Immer noch ist Erdgas der wichtigste Energieträger in Deutschland. Gerade in Mietwohnungen ist es nach wie vor das meistgenutzte Heizmittel. Doch Gas ist nicht gleich Gas. In Deutschland gibt es zweierlei Arten des gasförmigen Kraftstoffs und damit auch zweierlei Leitungen, über das die beiden verschiedenen Erdgas-Optionen transportiert werden. In manchen Leitungen gelangt weniger energiehaltiges L-Gas, in den übrigen hochwertigeres H-Gas zu den Verbrauchern.
Seit 2015 läuft die Marktraumumstellung: Netzbetreiber stellen die verbliebenen L-Gas-Gebiete schrittweise auf H-Gas um. Hintergrund sind vor allem rückläufige L-Gas-Aufkommen in Deutschland und sinkende L-Gas-Importe aus den Niederlanden; die Umstellung dient daher in erster Linie der Versorgungssicherheit.
Hintergrund ist vor allem die niederländische Förderung: Nach wiederholten Erdbeben hat die Regierung das Groningen-Feld – lange die wichtigste L-Gas-Quelle für Deutschland – stillgelegt und die Förderung beendet. Deutschland, das noch einen Teil seines Gases als L-Gas bezieht, stellt seinen Marktraum deshalb schrittweise auf H-Gas um.

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Der Vorteil von H-Gas gegenüber L-Gas
Der Begriff „L-Gas“ steht für „Low calorific gas“ (niederkalorisches Gas). Gefördert wird das weniger energiehaltige Gas in Deutschland und den Niederlanden. Verbraucht wird es vor allem im Westen und Norden Deutschlands, darunter die Bundesländer Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Ein Großteil Deutschlands wird mittlerweile mit dem energiereicheren H-Gas, „High calorific gas“ (hochkalorisches Gas), versorgt; verfügbare H-Gas-Aufkommen kommen unter anderem aus Dänemark, Norwegen/Nordsee sowie LNG-Anlagen.
H-Gas hat einen höheren Methangehalt und damit einen höheren Brennwert beziehungsweise Energiegehalt als L-Gas. Die exakten Werte schwanken je nach Herkunft und Netzgebiet; maßgeblich für die Abrechnung ist der auf der Gasrechnung ausgewiesene Brennwert.
L-Gas und H-Gas im Vergleich
| Merkmal | L-Gas | H-Gas |
|---|---|---|
| Bedeutung | Low calorific gas (niederkalorisch) | High calorific gas (hochkalorisch) |
| Methangehalt | im Schnitt 79,8 % | im Schnitt 95,5 % |
| Brennwert | Ø rund 8,2 kWh/m³ | Ø rund 11,1 kWh/m³ |
| Herkunft | Deutschland, Niederlande | Dänemark, Norwegen/Nordsee, LNG |
| Zukunft | wird bis 2030 abgelöst | Zielqualität im gesamten Netz |
Umstellung von L-Gas auf H-Gas
Die Umstellung ist vor allem der seit 2015 stattfindenden Gasumstellung auf H-Gas zu verdanken, die 2030 abgeschlossen sein soll. Seit Beginn der Umstellung wurden bereits mehr als zwei Millionen Gasgeräte auf den effizienteren Energieträger angepasst.
Überprüfung der Gasgeräte auf die H-Gas-Tauglichkeit
Damit die Gasversorgung in jedem Haushalt sicher vonstatten geht, ist es wichtig, dass die jeweiligen Gasgeräte auf das zugelieferte Gas abgestimmt sind. Daher muss jedes Gasgerät erfasst und geprüft werden, bevor ein Haushalt auf H-Gas umgestellt werden kann. Je nach Gerät werden zum Beispiel Gasdüsen gewechselt oder Einstellungen an der Regelung vorgenommen. Nur wenige Geräte sind technisch nicht anpassbar; dann kommt ein Austausch des Gasgeräts in Betracht.
Für die Umstellung auf H-Gas sind in ganz Deutschland mehr als 1000 Heizungsexperten unterwegs. Alle Kosten, die durch die Gasumstellung entstehen, tragen die Netzbetreiber. Betroffene Anschlussnehmer werden schriftlich informiert; der technische Umstellungstermin muss zwei Jahre vorher veröffentlicht werden. Wichtig ist, die angekündigten Termine zu ermöglichen und die Ausweise der beauftragten Monteure zu prüfen.

So erfolgt die Umstellung
Etwa ein Jahr vor der tatsächlichen Umstellung erfassen Fachleute nach Terminabsprache alle Gasgeräte in Ihrem Haus. Die technische Anpassung findet in der Regel etwa ein Jahr später statt; den Termin vereinbart der Netzbetreiber beziehungsweise das beauftragte Unternehmen mit Ihnen. Die Monteure bringen die nötigen Ersatzteile in der Regel mit.

In wenigen Fällen kann das Gasgerät technisch nicht angepasst werden. Dann müssen Eigentümer den Austausch klären; unter bestimmten Bedingungen bestehen Kostenerstattungsansprüche gegenüber dem Netzbetreiber, zusätzlich kann für klimafreundliche Heizungen die BEG-Heizungsförderung über die KfW in Frage kommen. Förderanträge sollten vor Beauftragung geprüft werden. In einer Mietwohnung ist der Vermieter für die Anschaffung eines neuen Heizgeräts zuständig.

In jedem zehnten Haushalt erfolgt nach der Umstellung eine Qualitätskontrolle. Auch dieser Termin wird drei Wochen im Voraus angekündigt.
Keine Kostenerhöhung durch die Gasumstellung
Der höhere Brennwert von H-Gas führt nicht automatisch zu höheren Heizkosten für denselben Wärmebedarf. Abgerechnet wird nicht das reine Zählervolumen, sondern die Energiemenge in Kilowattstunden; dafür werden unter anderem Brennwert und Zustandszahl berücksichtigt. Die Kosten der Marktraumumstellung werden allerdings bundesweit über eine Umlage beziehungsweise Netzentgelte verteilt.
Umstellung auf H-Gas – das müssen Sie wissen
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Was kostet mich die Umstellung?
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