit zusätzlicher, sehr angenehmer Wärme und es macht mit dem „Gemütlichkeits-Faktor“ auch lange dunkle Winterabende erträglich. Um zu brennen, benötigt der Brennstoff (Holz wie auch Holzbriketts oder Ähnliches) ausreichend Sauerstoff. Dieser kommt auf verschiedenen Wegen zum Holz.
Wer einen Kaminofen sein Eigen nennt, der weiß, dass die richtige Luftzufuhr für das Feuer unabdingbar ist. Und dies gilt für alle Phasen des Feuers – vom Anzünden über den Abbrand bis zur Glutphase. Gut zu wissen, welche Rolle Primär-, Sekundär- und Tertiärluft spielen und wann welche Luftzufuhr eine Rolle spielt. Nur im Zusammenspiel des Feuers mit der richtigen Sauerstoffzufuhr wird ein sauberes Feuer mit möglichst geringen Emissionen erreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Primärluft kommt von unten durch den Rost und wird vor allem zum Anzünden gebraucht.
- Sekundärluft strömt vorgewärmt von oben, versorgt die Flamme und hält als Scheibenspülung das Glas frei.
- Tertiärluft verbrennt die Restgase in der Flamme nach – das kann Kohlenmonoxid und Feinstaub senken.
- In der Glutphase bleibt die Luft leicht geöffnet; zugedreht wird erst, wenn die Glut aus ist.
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Primärluft
Die Primärluft strömt von unten durch den Rost ans Feuer – bei raumluftabhängigen Öfen aus dem Aufstellraum, bei raumluftunabhängigen über eine eigene Leitung von außen. Für die Primärluft gibt es bei modernen Kaminöfen ebenso wie für die Sekundärluft einen Schieber, der von vorne bedient wird. Ältere Modelle erhalten die Primärluft lediglich über den Aschekasten. Beim Anheizen braucht das Feuer viel Verbrennungsluft; stellen Sie den Regler nach Bedienungsanleitung auf Anheizstellung – bei vielen Öfen mit Rost heißt das: Primärluft ganz öffnen. Die Ofentür bleibt dabei geschlossen, sofern die Anleitung nichts anderes vorsieht – Kaminöfen sind für den Betrieb mit geschlossener Feuerraumtür gebaut. Ein Anheizen mit offener Tür führt zu Rauchaustritt und Funkenflug; bei mehrfach belegten Schornsteinen ist der Betrieb mit offener Tür ohnehin nicht zulässig. Die Primärluft ist also die kühle Luft, die von unten an das Brennmaterial gelangt und vor allem in der Anzündphase gebraucht wird.

Ist die Anzündphase beendet und das Brennholz brennt mit großen Flammen gleichmäßig, wird die Primärluft weitgehend geschlossen. Würde auch in dieser Phase viel Primärluft zuströmen, brennt das Holz zu schnell ab und gibt wenig Wärme in den Raum ab. Ganz zudrehen lässt sich der Schieber bei den meisten Öfen nicht – und das ist Absicht: Ein Grundstrom an Luft muss erhalten bleiben, damit die Verbrennung nicht ins Schwelen kippt.

Sekundärluft
Die nächste Phase des Feuers ist die Hauptbrand- oder Abbrandphase. Nun kommt der Sekundärluft die Hauptrolle zu, um das Feuer mit Sauerstoff zu versorgen. Die Sekundärluft wird dem Feuer von oben zugeführt. Sie ist im Gegensatz zur Primärluft außerdem vorgewärmt. Je nach Modell des Kaminofens wird die Sekundärluft hinter der Rückwand nach oben geleitet oder gelangt oberhalb der Scheibe zum Feuer.

Die Sekundärluft versorgt nicht nur das Feuer in dieser Phase kontinuierlich mit ausreichend Sauerstoff und sorgt für eine saubere, emissionsarme Verbrennung. Die Sekundärluft wird auch als sogenannte Scheibenspülung genutzt. Dabei fällt ein Teil der Sekundärluft von oben innen an der Kaminofenscheibe hinunter und sorgt damit für höhere Temperaturen entlang der Kaminofenscheibe. Das verhindert ein Verrußen der Scheibe.
Die Sekundärluft kann mit dem vorhandenen Schieber geregelt werden. Wird die Sekundärluft gedrosselt, brennt das Feuer nicht mehr ganz so heiß. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass immer genügend Sauerstoff vorhanden ist, um einen sauberen Abbrand zu gewährleisten. Die genaue Einstellung der Schieber ist von Ofenmodell zu Ofenmodell unterschiedlich – als Kaminbesitzer hat man hier schnell die richtigen Erfahrungswerte. Immer sollte die Bedienungsanleitung des Ofens herangezogen werden.
Tertiärluft
Neben Primär- und Sekundärluft bieten einige Kaminofenmodelle noch die Tertiärluft an. Sie strömt vorgewärmt über eine Reihe kleiner Düsen in der Brennraum-Rückwand oben in die Flamme und ist in der Regel nicht regelbar. Ihre Aufgabe ist eine eigene: Sie verbrennt die Restgase nach, die die Flamme sonst unverbrannt verlassen würden – vor allem Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe. Diese Nachverbrennung kann Kohlenmonoxid- und Feinstaubemissionen senken; ob ein konkreter Ofen die Grenzwerte der 1. BImSchV einhält, weist die Herstellerbescheinigung zur Typprüfung aus.
Die drei Luftströme im Vergleich
| Luftstrom | Weg in den Brennraum | Wichtig in der Phase | Regelbar? |
|---|---|---|---|
| Primärluft | von unten durch den Rost | Anzünden | ja, per Schieber |
| Sekundärluft | vorgewärmt von oben, an der Scheibe entlang | Abbrand | ja, per Schieber |
| Tertiärluft | Düsenreihe in der Rückwand, oben in die Flamme | Nachverbrennung | meist nein |
Fazit
Für ein sauberes Feuer im Kaminofen ist die richtige Luftzufuhr in den drei Brand-Phasen wesentlich. Hier kommt es auf das richtige Zusammenspiel von Primär-, Sekundär- und Tertiärluft an. Kurz gefasst sieht dieses Zusammenspiel so aus:
- Anzündphase: Primärluft voll geöffnet
- Abbrandphase: Primärluft drosseln, Sekundärluft öffnen
- Glutphase: Luft leicht geöffnet lassen, bis die Glut durchgebrannt ist – erst danach zudrehen
Bei Bedarf beginnt mit dem Nachlegen der nächsten Ladung Brennholz der Zyklus wieder von vorne. Ein Punkt ist dabei wichtiger als jede Schieberstellung: Wer in der Glutphase die Luft komplett zudreht, um die Wärme länger im Ofen zu halten, erreicht das Gegenteil. Das Holz vergast weiter, verbrennt aber nicht mehr vollständig. Es entsteht Kohlenmonoxid, Ruß setzt sich in Scheibe und Schornstein ab. Die Luftzufuhr wird deshalb erst geschlossen, wenn keine Glut mehr sichtbar ist.
Schnell-Check: Was sagt Ihr Flammenbild?
1. Brennen die Flammen hell, ruhig und gelb?
Ja
Sauberer Abbrand
Sekundärluft so lassen, Primärluft bleibt weitgehend geschlossen.
Ergebnis
Nein, dunkel und träge
Zu wenig Luft
Die Verbrennung droht ins Schwelen zu kippen.
→ Frage 2
2. Rußt zusätzlich die Sichtscheibe zu?
Ja
Sekundärluft öffnen
Die Scheibenspülung fehlt. Sekundärluft aufmachen und trockenes Holz (Restfeuchte unter 25 %) nachlegen.
Ergebnis
Nein
Mehr Luft geben
Sekundärluft weiter öffnen. Bleibt das Feuer träge, ist das Holz zu feucht oder der Ofen zu groß für die Holzmenge.
Ergebnis
Die richtige Einstellung verlangt ein bisschen Übung, wer sein Feuer beobachtet und mit den Reglern für Primär- und Sekundärluft ein wenig experimentiert, erkennt schnell den Einfluss auf das Verhalten des Feuers.

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