Brennwerttechnik
Für viele wirkt es beinahe unseriös, wenn auf Heizungen Wirkungsgrad-Angaben von über 100 % stehen. Solche Werte geben vor allem die Hersteller von Brennwertkesseln an. Dahinter steckt aber kein Trick, sondern Physik – und genau die erklären wir hier.
Das Wichtigste in Kürze
- Brennwertkessel nutzen zusätzlich die Wärme aus dem Wasserdampf im Abgas – daher Wirkungsgrade über 100 %, bezogen auf den Heizwert.
- Am meisten bringt die Technik bei Erdgas und bei niedrigen Rücklauftemperaturen, etwa mit einer Fußbodenheizung.
- Da Gas und Öl fossil bleiben, lohnt Brennwerttechnik vor allem im Bestand und in Hybridlösungen – für neu eingebaute Heizungen zählen seit Juli 2026 die ab 2029 steigenden Brennstoffanteile.

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Heizwert und Brennwert – der entscheidende Unterschied
Angaben von einem Wirkungsgrad größer als 100 % beziehen sich üblicherweise auf den Heizwert (Hu). Bezogen auf den Brennwert (Ho) liegt der Wirkungsgrad physikalisch höchstens bei etwa 100 %.
Der Heizwert gibt an, wieviel Wärme aus einem Brennstoff gewonnen werden kann. Hier geht es um den Energiewert, der in einem Brennstoff steckt und der durch Verbrennung genutzt werden kann. Dieser wird auch als unterer Heizwert (Hu) bezeichnet und unter Standardbedingungen ermittelt.
Der Brennwert dagegen umfasst nicht nur den Energiewert, der durch Verbrennung genutzt werden kann, sondern zusätzlich die Wärme, die bei der Kondensation des Wasserdampfs im Abgas frei wird. Der Brennwert wird auch als oberer Heizwert bezeichnet (Ho).

Verschiedene Heiz- und Brennwerte bei Brennstoffen
Der Brennwert hängt vom Wasserstoffgehalt des jeweiligen Brennstoffs ab. Deshalb unterscheiden sich Heiz- und Brennwert bei Erdgas, Heizöl oder Holz stark. Die Werte werden meist in Kilowattstunden (kWh) angegeben – bei festen und flüssigen Brennstoffen je Kilogramm, bei Erdgas dagegen je Kubikmeter, weil Gas nach Volumen abgerechnet wird (mehr dazu: H-Gas und L-Gas). Die folgende Übersicht zeigt typische Circa-Werte:
Der Unterschied zwischen Heiz- und Brennwert ist auf den unterschiedlichen Gehalt an Wasserstoff in den einzelnen Brennstoffen zurückzuführen.
Aus den Werten wird deutlich, dass die Brennwerttechnik mit Gasheizungen besonders effizient ist, weil Erdgas einen höheren Anteil an Wasserstoff aufweist als Heizöl. Deshalb ist bei Erdgas der Unterschied zwischen Heiz- und Brennwert größer als bei Heizöl. Auch bei Holz und Pellets lässt sich mit spezieller Brennwerttechnik zusätzliche Wärme aus dem Abgas gewinnen.
Funktionsweise der Brennwerttechnik

Während bei „normalen“ Konstantheizkesseln die Heiztechnik einfach in die Schritte Verbrennung, Vergasung und Wärmeabgabe eingeteilt werden kann, ist die Brennwerttechnik komplexer. Zwischen den Phasen Vergasung und Wärmeabgabe erfolgt zusätzlich die Kondensation des Abgases und damit die Nutzung der Kondensationswärme. Für diesen Schritt wird ein zweiter Wärmetauscher benötigt.

Das anfallende Kondensat (die Menge hängt von der Größe des Brennwertkessels und vom Brennstoff ab) ist sauer; je nach Brennstoff und Betriebsbedingungen kann der pH-Wert deutlich unter den Grenzwerten kommunaler Entwässerungssatzungen liegen. Nach DWA-A 251 gilt seit der Ausgabe 8/2024 eine grundsätzliche Neutralisationspflicht mit Ausnahmen: unter 25 kW bei bestimmten Rahmenbedingungen, zwischen 25 und 200 kW bei Nachweis ausreichender Vermischung mit häuslichem Abwasser. Zusätzlich sollte immer geprüft werden, ob die Werkstoffe der Abwasserleitungen säurefest sind.
Ob im Einzelfall eine Neutralisationsanlage nötig ist, sollte der Heizungsfachbetrieb beziehungsweise die Kommune vor der Einleitung klären. Neutralisationsanlagen arbeiten meist mit alkalischen Granulaten (etwa aus Kalkstein, Dolomit, Marmor oder Magnesiumoxid), die mit dem Kondensat reagieren und den Säuregehalt senken.

Lohnt sich Brennwerttechnik 2026 noch?
Gas- und Öl-Brennwertkessel sind ausgereift und effizient, verbrennen aber weiterhin fossile Energieträger. Die 65-Prozent-Vorgabe für neue Heizungen gehört seit dem 29. Juli 2026 der Vergangenheit an: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat den bisherigen GEG-Rahmen abgelöst, die Heizungsart ist wieder frei wählbar. Neue Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen in Bestandsgebäuden müssen dafür ab 2029 einen wachsenden Anteil klimafreundlicherer Brennstoffe nutzen — beginnend mit 10 %, bis 60 % ab 2040. Wer den Austausch plant, sollte den steigenden CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe einkalkulieren und die Möglichkeiten im zentralen Fördermittel-Ratgeber prüfen.
Brennwerttechnik: Vorteile und Grenzen
Vorteile
- Hohe Effizienz: Die Kondensationswärme aus dem Abgas wird mitgenutzt – besonders viel bringt das bei wasserstoffreichem Erdgas.
- Niedrige Vorlauftemperaturen genügen: ideal zusammen mit Flächenheizungen wie der Fußbodenheizung.
- Ausgereifte, bewährte Technik mit vergleichsweise geringen Anschaffungskosten.
Nachteile
- Verbrennt weiterhin fossile Brennstoffe – die Betriebskosten steigen mit dem CO₂-Preis.
- Den vollen Brennwert-Vorteil gibt es nur bei niedrigem Rücklauf; bei hohen Heizkörpertemperaturen schrumpft er.
- Als einzige neue Heizung ist sie meist nicht zukunftssicher – fossile Technik mit begrenzter Perspektive.
Fazit
Mit der Brennwerttechnik wird ein Brennstoff besonders gut genutzt. Vor allem wasserstoffreiche Brennstoffe wie Erdgas werden mit Brennwertheizungen deutlich sparsamer genutzt als mit herkömmlicher Niedertemperaturtechnik oder mit Konstantkesseln; auch moderne Pellet-Brennwertkessel holen zusätzliche Wärme aus dem Abgas.
Brennwertheizungen profitieren vor allem von niedrigen Rücklauftemperaturen; niedrige Vorlauftemperaturen helfen dabei. Deshalb sind Flächenheizungen wie Fußbodenheizungen oder auch Wandheizungen besonders sinnvoll.
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