Biogas Pro und Contra

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Biogas – Gut, aber nicht perfekt

Biogas Pro & Kontra
Biogas Pro & Kontra © Wogi, fotolia.com

Biogas ist eine umweltfreundliche Energiequelle, die zudem, im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen wie Erdgas, unbegrenzt verfügbar ist. Auch wenn die Anfänge der Biogas-Technologie in Deutschland bis in die 1930er-Jahre zurückreichen, kam es erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer sprunghaften Zunahme von Biogas-Anlagen. Zwar ist das Verfahren mittlerweile ausgereift, doch sind für einige negative Auswirkungen der Technologie noch keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden worden. Wir stellen im Folgenden die größten Vor- und Nachteile von Biogas vor.

Biomasse ist zweitwichtigste regenerative Energiequelle

Mit der stetig zunehmenden Weltbevölkerung und den gleichzeitig immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen werden sinnvolle Antworten auf die Frage nach der künftigen Energieversorgung dringender. Die Gewinnung von fossilen Brennstoffen wird aufgrund ihres schwindenden Bestands kostspieliger. Erdgas beispielsweise wird in der Regel aus schwer erreichbaren unterirdischen Lagern gewonnen.

Regenerative Energien wie Biogas haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nahezu unbegrenzt und dauerhaft verfügbar. Darüber hinaus ist Biomasse nicht von bestimmten klimatischen Umständen abhängig. Nicht verwertbare Pflanzenteile, Gülle oder organischer Abfall entstehen so oder so. Aus diesem Grund wird die Biomasse bevorzugt für die Grundversorgung und zum Ausgleich von Netzschwankungen herangezogen. Mittlerweile ist sie zur zweitwichtigsten regenerativen Energiequelle in Deutschland geworden.

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Zusätzliche Einnahmequelle für Landwirte

Anders als Erdgas muss es nicht über weite Strecken aus entlegenen Gegenden ins Land transportiert, sondern kann in der Nähe der Endverbraucher erzeugt werden. Schließlich fallen überall Exkremente oder Erntereste an. Im wahrsten Sinne des Wortes kann hier Müll zu Geld gemacht werden. Zum einen können sich Landwirte eine zusätzliche Einnahmequelle für Erzeugnisse erschließen, die sie sonst nicht hätten weiterverwerten können. Zum anderen kann Biogas unter bestimmten Umständen auch aus der Müllverbrennung selbst gewonnen werden.

Ein weiterer Vorteil des Biogases: Viele Energiepflanzen wachsen gut unter den klimatischen Bedingungen, die in Deutschland herrschen. Diese Rohstoffe zeichnen sich durch einen hohen Ertrag an Methan aus, das bei der Gewinnung von Biogas eine entscheidende Rolle spielt. Auch hinsichtlich der Ökobilanz trumpft Biogas auf.

Zwar wird klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt, doch wurde es zuvor auf natürlichem Wege aus der Atmosphäre gebunden, so dass unter dem Strich die CO2-Neutralität steht.

Biogas CO2-Bilanz
Biogas – CO2 Bilanz sieht gut aus, © Bild: Agentur für erneuerbare Energien

Ganze Prozesskette ist in die Bilanz einzubeziehen

So einfach ist es allerdings nicht, monieren viele Biogas-Kritiker. Schließlich sei es mit einer klimaneutralen Verbrennung alleine nicht getan. Abhängig von den verwendeten Rohstoffen und der Lage und Effizienz der Biogas-Anlagen fallen sehr wohl schädliche Emissionen an. So sollte unter anderem der Bau der Anlagen, von denen es in Deutschland mittlerweile immerhin mehr als 6000 gibt, mit in die Bilanz einfließen.

Auch eine zu große Entfernung vom Erzeuger der Rohstoffe zur verarbeitenden Anlage kann die Ökobilanz vermasseln, da der Transport, beispielsweise mittels LKW, unter Umweltgesichtspunkten vieles vom eingesparten Ausstoß zunichtemacht. Ganz zu verhindern ist dies nicht, da viele Biogas-Anlagen ihre Kapazität nicht alleine mit Rohstoffen der umliegenden Landwirte decken können.

Biogas ist nicht gleich Erdgas

Neben dem Bau ist auch der Betrieb von Biogas-Anlagen, trotz aller technischer Fortschritte, ein komplexes Unterfangen. Biogas entsteht durch einen mehrschichtigen Prozess, in dem unter anderem organische Stoffe zum Faulen gebracht werden. Neben den erwünschten Produkten dieses Prozesses, allen voran dem Methan, bilden sich weitere chemische Verbindungen, die bei der Herstellung eigentlich nicht erwünscht sind. Dazu können unter anderem der stark giftige Schwefelwasserstoff und das ebenfalls giftige Ammoniak zählen. Die Vorgänge sind zwar berechenbar, doch entbindet das die Anlagenbetreiber nicht von ihrer Pflicht, besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und diese ständig zu überwachen.

Von Biogas geht eine geringere Explosionsgefahr aus als von Erdgas. Was unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit vorteilhaft ist, hat aber gleichfalls einen Nachteil für die Verwertbarkeit. Eine direkte Einspeisung von Biogas in das Gasnetz ist aufgrund des unterschiedlichen Drucks nicht möglich. Soll das Gas nicht für die direkte Verbrennung genutzt, sondern durch das Netz transportiert werden, ist vorher eine aufwendige und kostspielige Veredelung nötig.

Herausforderungen für Landwirte

Natur ist Natur, und was die einen als frische Landluft bezeichnen, beurteilen andere vielleicht schon als Geruchsbelästigung. Die professionelle Konstruktion einer Biogas-Anlage ist aus zwei Gründen zwingend notwendig. Zum einen kann es aufgrund der großen Mengen an organischen Rohstoffen, die verarbeitet werden, zu starken Geruchsbelästigungen kommen. Weht der Wind ungünstig, können davon auch Bewohner in einiger Entfernung zur Anlage noch einiges bemerken. Zum anderen darf die Anlage keine größeren Mengen an Methan in die Atmosphäre entweichen lassen, da das Gas dort den gefürchteten Treibhauseffekt noch verstärkt.

Ein weiteres Problem stellen die Energiepflanzen dar, die einen Landwirt in ein moralisches Dilemma bringen können. Deren Anbau kann für ihn unter Umständen sehr viel lohnender sein als der Anbau von Nahrungsmitteln. Dies ist ein Grund dafür, dass Fachleute und Nichtregierungsorganisationen bereits vor einem Verdrängungswettbewerb gewarnt haben, der die Hungersnot in der globalisierten Welt weiter verschärfen könnte. Darüber hinaus ist es für die biologische Vielfalt und den Boden mitsamt seinen Nährstoffen nachteilig, wenn flächendeckend lediglich nur noch einzelne Pflanzensorten angebaut werden. Bekommt man diese Probleme noch besser in den Griff, wird die ohnehin schon als umweltfreundlich zu bezeichnende Energiequelle Biogas noch attraktiver.

Biogas Anbaufläche steigt
Anbaufläche für Energiepflanzen steigt, © Bild: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

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