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Nachhaltiger Umgang mit knappen Wasserressourcen ist ein Gebot der Vernunft

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Nachhaltiger Umgang mit knappen Wasserressourcen ist ein Gebot der Vernunft

Gastbeitrag von Prof. Dr. Erik Gawel, Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Infrastruktur und Ressourcenmanagement an der Universität Leipzig und stellvertretender Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Rahmen der Artikelserie „Wasser sparen

Erik Gawel

Seit langem ist der Nutzen des Wassersparens in Deutschland heftig umstritten (Wissen 2009): Vor allem die kommunalen Wasserver- und -entsorger sehen nur Probleme bei rückläufigem Verbrauch. Zudem wird auf das globale Wasserdargebot in Deutschland verwiesen, also der Gesamtmenge sich jährlich erneuernden Wassers, das „erst“ zu rund 20% genutzt werde. Ist Wassersparen hierzulande also Unsinn, ja geradezu schädlich?
Mitnichten! Zunächst sind globales Dargebot und regionale Verfügbarkeit zwei Paar Schuhe: Brandenburg oder Sachsen-Anhalt besitzen teilweise heute schon eine negative klimatische Wasserbilanz und sind keineswegs „wasserreich“. Ein regional differenzierter Klimawandel wird in Zukunft regionale und saisonale Wasserklemmen wahrscheinlicher machen.

Ökologische Kosten der Wasserentnahme berücksichtigen

Zudem darf es aus ökologischen Gründen gar keine 100%ige Nutzung des Dargebotes geben: Bei der Überfluss-These wird regelmäßig übersehen, dass Wasserressourcen in erster Linie Teil des natürlichen Wasserhaushaltes sind und dort vielfältige ökologische Funktionen übernehmen. So sieht es auch das neue deutsche Wasserhaushaltsgesetz, das hier einen Interessenausgleich sucht und Wasserressourcen auch „als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut“ schützen möchte. Mit einer 100%-Nutzung durch Entnahmen für menschliche Zwecke ist jedenfalls eine nachhaltige Bewirtschaftung unseres Dargebotes in all diesen Funktionen nicht zu vereinbaren. Nicht ohne Grund wird nach internationalen Konventionen bereits ab 20%iger Nutzung des Dargebotes von „Wasserstress“ gesprochen. Dieser Wert ist in Deutschland insgesamt sowie bei einigen deutschen Flusseinzugsgebieten immer noch erreicht oder gar überschritten (EEA 2008, S. 18).

Wasserknappheit ist nicht Wassermangel

Es stimmt: Deutschland ist kein Mangelgebiet. Und doch sind Wasserressourcen ökonomisch und ökologisch knapp: Ein entnommener Liter steht eben nicht mehr dem natürlichen Wasserhaushalt zur Verfügung und konkurriert mit anderen Verwendungen. Trinkwasser aus Uferfiltrat und Fernwasserversorgungen künden seit langem von diesen Knappheiten bei der Wasserbereitstellung. Auch greifen wir nicht nur mengenmäßig auf Wasserressourcen zu: Die Qualität ist ebenso entscheidend: Grundwasser wird zunehmend durch agrarische Pestizid- oder Nitrateinträge als Trinkwasser ungeeignet. Natürlich könnte man diese Knappheitskonflikte durch scharfe Auflagen oder Verbote gegen die Landwirtschaft lösen, aber wie realistisch ist dies? Eine Entschärfung von Knappheitskonflikten gelingt auch dadurch, dass sich die Ansprüche an qualitativ hochwertige Wasserentnahmen insgesamt zurückhaltend entwickeln.
Ökonomische Knappheit darf dabei nicht mit „Mangel“ verwechselt werden: Auch an Brot oder Mobiltelefonen herrscht in Deutschland gewiss kein Mangel, doch sind auch diese Güter ökonomisch knapp und tragen daher zu Recht einen Preis. Dieser Preis hält nicht wirklich zu „Brotsparen“ an, führt aber doch zu einem vernünftigen Abwägen, ob der individuelle Nutzen die im Preis signalisierten gesellschaftlichen Kosten wirklich wert ist. Diese Vernunft-Logik, die für alle anderen Güter gilt, brauchen wir auch beim kostbaren Gut Wasser.

Vorsorgeanreize statt Wassersparen „um jeden Preis“

Dies ist also gerade kein Plädoyer für Wassersparen „um jeden Preis“: Eine der Vorsorge verpflichtete, zurückhaltende Nutzung des Wasserdargebotes organisiert man am besten so, dass ökonomische Anreize gesetzt werden. Diese führen den Nutzern die Knappheit des Gutes vor Augen, z. B. über kostendeckende Preise und regionale Wasserentnahmeentgelte. So lassen sich nämlich die gesellschaftlichen Kosten einer im Umfang durchaus flexiblen „Zurückhaltung“ beim Wasser möglichst gering halten. Eine Erzwingung von Wasserverzichten durch bürokratische technische Vorgaben oder direkte Sparauflagen ohne Berücksichtigung lokaler Knappheiten sind hingegen selten sinnvoll. Daher werden etwa die Überlegungen der EU-Kommission, europaweit einheitliche Gebäudestandards in Bezug auf Wassereffizienz einzuführen, auch zu Recht kritisiert.

Nachhaltigkeit bedeutet langfristig schonenden Umgang

Bleiben die kommunalen Infrastrukturen der Wasserver- und Abwasserentsorgung: Sie geraten technisch und betriebswirtschaftlich in Schwierigkeiten, wenn wenig Wasser fließt. Doch was bedeutet dies für die heute nötigen Weichenstellungen künftiger Wassernutzung: Sollten wir jeweils für eine gute Auslastung historisch (fehl-)dimensionierter Anlagen sorgen? Oder sollten wir nicht vielmehr richtige Anreize zu einem langfristig schonenden Umgang setzen, der das Etikett Nachhaltigkeit auch verdient? Hier spielen Wasserpreise, die die ökonomische und ökologische Wahrheit sagen, eine wichtige Rolle. Flat-Rate-Tarife sind völlig fehl am Platze und widersprechen auch der klaren Vorgabe der Wasserrahmenrichtlinie, in den Preisen Anreize zu effizienter Nutzung von Wasserressourcen zu setzen. Effizient bedeutet gerade unter Beachtung aller gesellschaftlichen Kosten der Wasserinanspruchnahme, also auch der ökologischen.

Es wird klar: Der Umgang mit Wasser hat vielfältige, zum Teil auch widersprüchliche Aspekte. Die schlichte Botschaft, angeblich im Überfluss vorhandenes Wasser in Deutschland endlich schamfrei zu verschwenden, ist jedoch fatal und führt in die Irre! Was wir brauchen, sind keine Appelle zum hemmungslosen Mehrverbrauch, sondern vernünftige Regelungen, die zu einem vorsorgenden, langfristigen Ressourcenschutz beitragen, Wasser auch in seinen natürlichen Funktionen schützen und knappen Wasserdiensten einen ökologisch wahren Preis geben. Dann wird nämlich automatisch und ökonomisch vernünftig „gespart“, d. h. Wasser so sorgsam genutzt wie alle anderen knappen Gütern auch.

Weiterführende Literatur

  • Wissen, Wassermangel im Überfluss – zum Spannungsverhältnis von Infrastruktur- und Wasserhaushaltsproblemen, in: Bernhardt/Kilper/Moss (Hrsg.): Im Interesse des Gemeinwohls. Regionale Gemeinschaftsgüter in Geschichte, Politik und Planung, 2009, S. 115 ff.
  • Gawel/Fälsch, Wasserentnahmeentgelte zwischen Wassersparen und Wasserdargebot. Ist Ressourcenschonung eine sinnvolle Zielsetzung für Wasserentnahmeentgelte?, in: gwf-Wasser/Abwasser 2011, Heft 9, S. 838 ff.
  • EEA (European Environment Agency), Water resources across Europe – confronting water scarcity and drought, EEA Report 2/2009
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