Gas-Brennwertheizungen haben einen großen Vorteil gegenüber alten Heizungsanlagen. Es ist kein klassischer gemauerter Kamin mehr notwendig. Die Abgase können vielmehr über eine Abgasleitung mit geringem Durchmesser abgeleitet werden. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass bei der Erneuerung der Heizung eine neue Abgasleitung notwendig wird. Das liegt an den niedrigen Temperaturen der Abgase. Die Thermik in einem Schornstein benötigt Abgase mit höheren Temperaturen.
Das Wichtigste in Kürze
- Gas-Brennwertgeräte brauchen eine feuchte- und säureunempfindliche, druckdichte Abgasleitung – ein alter gemauerter Schornstein würde versotten.
- Üblich sind Kunststoff- (PP, PVDF) oder Edelstahlrohre; sie lassen sich oft in den vorhandenen Schacht einziehen.
- Führung, Schacht und Mündungshöhe regeln Feuerungsverordnung und Landesbauordnung – der Schornsteinfeger nimmt die Anlage ab.
- Einfache Schornsteinsanierungen liegen je nach Höhe, Material und Montage meist im vierstelligen Bereich.

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Zahlreiche Vorschriften zu beachten
Auch wenn kein gemauerter Kamin für die Abgasleitung von Brennwertthermen notwendig ist, so sind doch einige Vorschriften zu beachten, die neben der Art auch die Führung der Abgasleitung beeinflussen. Maßgeblich sind die Feuerungsverordnung (FeuVO) des jeweiligen Bundeslandes – die meisten orientieren sich an der Muster-Feuerungsverordnung (MFeuV) –, die Landesbauordnung sowie das DVGW-Regelwerk zur Gasinstallation (TRGI). Die Vorschriften zielen vor allem auf den vorbeugenden Brandschutz und die sichere Abführung der Abgase ab. Welche Abgasanlage zulässig ist, prüft und bescheinigt der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger – die Abnahme sollte daher früh mit ihm abgestimmt werden.
Die Leitung kann bei Modernisierung der Heizung auch durch den vorhandenen Schornstein geführt werden. Dann müssen Dehnung, Mindestabstände und Schachtabdeckung zum zugelassenen System passen; werden Zwischenräume bei Durchführungen verschlossen, verlangt die Muster-Feuerungsverordnung nichtbrennbare Baustoffe mit geringer Wärmeleitfähigkeit.

Möglich ist auch die Montage der Abgasleitung außerhalb des Hauses, hier reicht z.B. ein Edelstahlrohr, in dem die kombinierte Zu- und Abluftleitung der raumunabhängigen Brennwerttherme geführt wird. Abgasleitungen, die im Gebäude Geschosse überbrücken, müssen nach Muster-Feuerungsverordnung grundsätzlich in einem eigenen Schacht liegen; Ausnahmen gelten etwa für bestimmte Gebäude niedriger Gebäudeklassen, den Aufstellraum oder entsprechend feuerwiderstandsfähige Leitungen.

Schacht für Abgasleitung
Ein solcher Schacht kann entweder im Haus (auch freistehend) geführt werden oder draußen an der Haus-Außenwand entlang. Im Handel sind unterschiedliche fertige Schachtsysteme erhältlich, die auch den geforderten Feuerwiderstandsklassen entsprechen. Dies können zum Beispiel Schächte aus Leichtbeton-Formstücken sein. Möglich sind auch Edelstahlrohre, die außen am Haus entlanggeführt werden. Bei im Schacht geführten Überdruckleitungen verlangt die Muster-Feuerungsverordnung je nach Bauart eine Hinterlüftung über die gesamte Länge; bei Abgastemperaturen bis 200 °C werden für bestimmte Schachtlösungen beispielsweise 2 cm bzw. 3 cm Hinterlüftung genannt. Die konkreten Schachtinnenmaße ergeben sich aus Geräteleistung, Rohrdurchmesser, Systemzulassung und Montageanleitung.
Anforderungen an eine Abgasleitung für die Gas-Brennwerttherme

Material für die Abgasleitung
Da die relativ kühlen Abgase mithilfe von Unter- oder Überdruck nach außen befördert werden, muss die Abgasleitung selbst druck- und kondensatdicht sein. Außerdem sind nur korrosionsbeständige, gegen das saure Kondensat unempfindliche Materialien zugelassen. Angeboten werden auf dem Markt Leitungen aus schwer entflammbarem Polypropylen (PP bzw. PPS, geeignet bis etwa 120 °C Abgastemperatur), aus flexiblen Polyvinylidenfluorid-Rohren (PVDF, bis etwa 160 °C) sowie Leitungen aus Aluminium oder Edelstahl. Kunststoff-Abgasleitungen sind nach DIN EN 14471 klassifiziert und CE-gekennzeichnet, Metall-Abgasleitungen nach DIN EN 1856; für eine Gas-Brennwerttherme reicht in der Regel ein Kunststoffsystem aus. Für die jeweilige Anlage müssen die passenden Verbindungsstücke desselben Systems genutzt werden, damit Dichtigkeit und Druckfestigkeit erhalten bleiben.
Materialien für die Abgasleitung im Vergleich
| Material | Geeignet bis ca. | Eignung / Eigenschaften |
|---|---|---|
| Polypropylen (PP/PPS) | 120 °C | Preiswert, korrosionsfest, Standard für Gas-Brennwert; auch flexibel zum Einziehen. |
| PVDF | 160 °C | Höhere Temperaturbeständigkeit, sehr säurefest; für höhere Abgastemperaturen. |
| Edelstahl | über 200 °C | Robust, langlebig, auch als Außenschornstein; teurer als Kunststoff. |
| Aluminium | mittlere Temperaturen | Leicht, nur bei geeigneter Korrosionsbeständigkeit und Zulassung einsetzbar. |
Welches System zulässig ist, hängt vom Gerät und der Zulassung ab – für eine Gas-Brennwerttherme genügt meist Kunststoff.
Wann muss die Abgasleitung erneuert werden?
Beim Umstieg auf Brennwerttechnik ist fast immer eine neue Abgasleitung fällig. Der Grund liegt in der niedrigen Abgastemperatur: Ein Brennwertgerät kühlt die Abgase auf etwa 60 °C ab, um die Kondensationswärme zu nutzen. Da der Taupunkt von Erdgas-Abgasen bei rund 56 °C liegt, fällt im Schornstein dauerhaft saures Kondensat an. Ein alter, gemauerter Schornstein ist dafür nicht ausgelegt – er würde versotten, also durchfeuchten und das Mauerwerk schädigen. Ein Brennwertkessel braucht deshalb eine feuchte- und säureunempfindliche, druckdichte Abgasanlage. Ob der vorhandene Schacht erhalten bleiben kann und eine eingezogene Leitung genügt, klärt der Schornsteinfeger vor dem Heizungstausch.
Wo darf die Abgasleitung entlanggeführt werden?
Wenn die oben genannten Vorschriften berücksichtigt werden, kann die Leitung mit Schacht individuell im oder am Haus entlanggeführt werden. Wichtig dabei: Die Abgasleitung der Brennwerttherme muss in dem Geschoss am Schacht angeschlossen werden, in dem sie steht. Außerdem muss die Mündungshöhe berücksichtigt werden: Nach der Muster-Feuerungsverordnung muss die Mündung den First in der Regel um mindestens 40 cm überragen; bei raumluftunabhängigen Öl- und Gasfeuerstätten bis 50 kW mit Gebläse genügt nach Muster-Feuerungsverordnung ein Abstand von 40 cm von der Dachfläche. Den konkret zulässigen Austrittspunkt legt der Schornsteinfeger fest.

Kosten für die Abgasleitung
Natürlich hängen die Preise von Durchmesser, Material, Bauweise und Gebäudehöhe ab. Wird eine Kunststoff- oder Edelstahlleitung in einen vorhandenen Schacht eingezogen, bewegen sich einfache Fälle häufig im niedrigen vierstelligen Bereich; bei größerer Höhe, Edelstahl, Dachdurchführung, Gerüst oder Zusatzarbeiten können mehrere Tausend Euro anfallen. Ein kompletter Außenschornstein sollte deshalb separat angeboten werden. Eine verbindliche Summe nennt erst das Angebot des Fachbetriebs.
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