Ökostrom – Die grüne Alternative
Der Ökostromanteil am bundesdeutschen Strom-Mix ist seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen. Gemeinhin wird mit Ökostrom Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind oder Wasser bezeichnet. Die Erzeugung ist sehr viel umwelt- und klimafreundlicher möglich als beispielsweise bei Atomstrom. Anders als etwa bei der Gewinnung von Strom aus Braun- oder Steinkohle, werden darüber hinaus keine fossilen und damit nur in begrenztem Maße vorhandenen Ressourcen ausgebeutet. Umso überraschender ist es, dass es keine allgemeingültige Definition des Begriffs Ökostrom gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ökostrom ist Strom aus erneuerbaren Quellen – eine einheitliche gesetzliche Definition gibt es aber nicht.
- Physikalisch kommt bei allen der gleiche Netz-Mix an; der Tarif wirkt über Herkunftsnachweise und Investitionen.
- Wirklich grün wird es vor allem mit anspruchsvollen Siegeln, die den Neubau von Anlagen fördern.

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Für den Verbraucher ist diese Situation verwirrend, denn ob sein Energieanbieter tatsächlich sauberen und nachhaltigen Strom anbietet oder lediglich sogenanntes Greenwashing betreibt, ist für ihn nicht ohne Weiteres zu erkennen. Hinzu kommt, dass alle Energieanbieter ihren erzeugten Strom in dasselbe Netz einspeisen. Dies ist technisch nicht anders möglich. Allerdings führt es dazu, dass bei allen Kunden faktisch der gleiche Strom-Mix aus der Steckdose fließt, ob sie nun zu einem Ökostrom-Anbieter gewechselt sind oder nicht.
Wie lässt sich dann überhaupt belegen, dass ein Tarif grün ist? Dafür gibt es ein staatlich überwachtes System: die Herkunftsnachweise. Sie sollen sicherstellen, dass jede Kilowattstunde Grünstrom nur einmal als Ökostrom verkauft wird.
Herkunftsnachweise: So wird Ökostrom belegt
1Worum es geht
Für jede erzeugte Megawattstunde Ökostrom stellt das Umweltbundesamt einen Herkunftsnachweis aus. Verkauft ein Anbieter Ökostrom, muss er passende Nachweise entwerten – das verhindert, dass dieselbe grüne Kilowattstunde mehrfach als Ökostrom vermarktet wird.
2Worauf achten

Ein Grund für umweltbewusste Verbraucher, auf Ökostrom zu verzichten, ist das jedoch nicht. Entscheidend ist aber die Qualität des Tarifs: Ein einfacher Ökostromtarif mit reinen Herkunftsnachweisen belegt nur bilanziell die Lieferung erneuerbaren Stroms und führt nicht automatisch zu mehr erneuerbarer Erzeugung. Erst Tarife mit anspruchsvollem Siegel, die in neue Anlagen investieren, steigern den Ökostromanteil im gesamten Strompool spürbar. Wie sehr der Ökostromanteil am Strom-Mix im Lauf der Zeit gestiegen ist, zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).
Laut Angaben des Ministeriums lag der Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2000 erst bei etwa sechs Prozent. 2018 waren es bereits rund 38 Prozent, 2024 schon rund 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs.
Erneuerbare in Deutschland: rasanter Aufstieg
Regenerative Energiequellen
Die wichtigste regenerative Energiequelle ist in Deutschland der Wind. 2024 lieferte die Windkraft rund 138 Milliarden Kilowattstunden – mehr als jede andere Stromquelle. Weitere natürliche und/oder unbegrenzt verfügbare Energiequellen, die derzeit maßgeblich zur Stromerzeugung in Deutschland beitragen, sind Solarenergie, Biomasse und Wasserkraft. Die spezifische Art der Stromgewinnung ist dabei von Energieträger zu Energieträger unterschiedlich.

Im Falle des Windstroms sind die „Kraftwerke“ kaum zu übersehen. Die Rotoren der aufgestellten Windräder werden vom Wind angetrieben. Die Windkraft-Anlage wandelt diese Energie in elektrischen Strom um und speist diesen ins Netz ein. Nach Angaben des Bundesverbands WindEnergie auf Basis der WindGuard GmbH gab es „Ende 2023 insgesamt 28.667 Onshore-Windenergieanlagen“.
Die derzeit zweitwichtigste Energiequelle ist die Photovoltaik, also die Stromgewinnung aus Sonnenenergie. Ihre vergleichsweise hohe Popularität hängt damit zusammen, dass sie von nahezu jedermann genutzt werden kann. Zur Stromerzeugung werden Solarzellen auf eine geeignete Fläche montiert, beispielsweise auf das eigene Hausdach. Die Solarmodule wandeln die einstrahlende Lichtenergie in Strom um. Dieser Strom kann entweder zum Eigenverbrauch genutzt oder in das Stromnetz eingespeist werden.

Biomasse liegt als Energiequelle an dritter Stelle. Zur Biomasse zählen unter anderem Holz, Stroh und Getreide. Strom aus Biomasse wird in speziellen Kraftwerken auf unterschiedlichem Weg erzeugt, beispielsweise durch Gärung oder Verbrennung.

Wasserkraftwerke erzeugen Strom mithilfe der Bewegungsenergie des Wassers. Hierzu wird es zunächst gestaut. Das abfließende Wasser treibt Turbinen an, die die gewonnene Energie an Generatoren weitergeben. Diese wandeln die mechanische Energie in Strom um und speisen ihn anschließend in das Netz ein.

Ökostrom Gütesiegel
Um die Spreu vom Weizen zu trennen und Verbrauchern ein objektives Urteil über die Leistungen von Ökostrom-Anbietern und -Tarifen zu ermöglichen, gibt es für Ökostrom Gütesiegel verschiedener Organisationen. Sie legen bei der Zertifizierung jedoch unterschiedlich strenge Kriterien an. Potenzielle Stromkunden kommen deshalb nicht umhin, sich zunächst einmal zu informieren, welches Siegel ihren Ansprüchen am ehesten gerecht wird. Folgende Fragen ermöglichen eine gute Einschätzung der Seriosität eines Ökostrom-Anbieters und seines Engagements im Umwelt- und Klimaschutz:
- Verfolgt der Anbieter eine transparente und klare Informationspolitik?
- Bietet er eine faire Vertragsgestaltung mit vertretbarer Kündigungsfrist an?
- Kooperiert der Anbieter mit Atomenergie-Konzernen oder hält einer dieser Konzerne Anteile an dem Ökostrom-Anbieter?
- Investiert der Anbieter in neue Anlagen zur Gewinnung von regenerativer Energie, die über das gesetzlich verlangte Maß für die EEG-Förderung hinausgehen und kann er das nachweisen?
- Kann der Anbieter ein aktuelles und möglichst nach strengen Kriterien vergebenes Ökostrom-Gütesiegel vorweisen?

Aussagekräftige Gütesiegel lassen mehrere oder alle diese Fragen in ihren Kriterienkatalog einfließen.
Mythos-Check: Ökostrom = automatisch neue Ökokraftwerke?
Staatliche Förderung
Die Gewinnung von Strom aus regenerativen Energiequellen ist politisch gewünscht und wird daher vom Staat gefördert. Rechtliche Grundlage ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG); sein heutiger Titel lautet Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (früher: Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien). Es legt unter anderem fest, dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen bevorzugt in das Stromnetz einzuspeisen ist. Darüber hinaus legt es Vergütungssätze für die Ökostrom-Erzeuger fest. Sie werden kontinuierlich an die aktuelle Marktsituation angepasst. Früher wurden die EEG-Förderkosten über die sogenannte EEG-Umlage finanziert, die die Versorger an ihre Kunden weitergaben. Diese Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf null gesenkt und 2023 ganz abgeschafft; seitdem trägt der Bund die Förderkosten über den Bundeshaushalt.
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