Lohnt sich eine Wärmepumpe? Wann ja – und wann (noch) nicht
Die Frage ist berechtigt. Eine Wärmepumpe kostet vor Förderung häufig deutlich mehr als eine neue Gasheizung, ihr Betrieb hängt am Strompreis, und die Skeptiker haben Beispiele parat, in denen die Stromrechnung nach dem Umstieg höher war als vorher die Gasrechnung. Diese Beispiele gibt es tatsächlich – und sie haben fast immer dieselben Ursachen: eine zu hohe Vorlauftemperatur, ein Haushaltsstromtarif statt eines Wärmepumpentarifs oder ein Haus, das vor dem Umstieg keine Vorarbeit bekommen hat.
Ob sich die Wärmepumpe für Ihr Haus rechnet, hängt an drei Größen: der Investition nach Förderung, dem Verhältnis zwischen Strompreis und Brennstoffpreis und der Jahresarbeitszahl, also der Effizienz im echten Betrieb. Dieser Ratgeber rechnet alle drei durch – mit aktuellen Preisen, einem Vollkostenvergleich über 20 Jahre, vier Szenarien und einem eigenen Abschnitt für die Fälle, in denen die ehrliche Antwort heute „noch nicht“ lautet. Zuletzt geprüft: September 2026.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Wärmepumpe heizt günstiger, wenn Strompreis ÷ Jahresarbeitszahl unter den Gas-Wärmekosten liegt – dafür den Gaspreis durch den Kessel-Nutzungsgrad teilen.
- Im sanierten Einfamilienhaus amortisiert sich die Mehrinvestition mit Wärmepumpentarif nach rund neun Jahren; mit Haushaltsstrom liegt sie im Beispiel bei rund 21 Jahren.
- Im unsanierten Altbau sind Heizflächen, Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich vor der Entscheidung zu prüfen; sie bestimmen Effizienz und Kosten.
- Förderung, Jahresarbeitszahl und Stromtarif drehen das Ergebnis stärker als der Gerätepreis; der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab Februar 2027.

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Die Ein-Zeilen-Rechnung
Die kürzeste Antwort auf die Frage passt in eine Zeile: Eine Wärmepumpe heizt günstiger als eine Gasheizung, wenn der Strompreis geteilt durch die Jahresarbeitszahl kleiner ist als der Gaspreis je Kilowattstunde Wärme.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht; im Bestand liegt sie laut dem Feldtest des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel bei 3,4, bei Erdwärmepumpen bei 4,3 – ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Baujahr des Hauses. Für die Rechnung nehmen wir 3,5 an.

Auf der Preisseite gehen vier Werte in die Rechnung ein. Genannt ist jeweils erst der Marktpreis im Sommer 2026, dann die Annahme, mit der dieser Ratgeber rechnet:
- Haushaltsstrom: rund 31 Cent je Kilowattstunde laut Verivox-Verbraucherpreisindex im Juli 2026 (Verivox-Haushaltspreis, kein Neukundenpreis mit definiertem Verbrauchsfall und Preisbestandteilen), rund 37 Cent im BDEW-Durchschnittspreis für Haushalte 2026 – Rechenannahme: 34 Cent
- Wärmepumpentarif: 27,44 Cent im Schnitt zum 1. April 2025 laut Monitoringbericht 2025 der Bundesnetzagentur, für Wärmepumpen mit getrennter Messung; für September 2026 ist das nur eine Fortschreibung – Rechenannahme: 27 Cent
- Gas: rund 9 bis 10 Cent für Neukunden, knapp 11 Cent für Bestandskunden laut Verivox-Gaspreisindex im Juli 2026 – der CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro je Tonne ist darin bereits enthalten – Rechenannahme: 10,5 Cent
- Heizöl: rund 1,42 bis 1,50 Euro je Liter Anfang September 2026 laut HeizOel24, je nach Region und Bestellmenge (Deutschland-Durchschnitt für 3.000 Liter am 1. September: rund 1,40 Euro), nach etwa 1 Euro zu Jahresbeginn – Rechenannahme: 1,20 Euro je Liter als vorsichtiger Mittelwert
Beim Wärmepumpentarif gehören drei Dinge auseinandergehalten, die oft in einen Topf geworfen werden:
- Der Wert von 27,44 Cent bezieht sich ausdrücklich auf Wärmepumpen mit getrennter Messung.
- Die Netzentgeltreduzierung nach § 14a EnWG setzt eine steuerbare Anlage voraus.
- Und ob ein Anbieter sie im Liefervertrag weitergibt, ist noch einmal eine eigene Frage.
So sieht die Zeile mit diesen Zahlen aus:
Die Ein-Zeilen-Rechnung: Wärmekosten je Kilowattstunde
Das Ergebnis ist eindeutig, aber nicht spektakulär: Mit Wärmepumpentarif liegt die Wärmepumpe rund 3 Cent je Kilowattstunde Wärme unter Gas, mit Haushaltsstrom nur knapp darunter – und gegenüber Öl deutlich vorn. Bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf sind 3 Cent 600 Euro im Jahr. Ob das die höhere Investition trägt, entscheidet die zweite Rechnung. Wie sich der Stromverbrauch einer Wärmepumpe zusammensetzt und welche Stromtarife für Wärmepumpen es gibt, erklären eigene Ratgeber.
Die Rechnung, die wirklich zählt: Beispielvergleich der Kosten über 20 Jahre
Wer nur den Kaufpreis vergleicht, vergleicht falsch – und wer die Wärmepumpe gegen die alte Gasheizung rechnet, ebenfalls. Die faire Vergleichsbasis für die Entscheidung, die beim anstehenden Kesseltausch fällt, ist eine neue Gas-Brennwertheizung; eine funktionierende Bestandsheizung darf weiterbetrieben werden, eine Austauschpflicht gibt es nicht mehr seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz.
Der Referenzfall:
- ein saniertes Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr
- Jahresarbeitszahl 3,5
- Ersatz einer funktionstüchtigen Gasheizung, die älter als 20 Jahre ist
- damit greift neben der Grundförderung von 30 Prozent der Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent, für Anträge bis zum 31. Januar 2027, bei einem Kostendeckel von 28.000 Euro
Die Investitionsspannen stammen aus dem Ratgeber zu den Wärmepumpen-Kosten (Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Montage 25.000 bis 40.000 Euro) und dem Ratgeber zu den Kosten einer Gasheizung (10.000 bis 15.000 Euro).
Beispielvergleich über 20 Jahre: Wärmepumpe gegen neue Gasheizung
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Amortisation der Mehrinvestition liegt mit Wärmepumpentarif bei rund neun Jahren – deutlich innerhalb der Lebensdauer von 20 Jahren –, mit Haushaltsstrom aber bei über 20 Jahren. Der Tarif ist damit die wichtigste Einzelentscheidung nach der Förderung.
Zweitens: Die Rechnung nimmt konstante Preise an. Realistisch ist das nicht: Der gesetzliche CO₂-Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne gilt für 2026; für 2027 hat das Bundeskabinett am 12. August 2026 denselben Korridor vorgeschlagen, das Gesetzgebungsverfahren läuft noch – ohne die Änderung sähe das Brennstoffemissionshandelsgesetz für 2027 einen marktbasierten Preis vor. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Wärme und Verkehr greifen, dessen Preisbildung offen ist.
Jeder Cent mehr je Kilowattstunde Gas verschiebt das Ergebnis um rund 210 Euro im Jahr zugunsten der Wärmepumpe; als Szenario, nicht als Prognose. Was der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe bisher gekostet hat, zeigt der verlinkte Ratgeber.
Noch ein Wort zur Vergleichsbasis: Viele Rechnungen im Netz stellen die Wärmepumpe gegen die alte Gasheizung, die „ja noch läuft“. Das ist die falsche Frage, solange der Kessel funktioniert – und die richtige, sobald er ausfällt. Wer eine funktionierende Heizung fünf Jahre weiterbetreibt, spart in dieser Zeit die Investition, zahlt aber die höheren Betriebskosten und verliert die heutigen Fördersätze; ob das aufgeht, hängt vom Alter des Kessels und von den Preisen ab, die niemand fünf Jahre im Voraus kennt.
Die Lebensdauer beider Systeme ist ähnlich: 15 bis 20 Jahre für eine Gasheizung, 15 bis 20 Jahre für eine Wärmepumpe. Die Wartung der Wärmepumpe kostet mit 150 bis 300 Euro im Jahr etwa so viel wie Wartung und Schornsteinfeger beim Gaskessel zusammen – sie ist in der Rechnung deshalb fast neutral.

Vier Szenarien im Vergleich
Der Referenzfall ist nur ein Haus. Die Tabelle rechnet vier typische Ausgangslagen mit denselben Preisen durch – vom sanierten Einfamilienhaus bis zum unsanierten Altbau mit alten Heizkörpern. Alle Zahlen sind Beispielrechnungen mit offengelegten Annahmen; die Größenordnungen übertragen sich, die Euro-Beträge nicht. Wer den Systemvergleich Gasheizung oder Wärmepumpe technisch vertiefen will, findet ihn im eigenen Ratgeber.
Vier Szenarien: Wann sich die Wärmepumpe rechnet
Vier Ausgangslagen mit derselben Rechenlogik. Die Förderung von 12.880 € (30 % + 16 % auf 28.000 €) gilt in A–D nur bei Selbstnutzung und bonusberechtigter Altanlage; ohne Bonus den Zuschuss mit 8.400 € ansetzen.
| Szenario | Investition nach Förderung | Heizkosten pro Jahr: Wärmepumpe / fossil | Ersparnis und Break-even |
|---|---|---|---|
| A: Gasersatz, saniertes Einfamilienhaus lohnt sich | 19.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung) | 1.743 € / 2.461 € | 718 €/Jahr · Break-even nach rund 9 Jahren, mit Haushaltsstrom rund 21 Jahre |
| B: Ölersatz, teilsaniertes Haus lohnt sich | 21.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neuer Ölkessel) | 2.309 € / 3.633 € | 1.324 €/Jahr · Break-even nach rund 7 Jahren, mit Haushaltsstrom rund 11 Jahre |
| C: Unsanierter Altbau, alte Heizkörper noch nicht | 27.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung) | 3.980 € / 4.118 € | 138 €/Jahr · rechnerischer Break-even rund 106 Jahre; mit Haushaltsstrom rund 840 € höhere Betriebskosten pro Jahr |
| D: Wie A, mit Photovoltaik und Wärmepumpentarif lohnt sich | 19.120 € (Wärmepumpe) gegen 12.500 € (neue Gasheizung) | 1.417 € / 2.461 € | 1.044 €/Jahr · Break-even nach rund 6 Jahren |
Annahmen: A 20.000 kWh Wärme, Jahresarbeitszahl 3,5, Wärmepumpe 32.000 € · B 25.000 kWh, Jahresarbeitszahl 3,2, Wärmepumpe 34.000 €, Heizöl 1,20 €/l als Mittelwert · C 35.000 kWh, Jahresarbeitszahl 2,5 bei 70 °C Vorlauf, Wärmepumpe 40.000 € inklusive Hochtemperaturgerät · D wie A, 30 % des Wärmepumpenstroms aus vorhandener Photovoltaik zu 8 ct/kWh Opportunitätskosten. Überall: Wärmepumpentarif 27 ct/kWh, Gas 10,5 ct/kWh, Förderung 12.880 € (30 % + 16 % auf 28.000 €), Wartung 200 € (Wärmepumpe) bzw. 250–300 € (fossil), Preise konstant.
Szenario C ist der Fall, über den die Skeptiker reden – und sie haben recht: Bei einem unsanierten Altbau, in dem im Winter 70 °C Vorlauf erforderlich sind, kann die Jahresarbeitszahl deutlich sinken; im Rechenbeispiel beträgt sie 2,5, und dann reicht selbst der Wärmepumpentarif nicht, um die Mehrinvestition zurückzuholen – rechnerisch dauert es im Beispiel über 100 Jahre, mit Haushaltsstrom zahlt man sogar jedes Jahr rund 840 Euro drauf. Der Befund ist aber kein Urteil über das Haus, sondern über seinen heutigen Zustand. Was ihn ändert, steht im nächsten Abschnitt.
Und für alle vier Szenarien gilt: Die 46 Prozent Förderung setzen Selbstnutzung und eine bonusberechtigte Altanlage voraus. Ohne Klimageschwindigkeitsbonus bleiben 30 Prozent (8.400 Euro Zuschuss) – im Referenzfall A steigt die Mehrinvestition dann auf rund 11.100 Euro, die Amortisation verlängert sich auf rund 15 Jahre mit Wärmepumpentarif und rund 35 Jahre mit Haushaltsstrom.
Zwei weitere Beobachtungen: Szenario B zeigt, warum der Umstieg von Öl fast immer schneller trägt als der von Gas – Heizöl ist je Kilowattstunde Wärme teurer, es schwankt stärker, und der Tank kostet zusätzlich Prüfung und irgendwann Entsorgung.
Szenario D zeigt, dass Photovoltaik die Amortisation verkürzt, aber nicht trägt: Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten Strom braucht, liefert die Anlage am wenigsten; der erreichbare PV-Anteil am Wärmepumpenstrom ist stark vom Gebäude, der Anlage und der Betriebsweise abhängig, und dieser Strom ist nicht kostenlos, weil er sonst eingespeist würde. Wie die Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik sinnvoll geplant wird, erklärt der verlinkte Ratgeber.
Wann sich die Wärmepumpe (noch) nicht lohnt
Ein Ratgeber, der nur die Fälle zeigt, in denen sich die Wärmepumpe rechnet, ist ein Verkaufstext. Die folgenden sechs Konstellationen sind die, in denen Fachbetriebe und Energieberater heute zu Recht abraten oder vertagen – jede mit dem ehrlichen Befund und mit dem, was ihn ändert. Keine davon lässt sich wegdiskutieren; jede lässt sich beheben. Die Nachteile der Wärmepumpe im Überblick und den Faktencheck zu Mythen und Irrtümern gibt es in eigenen Ratgebern.
Wann sich die Wärmepumpe (noch) nicht lohnt
Sechs Konstellationen, in denen die ehrliche Antwort heute „noch nicht“ oder „nur mit Vorarbeit“ lautet – und was den Befund jeweils ändert.
WennUnsanierter Altbau, der 70 °C Vorlauf braucht
Dann Hohe Vorlauftemperaturen können die Jahresarbeitszahl deutlich senken; im Beispiel rechnen wir mit 2,5
Heizkörper vergrößern, hydraulischen Abgleich machen, Heizkurve senken – oft reichen einzelne Räume; danach sind deutlich niedrigere Vorlauftemperaturen und Jahresarbeitszahlen um 3 realistisch.
WennUngünstiges Strom-Gas-Preisverhältnis vor Ort
Dann Mit Haushaltsstrom über rund 35 ct und Gas unter 10 ct kippt die Ein-Zeilen-Rechnung im Beispiel
Wärmepumpentarif, Netzentgelt-Rabatt nach § 14a EnWG und dynamische Tarife prüfen – 6 bis 8 ct/kWh Unterschied entscheiden über die Amortisation.
WennSehr geringer Wärmebedarf (unter 8.000 kWh)
Dann Ersparnis von wenigen hundert Euro pro Jahr – Amortisation im Beispiel weit über 15 Jahre
Warten, bis der Kesseltausch ohnehin ansteht; dann zählt nur die Mehrinvestition gegenüber einem neuen Kessel, nicht der volle Preis.
WennKurze Restnutzungsdauer oder Verkauf geplant
Dann Die Ersparnis kommt beim nächsten Eigentümer an
Ein Wertsteigerungs-Argument gilt nur mit Beleg (Gutachten, Energieausweis-Klasse); sonst neutral rechnen – die Förderung senkt immerhin das Risiko.
WennRechtsverbindliche Wärmenetz-Perspektive
Dann Fernwärme kann die günstigere und förderfähige Lösung sein
Kommunalen Wärmeplan und Anschlusszusage prüfen; in ausgewiesenen Wärmenetzgebieten ist der Netzanschluss ebenfalls förderfähig.
WennAkuter Heizungsausfall mitten im Winter
Dann Keine Zeit für Heizlast, Angebote und Förderantrag
Reparatur oder provisorische Heiztechnik (Mietkessel, Elektro-Notheizung) sichern die Versorgung; welche Ersatzlösung zulässig und förderfähig ist, hängt von Ort, Zeitpunkt und Anlage ab. Für den endgültigen Heizungstausch gilt die Reihenfolge: Vertrag mit Fördervorbehalt abschließen, Antrag stellen, erst nach Zusage umsetzen.
Faustregel: Kein Befund ist endgültig – jede Konstellation nennt die Vorarbeit oder Prüfung, die sie ändert.
Der häufigste Fall ist der erste: Bestandsgebäude mit zu kleinen Heizkörpern. Die gute Nachricht aus der Praxis: Meist müssen nicht alle Heizkörper getauscht werden, sondern nur die in zwei oder drei Räumen, die bei abgesenkter Vorlauftemperatur nicht mehr warm werden. Wie Sie das prüfen, beschreiben die Ratgeber zu Wärmepumpe und Heizkörpern, zur Vorlauftemperatur und zu Wärmepumpen im Altbau.
Bleibt die Aufschiebe-Frage: Läuft die Gasheizung noch, ist der vorgezogene Tausch eine Rechnung aus drei Größen:
- Restnutzungsdauer des Kessels
- erwartbare Reparaturkosten
- die Förderung, die beim Warten entgeht
Ein Beispiel: Ein 18 Jahre alter Brennwertkessel mit einer anstehenden 1.200-Euro-Reparatur läuft vielleicht noch fünf Jahre; wer heute tauscht, sichert sich den Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozentpunkten (bis 31. Januar 2027, danach halbjährlich 4 Punkte weniger) – bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten sind das 4.480 Euro, die 2028 nur noch zur Hälfte da wären. Rechnet sich die Wärmepumpe nach der Ein-Zeilen-Rechnung, ist der Tausch vor dem Ausfall meist günstiger als der Notkauf im Winter; ist sie ohne Vorarbeiten unwirtschaftlich (Szenario C), lohnt die Reparatur, um die Vorarbeiten in Ruhe zu erledigen. Wie Sie im Defektfall zwischen Reparieren und Ersetzen entscheiden, zeigt der Ratgeber Heizung kaputt: reparieren oder ersetzen?.

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Die fünf Stellschrauben, die das Ergebnis drehen
Die Szenarien zeigen, dass nicht der Gerätepreis über die Wirtschaftlichkeit entscheidet, sondern fünf Größen, von denen Sie drei selbst beeinflussen können: Förderung, Jahresarbeitszahl und Stromtarif liegen in Ihrer Hand, CO₂-Preis und Brennstoffpflichten setzt der Gesetzgeber. Zwei davon verändern sich mit bekanntem Datum – deshalb ist der Zeitpunkt des Förderantrags Teil der Wirtschaftlichkeitsrechnung.
- Förderung: Nach den am 7. September 2026 geltenden Konditionen beträgt die Grundförderung 30 Prozent; für das erste Quartal 2027 ist eine Umstellung angekündigt – 15 Prozent Grundförderung plus 15 Prozentpunkte Wertschöpfungsbonus für in der EU gefertigte Wärmepumpen, nach KfW-Angaben also weiterhin insgesamt 30 Prozent für Geräte aus der EU und assoziierten Märkten; die Detailregeln will das BMWE noch bekannt geben. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt für Anträge ab dem 1. Februar 2027 von 16 auf 12 Prozentpunkte und danach halbjährlich weiter; zum selben Stichtag sinkt der Förderhöchstbetrag für die erste Wohneinheit um 750 Euro und danach halbjährlich um weitere 750 Euro. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht – die Details erklärt der Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung, eine erste Einschätzung liefert der Förderrechner.
- Jahresarbeitszahl: Jede Zehntelstelle senkt die Stromkosten um rund 3 Prozent. Der Fraunhofer-Feldtest zeigt, dass Bestandsgebäude mit Heizkörpern Werte über 3 erreichen, wenn Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich stimmen – das ist Planungsqualität, keine Gebäudeeigenschaft.
- Stromtarif: Zwischen Haushaltsstrom und Wärmepumpentarif liegen 6 bis 10 Cent je Kilowattstunde; bei 5.700 Kilowattstunden sind das 350 bis 570 Euro im Jahr. Dazu kommen Netzentgelt-Rabatte nach § 14a EnWG und dynamische Tarife.
- CO₂-Preis: 2026 gilt der Korridor 55 bis 65 Euro je Tonne; für 2027 ist er noch nicht abschließend gesetzlich festgelegt – ein Szenario, kein sicherer Korridor –, ab 2028 europäischer Emissionshandel mit offener Preisbildung. Jede Verteuerung trifft nur die fossile Seite der Rechnung.
- Erneuerbare-Anteile für neue fossile Kessel: Nach § 43 GModG müssen Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die seit dem 29. Juli 2026 in bestehende Gebäude eingebaut werden, ab 2029 mindestens 10 Prozent der bereitgestellten Wärme aus erneuerbaren Energien decken, ab 2030 15, ab 2035 30 und ab 2040 60 Prozent – etwa über Biomethan, Bioöl, biogenes Flüssiggas oder die in § 43 Absatz 1 genannten Wasserstoffarten. Alternativ regeln § 43 Absätze 3 bis 5 Solarthermie, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpen-Hybridheizungen – eine eigenständige Pelletanlage fällt als Biomasseheizung nicht darunter, andere Hybridfälle sind als Einzelfallprüfung zu kennzeichnen. Die Mehrkosten dafür sollten Sie sich vor einem Kesselkauf beziffern lassen.

Rechnen Sie Ihren Fall
Die Zahlen in diesem Ratgeber sind Beispiele. Ihr Haus hat einen eigenen Wärmebedarf, einen eigenen Stromtarif und eine eigene Vorlauftemperatur – und genau diese drei Eingaben bewegen das Ergebnis am stärksten. Der Wärmepumpen-Rechner für Dimensionierung, Verbrauch, Kosten und Amortisation rechnet Ihren Fall mit Ihren Werten durch. Prüfen Sie außerdem, was im individuellen Angebot zusätzlich steckt: Elektroarbeiten, Fundament, Schallschutz, Heizkörpertausch und Umbauten gehören als Positionen hinein – welche davon förderfähig sind, ordnet das Fachunternehmen in der Bestätigung zum Antrag nach dem KfW-Infoblatt zu.
- Wärmebedarf: aus den letzten drei Jahresabrechnungen ableiten, nicht schätzen – 5.000 Kilowattstunden Unterschied verschieben die Ersparnis um rund 150 Euro im Jahr.
- Strompreis: mit dem Wärmepumpentarif rechnen, den Sie tatsächlich bekommen, nicht mit dem Haushaltstarif.
- Jahresarbeitszahl: den vom Fachbetrieb berechneten Wert ansetzen – Vorlauftemperatur, Heizflächen, Wärmequelle, Warmwasseranteil und Regelung bestimmen ihn. Vor dem Vergleich prüfen, ob die angesetzte Jahresarbeitszahl zu Heizlast und Auslegungstemperatur des Angebots passt; bei hohen Vorlauftemperaturen liegt sie deutlich unter 3,5.

Fazit: Zweigeteilt, aber klar
Im Referenzbeispiel amortisiert sich die Wärmepumpe mit Wärmepumpentarif nach rund neun Jahren; mit Haushaltsstrom erreicht sie den Break-even erst nach rund 21 Jahren. Im unsanierten Altbau mit 70 °C Vorlauf oder mit einem ungünstigen Haushaltsstromtarif rechnet sie sich heute nicht – und das sollte man aussprechen, statt es kleinzurechnen. In fast allen dieser Fälle ist die Antwort aber nicht „nie“, sondern „erst nach der Vorarbeit“: größere Heizkörper in wenigen Räumen, hydraulischer Abgleich, der richtige Tarif.
Die Zahlen für Ihr Haus liefert nur eine Heizlastberechnung – lassen Sie zwei bis drei Angebote von qualifizierten Heizungs-Fachbetrieben rechnen und vergleichen Sie sie über den Angebotsvergleich für Wärmepumpen. Ein Angebot, das Jahresarbeitszahl, Vorlauftemperatur und Stromtarif nicht nennt, hat die Wirtschaftlichkeit nicht gerechnet.
Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit
Kurz beantwortet – die Rechenwege stehen in den Abschnitten oben.
Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit
Wie schnell amortisiert sich eine Wärmepumpe im Schnitt?
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
Lohnt sie sich ohne Photovoltaik?
Ab welchem Strompreis lohnt sie sich nicht mehr?
Lohnt es sich zu warten, bis Wärmepumpen billiger werden?
Was ist mit der Wertsteigerung der Immobilie?
Wärmepumpen: Stromverbrauch und Kosten-Einsparung realistisch berechnen Wie viel Strom verbraucht Ihre Wärmepumpe wirklich – und lohnt sich der Umstieg gegenüber… weiterlesen




