Biogas – Gut, aber nicht perfekt
Das Wichtigste in Kürze
- Biogas ist erneuerbar, grundlastfähig und macht aus Abfällen und Gülle nutzbare Energie.
- Klimaneutral ist es nur, wenn die ganze Prozesskette stimmt – Bau, Transport und Rohstoffe zählen mit.
- Kritisch sind Monokulturen und der „Tank-oder-Teller“-Konflikt beim Anbau von Energiepflanzen.
Biogas ist eine erneuerbare Energiequelle, die – anders als fossiles Erdgas – immer wieder nachwächst. Die nutzbaren Mengen sind allerdings begrenzt. Auch wenn die Anfänge der Biogas-Technologie in Deutschland bis in die 1930er-Jahre zurückreichen, kam es erst in den vergangenen Jahrzehnten zu einer sprunghaften Zunahme von Biogas-Anlagen. Zwar ist das Verfahren mittlerweile ausgereift, doch sind für einige negative Auswirkungen der Technologie noch keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden worden. Wir stellen im Folgenden die größten Vor- und Nachteile von Biogas vor.

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Biogas: Vorteile und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Erneuerbar und grundlastfähig – anders als Sonne und Wind planbar verfügbar
- Macht aus Reststoffen, Gülle und Abfall nutzbare Energie
- Wird lokal erzeugt – kurze Wege statt weiter Importe
- Zusätzliche Einnahmequelle für Landwirte
Nachteile
- Reines Biogas ist nur begrenzt verfügbar
- Klimabilanz hängt von Bau, Transport und Rohstoffen ab – nicht automatisch CO₂-neutral
- Geruch und Sicherheitsrisiken; große Anlagen unter der Störfall-Verordnung
Biomasse ist die wichtigste regenerative Energiequelle
Mit der stetig zunehmenden Weltbevölkerung und den gleichzeitig immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen werden sinnvolle Antworten auf die Frage nach der künftigen Energieversorgung dringender. Die Gewinnung von fossilen Brennstoffen wird aufgrund ihres schwindenden Bestands kostspieliger. Erdgas beispielsweise wird in der Regel aus schwer erreichbaren unterirdischen Lagern gewonnen.
Regenerative Energien wie Biogas haben einen entscheidenden Vorteil: Sie wachsen dauerhaft nach – die nutzbaren Mengen bleiben jedoch begrenzt. Darüber hinaus ist Biomasse nicht von bestimmten klimatischen Umständen abhängig. Nicht verwertbare Pflanzenteile, Gülle oder organischer Abfall entstehen so oder so. Aus diesem Grund wird die Biomasse bevorzugt für die Grundversorgung und zum Ausgleich von Netzschwankungen herangezogen. Mittlerweile ist sie zur wichtigsten regenerativen Energiequelle in Deutschland geworden.

Zusätzliche Einnahmequelle für Landwirte
Anders als Erdgas muss Biogas nicht über weite Strecken aus entlegenen Gegenden ins Land transportiert werden, sondern wird in der Nähe der Endverbraucher erzeugt. Schließlich fallen überall Abfälle wie Klärschlamm oder Erntereste an. Im wahrsten Sinne des Wortes kann hier Müll zu Geld gemacht werden. Zum einen können sich Landwirte eine zusätzliche Einnahmequelle für Erzeugnisse erschließen, die sie sonst nicht hätten weiterverwerten können. Zum anderen können geeignete Bioabfälle, Klärschlamm oder andere vergärbare Reststoffe energetisch genutzt werden; Müllverbrennung erzeugt dagegen Wärme und Strom, aber kein Biogas.
Ein weiterer Vorteil des Biogases: Viele Energiepflanzen wachsen gut unter den klimatischen Bedingungen, die in Deutschland herrschen. Diese Rohstoffe zeichnen sich durch einen hohen Ertrag an Methan aus, das bei der Gewinnung von Biogas eine entscheidende Rolle spielt. Auch hinsichtlich der Ökobilanz trumpft Biogas auf.
Zwar wird bei der Nutzung Kohlendioxid freigesetzt, das zuvor biogen gebunden wurde. Klimaneutral ist Biogas aber nur näherungsweise, wenn Rohstoffe, Transport, Methanverluste und Anlagenbetrieb in der Gesamtbilanz passen.

Ganze Prozesskette ist in die Bilanz einzubeziehen
So einfach ist es allerdings nicht, monieren viele Biogas-Kritiker. Schließlich sei es mit einer klimaneutralen Verbrennung alleine nicht getan. Abhängig von den verwendeten Rohstoffen und der Lage und Effizienz der Biogas-Anlagen fallen sehr wohl schädliche Emissionen an. So sollte unter anderem der Bau der Anlagen, von denen es in Deutschland mittlerweile immerhin mehr als 9.600 gibt, mit in die Bilanz einfließen.
Auch eine zu große Entfernung vom Erzeuger der Rohstoffe zur verarbeitenden Anlage kann die Ökobilanz negativ beeinträchtigen, da der Transport, beispielsweise mittels Lkw, unter Umweltgesichtspunkten vieles vom eingesparten Ausstoß zunichtemacht. Ganz zu verhindern ist dies nicht, da viele Biogas-Anlagen ihre Kapazität nicht alleine mit Rohstoffen der umliegenden Landwirte decken können.

Biogas ist nicht gleich Erdgas
Biogasanlagen bauen organisches Material unter Sauerstoffabschluss ab; dabei entsteht zunächst Rohbiogas mit Methan, Kohlendioxid und Begleitstoffen. Soll es ins Erdgasnetz, wird Biogas auf Erdgasqualität hin aufbereitet: Der Methangehalt steigt, Kohlendioxid wird abgetrennt, das Gas wird getrocknet und Schwefelwasserstoff sowie weitere störende Spurstoffe werden entfernt.

Herausforderungen für Landwirte
Natur ist Natur, und was die einen als frische Landluft bezeichnen, beurteilen andere vielleicht schon als Geruchsbelästigung. Die professionelle Konstruktion einer Biogas-Anlage ist aus mehreren Gründen zwingend notwendig. Zum einen kann es aufgrund der großen Mengen an organischen Rohstoffen, die verarbeitet werden, zu starken Geruchsbelästigungen kommen. Weht der Wind ungünstig, können davon auch Bewohner in einiger Entfernung zur Anlage noch einiges bemerken. Zum anderen darf die Anlage keine größeren Mengen an Methan in die Atmosphäre entweichen lassen, da das Gas dort den gefürchteten Treibhauseffekt noch verstärkt.
Biogasanlagen sind gleichzeitig eine Industrieanlage mit hohem Risiko, werden doch nicht nur explosionsfähige Stoffe in großem Maße produziert, sondern auch wasserschädliche Stoffe wie Gärreste und andere Substrate verarbeitet. Hier ist ein sehr gutes Risikomanagement gefragt. Je nach Größe und Substrat können Biogasanlagen immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftig sein; zusätzlich greift die Störfall-Verordnung ab 10 Tonnen vorhandener Masse an rohem Biogas.
Ein weiteres großes Problem stellt der Anbau von Energiepflanzen dar. Dieses Problem kann mit dem Schlagwort „Tank oder Teller“ beschrieben werden. Ist der Anbau von Energiepflanzen lohnender als der Anbau von Nahrungsmitteln, wird die Entscheidung für Landwirte schwierig. Dies ist ein Grund dafür, dass Fachleute und Nichtregierungsorganisationen bereits vor einem Verdrängungswettbewerb gewarnt haben. Monokulturen von Energiepflanzen wie Mais sind nicht ökologisch und vermindern die biologische Vielfalt. Nur wenn diese zahlreichen Probleme angegangen und bei der Produktion von Biogas in erster Linie Abfallstoffe genutzt werden, kann Biogas zum sinnvollen Umbau unseres Energiemixes beitragen.
Kritikpunkt: Tank oder Teller
- Konkurrenz zu LebensmittelnLohnt sich der Anbau von Energiepflanzen mehr als der von Nahrung, droht ein Verdrängungswettbewerb – das Schlagwort lautet „Tank oder Teller“.
- MonokulturenGroßflächiger Mais-Anbau für Biogas mindert die biologische Vielfalt und ist ökologisch fragwürdig.
- Besser: Reststoffe nutzenSetzt die Produktion vor allem auf Abfälle und Gülle statt auf Energiepflanzen, fällt die Ökobilanz deutlich besser aus.

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