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Lohnt sich eine Wärmepumpe?

Lohnt sich eine Wärmepumpe? Wann ja – und wann (noch) nicht

Die Frage ist berechtigt. Eine Wärmepumpe kostet vor Förderung häufig deutlich mehr als eine neue Gasheizung, ihr Betrieb hängt am Strompreis, und die Skeptiker haben Beispiele parat, in denen die Stromrechnung nach dem Umstieg höher war als vorher die Gasrechnung. Diese Beispiele gibt es tatsächlich – und sie haben fast immer dieselben Ursachen: eine zu hohe Vorlauftemperatur, ein Haushaltsstromtarif statt eines Wärmepumpentarifs oder ein Haus, das vor dem Umstieg keine Vorarbeit bekommen hat.

Ob sich die Wärmepumpe für Ihr Haus rechnet, hängt an drei Größen: der Investition nach Förderung, dem Verhältnis zwischen Strompreis und Brennstoffpreis und der Jahresarbeitszahl, also der Effizienz im echten Betrieb. Dieser Ratgeber rechnet alle drei durch – mit aktuellen Preisen, einem Vollkostenvergleich über 20 Jahre, vier Szenarien und einem eigenen Abschnitt für die Fälle, in denen die ehrliche Antwort heute „noch nicht“ lautet. Zuletzt geprüft: September 2026.

Wärmepumpe © caifas, stock.adobe.com
Wärmepumpe © caifas, stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Wärmepumpe heizt günstiger, wenn Strompreis ÷ Jahresarbeitszahl unter den Gas-Wärmekosten liegt – dafür den Gaspreis durch den Kessel-Nutzungsgrad teilen.
  • Im sanierten Einfamilienhaus amortisiert sich die Mehrinvestition mit Wärmepumpentarif nach rund neun Jahren; mit Haushaltsstrom liegt sie im Beispiel bei rund 21 Jahren.
  • Im unsanierten Altbau sind Heizflächen, Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich vor der Entscheidung zu prüfen; sie bestimmen Effizienz und Kosten.
  • Förderung, Jahresarbeitszahl und Stromtarif drehen das Ergebnis stärker als der Gerätepreis; der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab Februar 2027.
Wärmepumpen haben niedrige Betriebskosten
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Die Ein-Zeilen-Rechnung

Die kürzeste Antwort auf die Frage passt in eine Zeile: Eine Wärmepumpe heizt günstiger als eine Gasheizung, wenn der Strompreis geteilt durch die Jahresarbeitszahl kleiner ist als der Gaspreis je Kilowattstunde Wärme.

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht; im Bestand liegt sie laut dem Feldtest des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel bei 3,4, bei Erdwärmepumpen bei 4,3 – ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Baujahr des Hauses. Für die Rechnung nehmen wir 3,5 an.

Die Jahresarbeitszahl macht die Leistung der Wärmepumpe vergleichbar
Die Jahresarbeitszahl macht die Leistung der Wärmepumpe vergleichbar

Auf der Preisseite gehen vier Werte in die Rechnung ein. Genannt ist jeweils erst der Marktpreis im Sommer 2026, dann die Annahme, mit der dieser Ratgeber rechnet:

  • Haushaltsstrom: rund 31 Cent je Kilowattstunde laut Verivox-Verbraucherpreisindex im Juli 2026 (Verivox-Haushaltspreis, kein Neukundenpreis mit definiertem Verbrauchsfall und Preisbestandteilen), rund 37 Cent im BDEW-Durchschnittspreis für Haushalte 2026 – Rechenannahme: 34 Cent
  • Wärmepumpentarif: 27,44 Cent im Schnitt zum 1. April 2025 laut Monitoringbericht 2025 der Bundesnetzagentur, für Wärmepumpen mit getrennter Messung; für September 2026 ist das nur eine Fortschreibung – Rechenannahme: 27 Cent
  • Gas: rund 9 bis 10 Cent für Neukunden, knapp 11 Cent für Bestandskunden laut Verivox-Gaspreisindex im Juli 2026 – der CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro je Tonne ist darin bereits enthalten – Rechenannahme: 10,5 Cent
  • Heizöl: rund 1,42 bis 1,50 Euro je Liter Anfang September 2026 laut HeizOel24, je nach Region und Bestellmenge (Deutschland-Durchschnitt für 3.000 Liter am 1. September: rund 1,40 Euro), nach etwa 1 Euro zu Jahresbeginn – Rechenannahme: 1,20 Euro je Liter als vorsichtiger Mittelwert

Beim Wärmepumpentarif gehören drei Dinge auseinandergehalten, die oft in einen Topf geworfen werden:

  • Der Wert von 27,44 Cent bezieht sich ausdrücklich auf Wärmepumpen mit getrennter Messung.
  • Die Netzentgeltreduzierung nach § 14a EnWG setzt eine steuerbare Anlage voraus.
  • Und ob ein Anbieter sie im Liefervertrag weitergibt, ist noch einmal eine eigene Frage.

So sieht die Zeile mit diesen Zahlen aus:

Die Ein-Zeilen-Rechnung: Wärmekosten je Kilowattstunde

7,7 ctWärmepumpe mit WärmepumpentarifRechenannahme 27 ct/kWh Wärmepumpentarif ÷ Jahresarbeitszahl 3,5
9,7 ctWärmepumpe mit HaushaltsstromRechenannahme 34 ct/kWh Haushaltsstrom ÷ Jahresarbeitszahl 3,5
10,5–11,3 ctGas-Brennwertheizung10–10,7 ct/kWh Gas inkl. CO₂-Preis, Nutzungsgrad 95 %
13–17 ctÖlheizung1,20–1,50 €/l Heizöl, Nutzungsgrad 90 %
Quellen: Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2025 (Wärmepumpentarif zum 1. April 2025 – als Rechenannahme); Verivox, Strompreisindex Juli 2026 · Rechenannahmen heizsparer.de, Stand September 2026

Das Ergebnis ist eindeutig, aber nicht spektakulär: Mit Wärmepumpentarif liegt die Wärmepumpe rund 3 Cent je Kilowattstunde Wärme unter Gas, mit Haushaltsstrom nur knapp darunter – und gegenüber Öl deutlich vorn. Bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf sind 3 Cent 600 Euro im Jahr. Ob das die höhere Investition trägt, entscheidet die zweite Rechnung. Wie sich der Stromverbrauch einer Wärmepumpe zusammensetzt und welche Stromtarife für Wärmepumpen es gibt, erklären eigene Ratgeber.

Die Rechnung, die wirklich zählt: Beispielvergleich der Kosten über 20 Jahre

Wer nur den Kaufpreis vergleicht, vergleicht falsch – und wer die Wärmepumpe gegen die alte Gasheizung rechnet, ebenfalls. Die faire Vergleichsbasis für die Entscheidung, die beim anstehenden Kesseltausch fällt, ist eine neue Gas-Brennwertheizung; eine funktionierende Bestandsheizung darf weiterbetrieben werden, eine Austauschpflicht gibt es nicht mehr seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz.

Der Referenzfall:

  • ein saniertes Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr
  • Jahresarbeitszahl 3,5
  • Ersatz einer funktionstüchtigen Gasheizung, die älter als 20 Jahre ist
  • damit greift neben der Grundförderung von 30 Prozent der Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent, für Anträge bis zum 31. Januar 2027, bei einem Kostendeckel von 28.000 Euro

Die Investitionsspannen stammen aus dem Ratgeber zu den Wärmepumpen-Kosten (Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Montage 25.000 bis 40.000 Euro) und dem Ratgeber zu den Kosten einer Gasheizung (10.000 bis 15.000 Euro).

Beispielvergleich über 20 Jahre: Wärmepumpe gegen neue Gasheizung

Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Montage, saniertes Einfamilienhaus32.000 €
−
Zuschuss: Grundförderung 30 % plus Klimageschwindigkeitsbonus 16 % auf höchstens 28.000 €12.880 €bis 1/2027
=
Investition Wärmepumpe nach Förderung19.120 €
Investition neue Gas-Brennwertheizung, ohne Förderung12.500 €
=
Mehrinvestition Wärmepumpe6.620 €
Jahreskosten Wärmepumpe: 5.714 kWh Strom × 27 ct + 200 € Wartung1.743 €/Jahr
Jahreskosten Gasheizung: 21.050 kWh Gas × 10,5 ct + 250 € Wartung und Schornsteinfeger2.461 €/Jahr
=
Ersparnis der Wärmepumpe pro Jahr718 €
Amortisation der Mehrinvestition im Beispiel – mit Haushaltsstrom statt Wärmepumpentarif rund 21 Jahrerund 9 JahreBeispiel
Annahmen Eigenes Rechenbeispiel heizsparer.de: 20.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr, Jahresarbeitszahl 3,5, Rechenannahmen Wärmepumpentarif 27 ct/kWh (Haushaltsstrom 34 ct/kWh: 2.143 €/Jahr, Ersparnis 318 €/Jahr), Gas 10,5 ct/kWh inklusive CO₂-Preis 2026, Brennwert-Nutzungsgrad 95 %, Preise konstant. Über 20 Jahre spart die Wärmepumpe mit Wärmepumpentarif rund 7.700 Euro; steigt der CO₂-Preis ab 2028 im Mittel um 1 ct/kWh Gas, sind es rund 12.000 Euro. Die angesetzten 46 Prozent Förderung (BEG-Reform 21. Juli 2026, Antrag bis 31. Januar 2027) setzen Selbstnutzung und eine bonusberechtigte Altanlage voraus; ohne Klimageschwindigkeitsbonus (30 Prozent, Zuschuss 8.400 €) steigt die Mehrinvestition auf rund 11.100 Euro – Amortisation dann rund 15 Jahre mit Wärmepumpentarif, rund 35 Jahre mit Haushaltsstrom. Nicht enthalten: Finanzierungskosten, Reparaturen und Ersatzinvestitionen, Preisänderungen sowie künftige Mehrkosten neuer fossiler Heizungen durch die Erfüllungswege des § 43 GModG ab 2029.
Quellen: KfW, Förderprodukt 458 (Juli 2026); heizsparer.de-Ratgeber Wärmepumpen-Kosten und Gasheizung-Kosten · Stand September 2026

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Amortisation der Mehrinvestition liegt mit Wärmepumpentarif bei rund neun Jahren – deutlich innerhalb der Lebensdauer von 20 Jahren –, mit Haushaltsstrom aber bei über 20 Jahren. Der Tarif ist damit die wichtigste Einzelentscheidung nach der Förderung.

Zweitens: Die Rechnung nimmt konstante Preise an. Realistisch ist das nicht: Der gesetzliche CO₂-Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne gilt für 2026; für 2027 hat das Bundeskabinett am 12. August 2026 denselben Korridor vorgeschlagen, das Gesetzgebungsverfahren läuft noch – ohne die Änderung sähe das Brennstoffemissionshandelsgesetz für 2027 einen marktbasierten Preis vor. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Wärme und Verkehr greifen, dessen Preisbildung offen ist.

Jeder Cent mehr je Kilowattstunde Gas verschiebt das Ergebnis um rund 210 Euro im Jahr zugunsten der Wärmepumpe; als Szenario, nicht als Prognose. Was der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe bisher gekostet hat, zeigt der verlinkte Ratgeber.

Noch ein Wort zur Vergleichsbasis: Viele Rechnungen im Netz stellen die Wärmepumpe gegen die alte Gasheizung, die „ja noch läuft“. Das ist die falsche Frage, solange der Kessel funktioniert – und die richtige, sobald er ausfällt. Wer eine funktionierende Heizung fünf Jahre weiterbetreibt, spart in dieser Zeit die Investition, zahlt aber die höheren Betriebskosten und verliert die heutigen Fördersätze; ob das aufgeht, hängt vom Alter des Kessels und von den Preisen ab, die niemand fünf Jahre im Voraus kennt.

Die Lebensdauer beider Systeme ist ähnlich: 15 bis 20 Jahre für eine Gasheizung, 15 bis 20 Jahre für eine Wärmepumpe. Die Wartung der Wärmepumpe kostet mit 150 bis 300 Euro im Jahr etwa so viel wie Wartung und Schornsteinfeger beim Gaskessel zusammen – sie ist in der Rechnung deshalb fast neutral.

Für den bestmöglichen Wirkungsgrad der Wärmepumpe
Für den bestmöglichen Wirkungsgrad der Wärmepumpe

Vier Szenarien im Vergleich

Der Referenzfall ist nur ein Haus. Die Tabelle rechnet vier typische Ausgangslagen mit denselben Preisen durch – vom sanierten Einfamilienhaus bis zum unsanierten Altbau mit alten Heizkörpern. Alle Zahlen sind Beispielrechnungen mit offengelegten Annahmen; die Größenordnungen übertragen sich, die Euro-Beträge nicht. Wer den Systemvergleich Gasheizung oder Wärmepumpe technisch vertiefen will, findet ihn im eigenen Ratgeber.

Vier Szenarien: Wann sich die Wärmepumpe rechnet

Vier Ausgangslagen mit derselben Rechenlogik. Die Förderung von 12.880 € (30 % + 16 % auf 28.000 €) gilt in A–D nur bei Selbstnutzung und bonusberechtigter Altanlage; ohne Bonus den Zuschuss mit 8.400 € ansetzen.

SzenarioInvestition nach FörderungHeizkosten pro Jahr: Wärmepumpe / fossilErsparnis und Break-even
A: Gasersatz, saniertes Einfamilienhaus
lohnt sich
19.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung)1.743 € / 2.461 €718 €/Jahr · Break-even nach rund 9 Jahren, mit Haushaltsstrom rund 21 Jahre
B: Ölersatz, teilsaniertes Haus
lohnt sich
21.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neuer Ölkessel)2.309 € / 3.633 €1.324 €/Jahr · Break-even nach rund 7 Jahren, mit Haushaltsstrom rund 11 Jahre
C: Unsanierter Altbau, alte Heizkörper
noch nicht
27.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung)3.980 € / 4.118 €138 €/Jahr · rechnerischer Break-even rund 106 Jahre; mit Haushaltsstrom rund 840 € höhere Betriebskosten pro Jahr
D: Wie A, mit Photovoltaik und Wärmepumpentarif
lohnt sich
19.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung)1.417 € / 2.461 €1.044 €/Jahr · Break-even nach rund 6 Jahren

Annahmen: A 20.000 kWh Wärme, Jahresarbeitszahl 3,5, Wärmepumpe 32.000 € · B 25.000 kWh, Jahresarbeitszahl 3,2, Wärmepumpe 34.000 €, Heizöl 1,20 €/l als Mittelwert · C 35.000 kWh, Jahresarbeitszahl 2,5 bei 70 °C Vorlauf, Wärmepumpe 40.000 € inklusive Hochtemperaturgerät · D wie A, 30 % des Wärmepumpenstroms aus vorhandener Photovoltaik zu 8 ct/kWh Opportunitätskosten. Überall: Wärmepumpentarif 27 ct/kWh, Gas 10,5 ct/kWh, Förderung 12.880 € (30 % + 16 % auf 28.000 €), Wartung 200 € (Wärmepumpe) bzw. 250–300 € (fossil), Preise konstant.

Eigene Beispielrechnungen heizsparer.de · Preisannahmen wie in der Ein-Zeilen-Rechnung · Stand September 2026

Szenario C ist der Fall, über den die Skeptiker reden – und sie haben recht: Bei einem unsanierten Altbau, in dem im Winter 70 °C Vorlauf erforderlich sind, kann die Jahresarbeitszahl deutlich sinken; im Rechenbeispiel beträgt sie 2,5, und dann reicht selbst der Wärmepumpentarif nicht, um die Mehrinvestition zurückzuholen – rechnerisch dauert es im Beispiel über 100 Jahre, mit Haushaltsstrom zahlt man sogar jedes Jahr rund 840 Euro drauf. Der Befund ist aber kein Urteil über das Haus, sondern über seinen heutigen Zustand. Was ihn ändert, steht im nächsten Abschnitt.

Und für alle vier Szenarien gilt: Die 46 Prozent Förderung setzen Selbstnutzung und eine bonusberechtigte Altanlage voraus. Ohne Klimageschwindigkeitsbonus bleiben 30 Prozent (8.400 Euro Zuschuss) – im Referenzfall A steigt die Mehrinvestition dann auf rund 11.100 Euro, die Amortisation verlängert sich auf rund 15 Jahre mit Wärmepumpentarif und rund 35 Jahre mit Haushaltsstrom.

Zwei weitere Beobachtungen: Szenario B zeigt, warum der Umstieg von Öl fast immer schneller trägt als der von Gas – Heizöl ist je Kilowattstunde Wärme teurer, es schwankt stärker, und der Tank kostet zusätzlich Prüfung und irgendwann Entsorgung.

Szenario D zeigt, dass Photovoltaik die Amortisation verkürzt, aber nicht trägt: Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten Strom braucht, liefert die Anlage am wenigsten; der erreichbare PV-Anteil am Wärmepumpenstrom ist stark vom Gebäude, der Anlage und der Betriebsweise abhängig, und dieser Strom ist nicht kostenlos, weil er sonst eingespeist würde. Wie die Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik sinnvoll geplant wird, erklärt der verlinkte Ratgeber.

Wann sich die Wärmepumpe (noch) nicht lohnt

Ein Ratgeber, der nur die Fälle zeigt, in denen sich die Wärmepumpe rechnet, ist ein Verkaufstext. Die folgenden sechs Konstellationen sind die, in denen Fachbetriebe und Energieberater heute zu Recht abraten oder vertagen – jede mit dem ehrlichen Befund und mit dem, was ihn ändert. Keine davon lässt sich wegdiskutieren; jede lässt sich beheben. Die Nachteile der Wärmepumpe im Überblick und den Faktencheck zu Mythen und Irrtümern gibt es in eigenen Ratgebern.

Wann sich die Wärmepumpe (noch) nicht lohnt

Sechs Konstellationen, in denen die ehrliche Antwort heute „noch nicht“ oder „nur mit Vorarbeit“ lautet – und was den Befund jeweils ändert.

WennUnsanierter Altbau, der 70 °C Vorlauf braucht

Dann Hohe Vorlauftemperaturen können die Jahresarbeitszahl deutlich senken; im Beispiel rechnen wir mit 2,5

erst Vorarbeit

Heizkörper vergrößern, hydraulischen Abgleich machen, Heizkurve senken – oft reichen einzelne Räume; danach sind deutlich niedrigere Vorlauftemperaturen und Jahresarbeitszahlen um 3 realistisch.

WennUngünstiges Strom-Gas-Preisverhältnis vor Ort

Dann Mit Haushaltsstrom über rund 35 ct und Gas unter 10 ct kippt die Ein-Zeilen-Rechnung im Beispiel

Tarif prüfen

Wärmepumpentarif, Netzentgelt-Rabatt nach § 14a EnWG und dynamische Tarife prüfen – 6 bis 8 ct/kWh Unterschied entscheiden über die Amortisation.

WennSehr geringer Wärmebedarf (unter 8.000 kWh)

Dann Ersparnis von wenigen hundert Euro pro Jahr – Amortisation im Beispiel weit über 15 Jahre

Kesseltausch abwarten

Warten, bis der Kesseltausch ohnehin ansteht; dann zählt nur die Mehrinvestition gegenüber einem neuen Kessel, nicht der volle Preis.

WennKurze Restnutzungsdauer oder Verkauf geplant

Dann Die Ersparnis kommt beim nächsten Eigentümer an

neutral rechnen

Ein Wertsteigerungs-Argument gilt nur mit Beleg (Gutachten, Energieausweis-Klasse); sonst neutral rechnen – die Förderung senkt immerhin das Risiko.

WennRechtsverbindliche Wärmenetz-Perspektive

Dann Fernwärme kann die günstigere und förderfähige Lösung sein

Wärmeplan prüfen

Kommunalen Wärmeplan und Anschlusszusage prüfen; in ausgewiesenen Wärmenetzgebieten ist der Netzanschluss ebenfalls förderfähig.

WennAkuter Heizungsausfall mitten im Winter

Dann Keine Zeit für Heizlast, Angebote und Förderantrag

Übergangslösung

Reparatur oder provisorische Heiztechnik (Mietkessel, Elektro-Notheizung) sichern die Versorgung; welche Ersatzlösung zulässig und förderfähig ist, hängt von Ort, Zeitpunkt und Anlage ab. Für den endgültigen Heizungstausch gilt die Reihenfolge: Vertrag mit Fördervorbehalt abschließen, Antrag stellen, erst nach Zusage umsetzen.

Faustregel: Kein Befund ist endgültig – jede Konstellation nennt die Vorarbeit oder Prüfung, die sie ändert.

Quellen: Fraunhofer ISE Feldtest Wärmepumpen im Bestand, Bundesnetzagentur (§ 14a EnWG) · Stand September 2026

Der häufigste Fall ist der erste: Bestandsgebäude mit zu kleinen Heizkörpern. Die gute Nachricht aus der Praxis: Meist müssen nicht alle Heizkörper getauscht werden, sondern nur die in zwei oder drei Räumen, die bei abgesenkter Vorlauftemperatur nicht mehr warm werden. Wie Sie das prüfen, beschreiben die Ratgeber zu Wärmepumpe und Heizkörpern, zur Vorlauftemperatur und zu Wärmepumpen im Altbau.

Bleibt die Aufschiebe-Frage: Läuft die Gasheizung noch, ist der vorgezogene Tausch eine Rechnung aus drei Größen:

  • Restnutzungsdauer des Kessels
  • erwartbare Reparaturkosten
  • die Förderung, die beim Warten entgeht

Ein Beispiel: Ein 18 Jahre alter Brennwertkessel mit einer anstehenden 1.200-Euro-Reparatur läuft vielleicht noch fünf Jahre; wer heute tauscht, sichert sich den Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozentpunkten (bis 31. Januar 2027, danach halbjährlich 4 Punkte weniger) – bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten sind das 4.480 Euro, die 2028 nur noch zur Hälfte da wären. Rechnet sich die Wärmepumpe nach der Ein-Zeilen-Rechnung, ist der Tausch vor dem Ausfall meist günstiger als der Notkauf im Winter; ist sie ohne Vorarbeiten unwirtschaftlich (Szenario C), lohnt die Reparatur, um die Vorarbeiten in Ruhe zu erledigen. Wie Sie im Defektfall zwischen Reparieren und Ersetzen entscheiden, zeigt der Ratgeber Heizung kaputt: reparieren oder ersetzen?.

Optimierte Voraussetzungen machen die Wärmepumpe umweltfreundlich und senken die Kosten
Optimierte Voraussetzungen machen die Wärmepumpe umweltfreundlich und senken die Kosten

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Die fünf Stellschrauben, die das Ergebnis drehen

Die Szenarien zeigen, dass nicht der Gerätepreis über die Wirtschaftlichkeit entscheidet, sondern fünf Größen, von denen Sie drei selbst beeinflussen können: Förderung, Jahresarbeitszahl und Stromtarif liegen in Ihrer Hand, CO₂-Preis und Brennstoffpflichten setzt der Gesetzgeber. Zwei davon verändern sich mit bekanntem Datum – deshalb ist der Zeitpunkt des Förderantrags Teil der Wirtschaftlichkeitsrechnung.

  • Förderung: Nach den am 7. September 2026 geltenden Konditionen beträgt die Grundförderung 30 Prozent; für das erste Quartal 2027 ist eine Umstellung angekündigt – 15 Prozent Grundförderung plus 15 Prozentpunkte Wertschöpfungsbonus für in der EU gefertigte Wärmepumpen, nach KfW-Angaben also weiterhin insgesamt 30 Prozent für Geräte aus der EU und assoziierten Märkten; die Detailregeln will das BMWE noch bekannt geben. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt für Anträge ab dem 1. Februar 2027 von 16 auf 12 Prozentpunkte und danach halbjährlich weiter; zum selben Stichtag sinkt der Förderhöchstbetrag für die erste Wohneinheit um 750 Euro und danach halbjährlich um weitere 750 Euro. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht – die Details erklärt der Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung, eine erste Einschätzung liefert der Förderrechner.
  • Jahresarbeitszahl: Jede Zehntelstelle senkt die Stromkosten um rund 3 Prozent. Der Fraunhofer-Feldtest zeigt, dass Bestandsgebäude mit Heizkörpern Werte über 3 erreichen, wenn Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich stimmen – das ist Planungsqualität, keine Gebäudeeigenschaft.
  • Stromtarif: Zwischen Haushaltsstrom und Wärmepumpentarif liegen 6 bis 10 Cent je Kilowattstunde; bei 5.700 Kilowattstunden sind das 350 bis 570 Euro im Jahr. Dazu kommen Netzentgelt-Rabatte nach § 14a EnWG und dynamische Tarife.
  • CO₂-Preis: 2026 gilt der Korridor 55 bis 65 Euro je Tonne; für 2027 ist er noch nicht abschließend gesetzlich festgelegt – ein Szenario, kein sicherer Korridor –, ab 2028 europäischer Emissionshandel mit offener Preisbildung. Jede Verteuerung trifft nur die fossile Seite der Rechnung.
  • Erneuerbare-Anteile für neue fossile Kessel: Nach § 43 GModG müssen Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die seit dem 29. Juli 2026 in bestehende Gebäude eingebaut werden, ab 2029 mindestens 10 Prozent der bereitgestellten Wärme aus erneuerbaren Energien decken, ab 2030 15, ab 2035 30 und ab 2040 60 Prozent – etwa über Biomethan, Bioöl, biogenes Flüssiggas oder die in § 43 Absatz 1 genannten Wasserstoffarten. Alternativ regeln § 43 Absätze 3 bis 5 Solarthermie, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpen-Hybridheizungen – eine eigenständige Pelletanlage fällt als Biomasseheizung nicht darunter, andere Hybridfälle sind als Einzelfallprüfung zu kennzeichnen. Die Mehrkosten dafür sollten Sie sich vor einem Kesselkauf beziffern lassen.
Die Wärmepumpentechnik wird vom Staat gefördert
Die Wärmepumpentechnik wird vom Staat gefördert

Rechnen Sie Ihren Fall

Die Zahlen in diesem Ratgeber sind Beispiele. Ihr Haus hat einen eigenen Wärmebedarf, einen eigenen Stromtarif und eine eigene Vorlauftemperatur – und genau diese drei Eingaben bewegen das Ergebnis am stärksten. Der Wärmepumpen-Rechner für Dimensionierung, Verbrauch, Kosten und Amortisation rechnet Ihren Fall mit Ihren Werten durch. Prüfen Sie außerdem, was im individuellen Angebot zusätzlich steckt: Elektroarbeiten, Fundament, Schallschutz, Heizkörpertausch und Umbauten gehören als Positionen hinein – welche davon förderfähig sind, ordnet das Fachunternehmen in der Bestätigung zum Antrag nach dem KfW-Infoblatt zu.

  • Wärmebedarf: aus den letzten drei Jahresabrechnungen ableiten, nicht schätzen – 5.000 Kilowattstunden Unterschied verschieben die Ersparnis um rund 150 Euro im Jahr.
  • Strompreis: mit dem Wärmepumpentarif rechnen, den Sie tatsächlich bekommen, nicht mit dem Haushaltstarif.
  • Jahresarbeitszahl: den vom Fachbetrieb berechneten Wert ansetzen – Vorlauftemperatur, Heizflächen, Wärmequelle, Warmwasseranteil und Regelung bestimmen ihn. Vor dem Vergleich prüfen, ob die angesetzte Jahresarbeitszahl zu Heizlast und Auslegungstemperatur des Angebots passt; bei hohen Vorlauftemperaturen liegt sie deutlich unter 3,5.
Wärmepumpe: Die Betriebskosten sind hauptsächlich Stromkosten
Wärmepumpe: Die Betriebskosten sind hauptsächlich Stromkosten

Fazit: Zweigeteilt, aber klar

Im Referenzbeispiel amortisiert sich die Wärmepumpe mit Wärmepumpentarif nach rund neun Jahren; mit Haushaltsstrom erreicht sie den Break-even erst nach rund 21 Jahren. Im unsanierten Altbau mit 70 °C Vorlauf oder mit einem ungünstigen Haushaltsstromtarif rechnet sie sich heute nicht – und das sollte man aussprechen, statt es kleinzurechnen. In fast allen dieser Fälle ist die Antwort aber nicht „nie“, sondern „erst nach der Vorarbeit“: größere Heizkörper in wenigen Räumen, hydraulischer Abgleich, der richtige Tarif.

Die Zahlen für Ihr Haus liefert nur eine Heizlastberechnung – lassen Sie zwei bis drei Angebote von qualifizierten Heizungs-Fachbetrieben rechnen und vergleichen Sie sie über den Angebotsvergleich für Wärmepumpen. Ein Angebot, das Jahresarbeitszahl, Vorlauftemperatur und Stromtarif nicht nennt, hat die Wirtschaftlichkeit nicht gerechnet.

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Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit

Kurz beantwortet – die Rechenwege stehen in den Abschnitten oben.

Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit

Wie schnell amortisiert sich eine Wärmepumpe im Schnitt?
Im Referenzbeispiel (saniertes Einfamilienhaus, Gasersatz) nach rund neun Jahren mit Wärmepumpentarif und nach rund 21 Jahren mit Haushaltsstrom; beim Ölersatz im teilsanierten Haus kürzer. Entscheidend ist die Mehrinvestition nach Förderung, nicht der Gerätepreis.
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
Sie kann sich auch im Altbau lohnen. Entscheidend sind Heizlast, Heizflächen, Vorlauftemperatur, Warmwasseranteil, Stromtarif und das konkrete Angebot; Vorlauftemperaturen um 55 °C begünstigen einen effizienten Betrieb, ersetzen aber keine Wirtschaftlichkeitsrechnung. Bei 70 °C Vorlauf ohne Vorarbeiten rechnet sie sich oft nicht.
Lohnt sie sich ohne Photovoltaik?
Ja. Photovoltaik deckt im Winter nur einen kleinen Teil des Wärmepumpenstroms; sie verkürzt die Amortisation um wenige Jahre, ist aber keine Voraussetzung.
Ab welchem Strompreis lohnt sie sich nicht mehr?
Bei 95 Prozent Kessel-Nutzungsgrad liegt die Grenze bei Gas zu 10,5 ct/kWh bei rund 39 ct/kWh Strom bei Jahresarbeitszahl 3,5 und rund 33 ct bei Jahresarbeitszahl 3. Mit 27 ct/kWh bleibt im Beispiel Spielraum.
Lohnt es sich zu warten, bis Wärmepumpen billiger werden?
Das hängt von Heizung, Fördervoraussetzungen, Angeboten und Ihrem Zeitplan ab. Sicher ist: Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte, der Förderhöchstbetrag um 750 Euro je Halbjahr. Wer wartet, sollte Preise und Förderbedingungen vor der Entscheidung neu vergleichen – ein sinkender Gerätepreis müsste die entgangene Förderung erst ausgleichen.
Was ist mit der Wertsteigerung der Immobilie?
Eine bessere Energieausweis-Klasse kann den Verkaufspreis stützen, ein pauschaler Aufschlag lässt sich aber nicht belegen. Rechnen Sie die Wärmepumpe über die Heizkosten – die Wertwirkung ist ein möglicher Bonus, kein Rechenposten.
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