Mehrere Systeme stehen zur Wahl: Trockensystem – Frässystem – Nasssystem
Wer eine warmwassergeführte Fußbodenheizung nachrüsten möchte, hat drei Möglichkeiten: das Trockensystem, das Frässystem oder das Nasssystem. Das Trockensystem eignet sich insbesondere für Sanierer, weil es bei einer Renovierung nachträglich umfassend eingebaut werden kann. Durch den speziellen Aufbau kommen Trockenbau-Fußbodenheizungen mit deutlich geringeren Aufbauhöhen zurecht.
Wer bei der Renovierung größeren Aufwand vermeiden möchte, wie die Entfernung des Estrichs, kann die Heizungsrohre der Fußbodenheizung in den bestehenden Boden einfräsen lassen. Das Nasssystem ist vor allem für Sanierer geeignet, die bei der Modernisierung auch den Fußboden austauschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Für wassergeführte Nachrüstung gibt es drei Wege: Trockensystem, Frässystem und Nasssystem – sie unterscheiden sich in Aufbauhöhe, Aufwand und Kosten.
- Das Frässystem kommt ohne zusätzliche Aufbauhöhe aus, das Trockensystem ist sofort begehbar, das Nasssystem lohnt vor allem bei ohnehin neuem Boden.
- Vor der Entscheidung Estrichzustand, Aufbauhöhe und Dämmung prüfen lassen – davon hängt ab, welches System infrage kommt.

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Das Trockensystem
Trockensysteme lassen sich schnell und mit etwas Geschick in einer Ein-Mann-Montage verlegen. Dabei muss vorab garantiert sein, dass die Rohdecke besenrein ist. Ein weiterer Vorteil: Viele Bodenbeläge sind möglich, wenn sie vom Hersteller für Fußbodenheizungen freigegeben sind und der Wärmedurchlasswiderstand des Bodenaufbaus passt (nach EN 1264 in der Regel höchstens 0,15 m²K/W). Das gilt besonders für Teppich, dickes Parkett oder zusätzliche Unterlagen. Durch die komplett trockene Bauweise der Fußbodenheizung ist die Inbetriebnahme deutlich schneller möglich als beim Nasssystem – die wochenlange Estrich-Trocknungszeit entfällt; kurze Abbindezeiten etwa von Klebern nach Herstellervorgabe bleiben zu beachten.

Doch aufgepasst: Der Bodenaufbau für eine Fußbodenheizung im Trockensystem sollte die Mindestanforderungen der DIN EN 1264-4 erfüllen. Dabei ist darauf zu achten, dass der komplette Fußbodenaufbau in Estrichart und Estrichdicke zur jeweiligen Geschossdecke sowie zur erwarteten Bodenbelastung passt.
Zuerst werden Dehnstreifen entlang der Wände, Säulen sowie Treppen befestigt. Die Randdämmstreifen dienen als Dehnungsfuge und der Schalldämmung.
Es folgt das Verlegen der Systemplatten aus Polystyrolschaum für die Aufnahme der Rohrleitungen. Sie bilden gleichzeitig eine gleichmäßige Dämmschicht und sorgen dafür, dass die Heizwärme nicht ungewollt nach unten verschwindet.
In die Führungen für die Heizungsrohre werden Wärmeleitbleche eingedrückt. Diese Lamellen dienen der gleichmäßigen Wärmeverteilung.
In die Wärmeleitbleche werden dann die wasserführenden Rohrleitungen eingedrückt. Nach fertiger Rohrverlegung werden oft noch Abdeckbleche auf die Umlenkbereiche gelegt. Die gesamte Fläche wird überlappend mit PE-Folie abgedeckt. Die Folie dient als Gleitschicht.
Auf die Folie werden dann Trockenestrichplatten verlegt. Der Trockenestrich dient als Lastenverteilschicht. Vor dem Einbau sollte der Estrichbedarf unbedingt von einem Fachmann berechnet werden.

Das Frässystem

Beim Frässystem werden die Heizungsrohre der Fußbodenheizung in den bestehenden Boden eingefräst. Dabei sägt ein Installateur mit einer speziellen Fräse dünne Kanäle von etwa 16 Millimeter Tiefe in den vorhandenen Estrich. Dazu muss der alte Oberbelag komplett entfernt werden und auf dem Estrich keinerlei Rückstände mehr vorhanden sein.
In die gefrästen Kanäle kommen die Fußbodenheizungsrohre. Um zu verhindern, dass die Heizungsrohre aus den gefrästen Nuten herausspringen, ist es ratsam, sie etwa alle anderthalb Meter mit einem temperaturbeständigen Flex-Kleber zu fixieren. Die Fläche wird mit fließfähigem Ausgleichsestrich geschlossen. Nach erfolgreicher Dichtheitsprüfung, Herstellerfreigabe der Ausgleichsmasse und erreichter Belegreife kann der Oberbelag verlegt werden.
Die Aufbauhöhe der Fußbodenheizung, die sich aus der Fräsmethode ergibt, ist gleich Null. Es ist also nicht notwendig an Treppenaufgängen, Türdurchgängen oder bodengleichen Fenstern Umbauten beziehungsweise Anpassungen vorzunehmen. Damit eignet sich diese Methode für Sanierer sehr gut zum nachträglichen Einbau einer Fußbodenheizung. Das Nachrüsten lässt sich je nach Aufwand in wenigen Stunden oder Tagen bewerkstelligen.

Für die Verlegung einer Warmwasser-Fußbodenheizung gibt es zwei gängige Systeme: das Nasssystem oder das Trockensystem. Beide Systeme verfügen über Vor-… weiterlesen
Nasssystem

Bei den gängigen Nasssystemen werden die wasserführenden Heizungsrohre der Fußbodenheizung auf Trägersystemen verlegt und anschließend mit dem Estrich vergossen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nach dem Aufbringen des Estrichs nichts mehr an der Ausrichtung der Fußbodenheizung geändert werden kann. Daher ist eine genaue Beratung unumgänglich.
Die Kunststoffrohre der Fußbodenheizung sollten dabei nach DIN 4726 sauerstoffdiffusionsdicht sein. Das bedeutet, dass praktisch kein Sauerstoff über die Rohrwand in das Heizungswasser gelangt. Dies verhindert Korrosion an Stahlteilen der Heizung und verringert das sogenannte Abschlammen im Fußbodenheizungssystem.
Beim Estrich gilt die DIN 18560 Teil 2 für Heizestriche. Die Norm beschreibt die Arten, die Ausführung und die Anforderungen an den Estrich. Darüber hinaus sind an den Rändern des Estrichs Randdämmstreifen anzuordnen. Sie sollen bei der Wärmezufuhr die Ausdehnung des Estrichs ermöglichen und auch den Schallschutz gewährleisten. Bei größeren Flächen sind zusätzlich Dehnungsfugen vorzusehen.
Beim Noppenplattensystem werden die Heizungsrohre in Dämmplatten geklemmt, die auf ihren Oberseiten runde oder eckige Noppen haben. Sie sind etwas höher als die Heizungsrohre, damit die Rohre besser in ihrer Position gehalten werden. Das Noppenplattensystem besteht in der Regel aus expandiertem Polystyrol und ist zweischichtig: Oben Noppen und darunter eine Dämmschicht, die für eine Wärme- und Trittschalldämmung sorgt und zum Brand- und zum Feuchtigkeitsschutz beiträgt.

Beim Tackersystem ist die Dämmschicht zur Wärme- und Trittschalldämmung an der Unterseite in regelmäßigen Abständen eingeschnitten, damit sie gerollt werden kann. Auf die Wärme- und Trittschalldämmung ist eine Verbundfolie aufkaschiert. Eine darunter liegende Styroporschicht sorgt für Brand-, Feuchtigkeits- und Schallschutz. Die Heizungsrohre werden in einem bestimmten Abstand voneinander auf der Verbundfolie mit Tacker-Heizrohrhaltern festgetackert. Die Heizungsrohrhalter werden mit einem Tackermontagegerät über das Heizrohr hinweg in die Dämmschicht gedrückt. Damit die Heizrohrabstände gleichmäßig sind, ist auf der Folienoberseite ein Linienraster aufgedruckt.
Beim Klettsystem ist, wie beim Tackersystem, die Wärme- und Trittschalldämmung an der Unterseite in regelmäßigen Abständen eingeschnitten, damit sie gerollt werden kann. Auf die Wärme- und Trittschalldämmung ist eine Verbundfolie mit Klettschicht aufkaschiert. Die Fußbodenheizungsrohre sind hier ab Werk spiralförmig mit einem Klettband umwickelt. Die Rohre werden wie gewohnt abgerollt und einfach auf die mit Klett kaschierte Dämmplatte im berechneten Abstand aufgedrückt. Ein aufgedrucktes Verlegeraster erleichtert dabei die Orientierung.
Das Klemmschienensystem basiert auf Klemmschienen aus Polypropylen, die auf der Fußbodendämmung fixiert werden. Dazu weist die Schiene Bohrungen auf, mit der sie verschraubt werden kann. In die Klemmen dieser Schienen werden dann die Heizungsrohre der Fußbodenheizung gedrückt. Wer auf Bohrungen verzichten möchte oder wegen der darunter liegenden Dämmung verzichten muss, der kann auf selbstklebende Klemmschienen zurückgreifen. Die Polypropylen-Schienen besitzen einen klebeaktiven Haftstreifen zur Befestigung auf der Dämmung.

Vorab klären: Passt das Haus zur Fußbodenheizung?
Nicht jedes Gebäude ist ohne Weiteres für die Nachrüstung geeignet. Entscheidend sind der Zustand und die Dicke des vorhandenen Estrichs, die verfügbare Aufbauhöhe an Türen und Treppen sowie die Dämmung unter dem Boden. Auch der Wärmeerzeuger spielt eine Rolle, denn die Fußbodenheizung arbeitet mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Die folgenden Punkte sollten vor der Beauftragung geklärt sein:
Vor dem Nachrüsten prüfen
Was kostet das Nachrüsten?
Die Kosten hängen vor allem vom System ab: Für das Frässystem sollte man mit etwa 30 bis 120 Euro je Quadratmeter rechnen, für ein Nasssystem mit 45 bis 130 Euro und für ein Trockensystem mit 65 bis 135 Euro – jeweils inklusive Einbau. Hinzu kommen je nach Baustelle Nebenarbeiten wie das Entfernen des alten Belags, Ausgleichsarbeiten oder ein neuer Bodenbelag. Eine detaillierte Aufstellung inklusive Betriebskosten bietet der Ratgeber zu den Kosten einer Fußbodenheizung. Ob sich die Nachrüstung lohnt, hängt auch vom Wärmeerzeuger ab: In Kombination mit einer Wärmepumpe spielt die Fußbodenheizung ihren Effizienzvorteil am deutlichsten aus. Angebote regionaler Fachbetriebe lassen sich über den Fachbetriebe-Vergleich einholen.
Welches System passt zu Ihrer Sanierung?
Vier typische Ausgangslagen – und welches System jeweils naheliegt.
WennRenovierung, Estrich bleibt drin, Aufbauhöhe knapp
Dann Frässystem
Die Kanäle werden in den vorhandenen Estrich gefräst – keine zusätzliche Aufbauhöhe, meist in wenigen Tagen erledigt. Voraussetzung: Der Estrich ist dick und tragfähig genug.
WennSchnelle, trockene Baustelle – auch in Eigenleistung
Dann Trockensystem
Systemplatten mit Trockenestrich: keine Estrich-Trocknungszeit, schnell begehbar, geringes Gewicht – bei geprüfter Statik auch für Holzbalkendecken geeignet. Dafür je Quadratmeter meist am teuersten.
WennKernsanierung mit komplett neuem Fußbodenaufbau
Dann Nasssystem
Kommt der Estrich ohnehin neu, ist das Nasssystem die wirtschaftliche Standardlösung mit der besten Wärmespeicherung – Trocknungszeit des Estrichs einplanen.
WennNur einzelne kleine Räume, etwa das Bad
Dann Elektrisches System prüfen
Elektrische Heizmatten sind schnell und flach verlegt – wegen der hohen Stromkosten aber nur für kleine, zeitweise beheizte Flächen sinnvoll.
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